Wie verbreiten sich die Orden in Europa?

Zu Beginn des 12. Jahrhunderts ist Europa in Bewegung: Städte werden gegründet, ganze Regionen neu besiedelt. Die Landesherren, denen v.a. an der Stabilisierung ihrer Territorien und der Festigung ihre Macht gelegen ist, betreiben auf weltlichem wie geistlichem Gebiet genau das, was man heute „Standortförderung“ nennt.

 

Daran haben auch die Klöster erheblichen Anteil. Sie kennen buchstäblich keine Grenzen. Von einer Zentrale aus gesteuert, bilden sie bald dichte, in „Kongregationen“ unterteilte Netzwerke, die weite Teile des Kontinents umfassen und erschließen. Zwischen den Niederlassungen der Orden entsteht ein reger Austausch von Menschen, Ideen und Wissen.

 

Aber nicht nur geistliche Macht und intellektuelle Regsamkeit sichern den Erfolg der großen Klöster. Ihr hoher Bildungs- und Organisationsgrad machen sie zu begehrten Partnern der Grund- wie Landesherren, auch auf dem immer wichtiger werdenden Gebiet der Verwaltung. Klöster sind vieles, nicht zuletzt bedeutende Wirtschaftsstandorte: Zur Klosteranlage gehören ausgedehnte landwirtschaftliche Betriebe. Sie werden von Mönchen dirigiert, aber von Laien in Gang gehalten, die im Getreidespeicher, in Mühlen, Ställen, Brauhäusern und Backstuben arbeiten.

 

 

Heilige Netzwerke universal. Das Europa der Zisterzienser

Als Beispiel für die europaweite Ausdehnung der Orden sollen die Zisterzienser dienen: Von Ostfrankreich ausgehend, breitet sich der Orden des hl. Bernhard von Clairvaux auf dem Kontinent aus.  Es handelt sich eine Reformbewegung des Benediktinerordens, die v.a. gegen Verweltlichung und laxe Lebensführung ankämpft. Die Folgen sind gewaltig: Die westeuropäischen „Mutterklöster“ gründen Ableger in Mittel- und Südeuropa, aus denen wiederum zahlreiche neue Niederlassungen hervorgehen, sogenannte „Tochterklöster“: Dieses System der „Filiationen“ ist streng hierarchisch angelegt und eine der folgenreichsten Netzwerkbildungen und Raumerschließungen in der europäischen Kulturgeschichte.

Karte: Mittelalterliche Zisterzienserklöster in Österreich, Neuanfertigung: UMJ, 2021

Museum für Geschichte

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Öffnungszeiten


Di-So, Feiertag 10 - 18 Uhr

 

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10. April 2023
1. Mai 2023
29. Mai 2023

24. bis 25. Dezember 2022
1. Jänner 2023
21. Februar 2023
24. bis 25. Dezember 2023