Märkte und Städte im Mittelalter

Michael Leitgeb

Das Auftreten von märktischen Siedlungen ist eng verknüpft mit den wirtschaftlichen und demographischen Entwicklungen im Land. Der einsetzende Übergang von der vorherrschenden Agrar- zur Geldwirtschaft im Ostalpenraum und der Bevölkerungszuwachs schaffen günstige Voraussetzungen für die zunehmende Durchsetzung der ländlichen Gesellschaft mit bevorrechteten Kommunen in landschaftlichen Ballungsräumen. Dort, wo es die geografischen, topografischen und wirtschaftlichen Verhältnisse erlauben, entwickeln sich Märkte und Städte.

Begünstigt wird die Bildung des Märkte- und Städtewesens durch die Landesfürsten und geistlichen und weltlichen Grundherrn, die sich dadurch steigende Einkünfte erhoffen. Durch die planmäßige Förderung und die damit verbundene Verleihung an Markt- und Stadtprivilegien kommt es zu einer Regelung und Reglementierung des Wirtschaftslebens.

 

Viele der neuen Zentren folgen den Flusstälern, die Orientierung in einem Waldland, Wasserversorgung und Schwemmland als Ackerboden bieten und als zentrale Sammellinien für den alpinen Verkehr dienen. Sie liegen an Straßenknotenpunkten, an Brücken und Umladestationen an den Füßen der Pässe und den neuen Zentren des aufblühenden Bergbaus. Nicht zuletzt wegen der Lenkung und Kontrolle der Verkehrs- und Warenströme entsteht ein regelmäßiges, mehr oder minder dichtes Netzt von Märkten und Städten.

 

Mit der Nennung Judenburgs als Handelsniederlassung am Beginn des 12. Jahrhunderts setzt auch in der Steiermark die planmäßige Förderung von Marktorten ein. Ab 1224, ebenfalls beginnend mit Judenburg, entstehen in nur knapp 100 Jahren die Städte der Obersteiermark. Oberwölz steht exemplarisch für eine, sich aus einem Markt heraus entwickelnde „organisch“ gewachsene Stadt, wohingegen Leoben aufgrund der naturräumlichen Gegebenheiten verlegten und „auf der grünen Wiese“ neu gegründet wurde.

Fotokarte Alt-Neumarkt, Hermann Lepuschütz, nach einer Marktansicht aus 1813

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Buchtipp:



Joham, Alfred, Leoben. Bauentwicklung und Stadtbefestigung. Eine stadtmorphologische Studie zur Leobener Innenstadt (Schriftenreihe des Instituts für Geschichte, Band 17) Graz 2009.
Leitgeb, Michael, Oberwölz. Versuch einer neuen Sehweise der historischen Stadtgestalt (grazer edition, Band 10) Wien-Berlin 2012.

Museum für Geschichte

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