Ans Meer

Einst wurden die Meeresküsten als trostlose und wüste Orte geschmäht, doch in den letzten 200 Jahren wurden sie als Reiseziele Schritt für Schritt immer populärer. Der Aufenthalt im Wasser gilt als gesund, das Meer wird zum beliebten Aufenthaltsort. Der Ausbau von Massentransportmitteln ermöglicht ab der Mitte des 19. Jahrhunderts immer weiteren Kreisen die Reise an die ersehnten Gestade. Für den komfortablen Aufenthalt am Strand werden Hütten und Zelte errichtet. Der Strandkorb etabliert sich als mobiles Multifunktionselement.

 

Mit steigender Gästezahl entwickelt sich die für Badeorte typische Infrastruktur: Hotels, Theater, Promenaden, Geschäfte, Kaffeehäuser. Der Badegast soll nichts vermissen und die gesellige Durchmischung verschiedenster Menschen durch nichts getrübt werden. Unterschiedliche finanzielle Ressourcen werden ebenfalls berücksichtigt. Nach dem Ersten Weltkrieg erkämpfen sich die Arbeiter/innen ihr Recht auf bezahlten Urlaub. Die Reise ans Meer rückt damit in greifbare Nähe. Die Badeorte reagieren darauf: Das Angebot wächst weiter und von der Fischerhütte bis zum Grand Hotel ist nach und nach für jeden Geldbeutel etwas dabei.

Am Beginn ihrer Nutzung sind die Strände stark segmentiert. Es gibt Zonen für Männer, für Frauen und eine „neutrale“ für Nichtbadende. Diese klare Trennung löst sich mit der Zeit jedoch genauso auf wie das strikte Verbot, außerhalb der zum Baden ausgewiesenen Strandabschnitte ins Wasser zu gehen.

 

Der Massentourismus im heutigen Sinn setzt nach dem Zweiten Weltkrieg ein. Wer es sich irgendwie leisten kann, fährt ans Meer. Anfänglich mit Bus oder Bahn, dann mit dem Moped, schließlich mit dem eigenen Auto. Die Kolonnen an den Grenzen und Mautstationen stellen die Geduld der Reisenden auf eine harte Probe. Dabei wird extra zu nachtschlafender Zeit losgefahren, um dem Stau zu entgehen. Da jedoch alle anderen ebenfalls im Morgengrauen aufbrechen, ist der Erfolg dieser Strategie gleich null. Bleibt immer noch das Argument mit dem Ausweichen der Tageshitze, denn damalige Autos verfügen noch nicht über Klimaanlagen. Die mitreisenden Kinder liegen am Beginn der erwartungsgemäß längeren Fahrt schlafend auf der Rückbank. Gurte werden erst ab 1976 Pflicht und dann nur schweren Herzens angelegt. Für die meist männlichen Autolenker war das Angurten sehr oft nicht maskulin genug.

 

Aufgehalten durch diverse Staus, Esel-Melonen-Karren, Apes, Abkürzungen, die sich als erstaunlich lang erweisen (das Navigationsgerät wird erst später erfunden), oder Autos mit Wohnwagenanhängern – trifft die reisende Familie oft erst am frühen Nachmittag am Zielort ein, meist hungrig und in froher Erwartung auf ein exotisch-fremdes Essen. In Italien steht den Reisenden um diese Uhrzeit allerdings die erste Enttäuschung bevor: Die Küche ist ab 14 Uhr bis zum Abend geschlossen. Pizzastücke, Paninis, Toast oder Brioche trösten als Snacks über den ärgsten Hunger hinweg.

 

Fremdes Essen ist überhaupt ein interessantes Thema. Ob italienisch oder jugoslawisch, es ist exotisch und schmeckt im Urlaub wunderbar. Eine besondere Attraktion an italienischen Stränden ist der Cocobello-Verkäufer, der am Strand Kokosnussstücke verkauft. Die schmecken den meist jungen Käuferinnen und Käufern zwar nicht besonders, aber das ist Nebensache. Man muss sie haben, schließlich gibt es sie nicht alle Tage.

 

Genauso ungewöhnlich und faszinierend wie das Essen ist auch die bunte Plastikwelt der fremden Spielsachen, die man unbedingt mit nach Hause bringen muss. Dort verstauben sie dann meist unbenutzt in der Ecke und finden schließlich ein unrühmliches Ende im Müll.

 

Bezahlt wird alles mit fremdem Geld mit vielen Nullen und bimetallischen Münzen. Da das Geld eigens für den Urlaub getauscht wird und nur mit Verlust zurückgetauscht werden kann, ist genaue Planung gefragt. Der gewechselte Betrag muss hoch genug sein, dass nicht nachgewechselt werden muss, am Ende muss aber alles ausgegeben sein. Schließlich, da ist man sich sicher, ist im nächsten Sommer die fremde Währung aufgrund der Inflation nur noch die Hälfte wert.

Ganz besondere Ängste erregen Quallen. Sie werden öfters am Morgen tot am Strand gefunden. Der Anblick des unförmigen Glibbers und die Schreckenserzählungen über die furchtbaren Schmerzen, die mit der Berührung der Tiere einhergehen, sorgen für Albträume und Angstfantasien, selbst wenn die Tiere nie lebend gesichtet werden. Sehr real und spürbar ist der von Seeigeln verursachte Schmerz: Wer einmal in einen der vielen schwarzen Bälle getreten ist, zieht gerne die bunten Plastikschuhe an, um ins Wasser zu gehen.

