Normierung

Der Erste Weltkrieg war der erste große technische Krieg und ein ungeheurer Beschleuniger der Technologieentwicklung. Hatte die österreichische Niederlage bei Königgrätz 1866 zur Modernisierung der österreichischen Armee und zu neuer Waffenproduktion geführt – die neuen Werndl-Werke in Steyr wurden zur größten Waffenfabrik in Kontinentaleuropa –, so hatte im Weltkrieg die lange Dauer der Kampfhandlungen eine kriegsbegleitende Technikentwicklung zur Folge. Das galt für die Marine, vor allem aber für die Luftstreitkräfte und natürlich für die Kämpfe am Boden, für Panzer, Geschütze und Munition.

 

Die „Deutsche Industrienorm“ (DIN) zur Normierung der Munition für die Maschinengewehre (etwa das MG 08/15) ist bis heute im Sprachgebrauch für eine normierte Gesellschaft verankert. Normiert waren klarerweise Uniformen, die auch das Hinterland zu prägen begannen. Normiert waren die Behandlungen der psychisch zerstörten Frontsoldaten durch Elektroschocks, normiert war bald auch die Lebensmittelausgabe durch Bezugsscheine.

 

Der Soldat als Anhängsel der kriegsführenden Maschine war den Massenvernichtungswaffen ausgesetzt, er kämpfte gegen einen „unsichtbaren“ Gegner; die Granatwerfer sollten den Feind in den Schützengräben treffen, das Maschinengewehr war nicht auf genaues Zielen, sondern auf massenhaftes Töten ausgerichtet. Der Soldat „bediente“ die Maschine.

Frauen beim Anstellen in der Behörde in Graz, 1917, Fotograf unbekannt, Leihgabe: Karl Albrecht Kubinzky, Graz

Normiert wurde auch der Postverkehr. Die portofrei verschickbare Feldpost (etwa 28,7 Milliarden Sendungen in den vier Jahren des Kriegs!) war einer Zensur (und Selbstzensur) unterworfen, die Karten waren massenhaft mit ähnlichen Motiven versehen, die auch die Vorstellungen (Held, Vaterland, Ehre, Treue, weibliche Sorgfalt etc.) in den Köpfen weitgehend mitformten.

Normierte Arbeitsabläufe in den Fabriken schufen die Grundlagen für das Fließband der Folgejahrzehnte. Triebfeder aber war die Waffenproduktion, das Erzeugen von Munition für die Maschinengewehre, die sichere Passung von Geschütz und Munition. Front und Hinterland, Produktion und Verwendung sollten möglichst ohne Reibungsverlust ineinandergreifen. Dass im Hinterland nunmehr die Frauen an den Werkbänken standen, widersprach zwar dem gängigen Verständnis der Verteilung der Geschlechterrollen, wurde aber weitgehend als nur temporäre Notwendigkeit angesehen.

Museum für Geschichte

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