Wie entwickelt sich die Klosterlandschaft in der Steiermark?

Die großen Mönchsorden prägen das Land, lange bevor Marktsiedlungen und Städte entstehen: Der Benediktinerorden, ohnehin Pionier des abendländischen Mönchtums, bildet den Auftakt. Sein weiblicher Zweig besiedelt um 1000 das Stift Göss, während die Marktsiedlung Leoben erst 1173 erwähnt wird. Bis zum Ende des 11. Jahrhunderts hat der Benediktinerorden mit Admont und St. Lambrecht zwei bedeutende Zentralen in der Obersteiermark gegründet.

 

Die beiden Niederlassungen der Zisterzienser fallen in eine Blütezeit des Ordenswesens, als auch der Aufschwung der noch jungen Städte einsetzt. Wie eine bekannte Redewendung besagt, bevorzugen die Zisterzienser stille Täler mit nutzbaren Bächen. Sichtbar wird dies bei den Standorten von Stift Rein und dem erst im 14. Jahrhundert gegründeten Stift Neuberg an der Mürz. Hier wächst dank aktiver Förderung des Landesherrn, zuletzt Kaiser Friedrichs III., der bedeutendste hochgotische Kirchenbau der Steiermark empor. Unmittelbares Vorbild ist der Hallenchor des Zisterzienserkloster Heiligenkreuz bei Wien, woher die besiedelnden Mönche berufen worden sind.

Die Augustiner Chorherren sind ein aktiver Seelsorgeorden, der 1143 seine früheste steirische Niederlassung von St. Marein bei Knittelfeld nach Seckau verlegt. Ab dem frühen 13. Jahrhundert wird von hier aus die steirische Diözese geführt. Erst seit dem 18. Jahrhundert residiert der Oberhirte des Landes in Graz. Weitere Gründungen des Ordens sind in Pöllau, Vorau, Stainz und Rottenmann.

 

Ein Sonderfall ist der Orden der Kartäuser, der seine Ursprünge ebenfalls in Frankreich hat. Die rein kontemplative Lebensführung, die einer der strengsten Ordensregeln überhaupt unterliegt, befähigt die Mönche zu einer eminenten Wissenschaftspflege, befördert. Ihre bewusst entlegen gewählten Standorte liegen in der ehemaligen Untersteiermark: Žiče/Seitz, dessen Bibliothek legendären Ruf genießt, und Jurklošter/Gairach. Hier entstehen ab der Mitte des 12. Jahrhunderts die Ordensniederlassungen, die systematisch angelegten „Kartausen“.

Heilige Netzwerke regional. Steirische Klöster und ihre Besitzungen

Einzelne Klöster sind vor allem über ihre wirtschaftlichen Tätigkeiten im gesamten Gebiet der Steiermark präsent. Davon zeugt etwa das dem Stift Admont gehörende Weingut „Dveri-Pax“ bei Jarenina, das ehemals in der Štajerska, heute in Slowenien liegt. Auch in der Hauptstadt ist Admont präsent, wie der bis heute bekannte „Admonter Hof“ in der Grazer Innenstadt belegt. Im späten 13. Jahrhundert errichtet, dient er dem Abt und den Benediktinermönchen als Wohnstätte in der Stadt. In ähnlicher Weise errichtet sich das Stift St. Lambrecht den „Lesliehof“ in der Raubergasse als Stadtresidenz, die den weltlichen Adelspalais in der Nachbarschaft in Aufwand und Umfang kaum nachstehen. St. Lambrecht ist es auch, das im 12. Jahrhundert mit Mariazell den entscheidenden Impuls für ein grenzüberschreitendes Wallfahrtswesen setzt und eines der bedeutendsten Pilgerzentren Europas begründet.

Neuanfertigung: UMJ, 2021

Stifte in der Steiermark um 1500, Neuanfertigung UMJ, 2021

Museum für Geschichte

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T +43-316/8017-9800
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