 

Eine drohende Krebserkrankung ist in der optimistischen Aufbruchs- und Wirtschaftswunderzeit kein Thema. Rauchen gehört noch genauso zum guten Ton wie eine möglichst nahtlose Urlaubsbräune als nachhaltiger Beweis für die Reise in den Süden. Sunblocker gibt es ausschließlich für Kleinkinder, die etwas Größeren werden nur am Anfang des Urlaubs mit der Sonnencreme traktiert und Erwachsene schwören auf Tiroler Nussöl, da es die Bräune fördert. Der Sonnenbrand ist vorprogrammiert und gehört zum Urlaub wie Eiscreme und Nudeln. Auch die Bewohner/innen des Gastlandes schwören auf Sommerbräune. Stundenlang stehen Italiener/innen plaudernd im seichten Wasser, da die Reflexion eine allseitige Bräunung ermöglicht. Der aus dem Norden kommende Tourist hält sich an die hergebrachte „Regelmäßig-Wenden-Methode“.

Urlaubsvorbereitung ist Planung. In Zeiten vor den kleinen und handlichen E-Book-Readern, mit denen man stets seine ganze Bibliothek dabeihat, ist die Frage, wie viele Bücher mitgenommen werden dürfen, ein heiß diskutiertes Thema. Ein anderes ist die Überlegung, wie viel Filmmaterial ins Reisegepäck kommt.

 

Fotografieren ist teuer und man sieht erst Wochen später, ob aus den Fotos etwas geworden ist oder nicht. Es wird daher nicht einfach losgeknipst, sondern überlegt fotografiert. Schließlich ist die Zahl der Bilder, die man machen kann, begrenzt. Im Idealfall ist mit dem letzten Foto auch der Urlaub zu Ende. Muss am Ende der Ferien doch noch ein neuer Film eingelegt werden, dauert es oftmals bis Weihnachten, diesen auszuknipsen. So findet sich die Strandidylle neben dem Wintertraum im gleichen Fotopaket.

Grado

Im Gegensatz zu Abazzia/Opatija, dem Bad Ischl an der Adria, mit seinem aristokratischen Publikum wird Grado von Mitgliedern der (groß)bürgerlichen Schicht frequentiert. Zu seinen Gästen zählen etwa Beamte, Offiziere, Rechtsanwälte, Professoren, Kaufleute, Ärzte, Fabrikanten. Es ist ein Ziel der Bildungsreisenden und Künstler. Seine Besucher/innen prägen den Stil der Architektur, die Riten und die Identität der Insel, an deren älteren Hotelbauten sich noch heute der Sezessionsstil der ersten Hochzeit ablesen lässt.

 

1914, bei Ausbruch des Ersten Weltkrieges, ist Grado mit 16.672 Gästen und 350.000 Nächtigungen das beliebteste Seebad der Monarchie. Zu dieser Zeit ist die Anreise schon um einiges leichter als Mitte des 19. Jahrhunderts, als Grado noch durch die Lagune vom Festland getrennt ist und die potenziellen Besucher/innen mit der Kutsche von einer Station der Südbahn nach Aquileia fahren und von dort auf verschlungenen Wegen mit dem Boot die Lagune durchqueren müssen. Der etwas später gebaute Kanal verkürzt die Anreise erheblich. Ab 1888 existiert schon eine Dampfschiffverbindung nach Aquileia. 1894 wird die Eisenbahnlinie Monfalcone–Cervignano eröffnet, was die Anreise ebenfalls erleichtert, und 1902 wird die Verbindung Triest–Grado und retour geschaffen. 1910 eröffnet schließlich die Eisenbahnstrecke Cervignano–Belvedere–Grado.

 

Auch die zur Verfügung stehende Infrastruktur für Badende ist Mitte des 19. Jahrhunderts noch sehr spartanisch. Es gibt gerade einmal zwei durch einen Kilometer Abstand getrennte Umkleidekabinen – eine für Männer, eine für Frauen. Diese werden 1868 durch eine Badeanstalt ersetzt, die bis 1883 von der Gemeinde Grado verwaltet wird.

 

Der Beginn von Grados Popularität hängt eng mit der Gründung eines Hospizes für skrofulöse und rachitische Kinder aus Görz und Triest zusammen. Das Hospiz wird 1873 von Giuseppe Barelli gegründet und von reichen Bürgern aus Görz gefördert. Hierher werden Kinder aus armen Verhältnissen zur Behandlung geschickt. Durch die zunehmende Bekanntheit und den Erfolg der Einrichtung kommen die Kinder mit der Zeit aus der ganzen Monarchie. Die Heilerfolge sind eine gute Werbung für Grado und werden bis 1889 regelmäßig in Fachblättern und später auch in Tageszeitungen veröffentlicht. 1892 steigt Grado offiziell zum Kurort mit genehmigter Kurordnung auf.

 

Parallel zu dieser Entwicklung beginnt sich Grado ab dem Ende der 1880er-Jahre als Sommerbadeort durchzusetzen. Die Badesaison dauert vom 15. Mai bis 30. September. Um die beste Zeit für eine Klima- und Heliotherapie zu nutzen, reisen Mütter mit Kindern aber meist schon Ende April an.

 

Grados größter Vorzug gegenüber anderen Kurorten an der Adria ist der breite Sandstrand. Der Eintritt zum Strand ist allerdings kostenpflichtig und ab 8 Uhr morgens gestattet. Als Umkleideort dienen Zelte, die für vier Personen ausgelegt sind.

 

Zur Unterhaltung der Gäste gibt es unterschiedliche Attraktionen, zum Beispiel Ausflüge in die Lagune, aber auch musikalische Vergnügungen durch das städtische Musikorchester. Es entstehen Souvenir- und Badeartikelgeschäfte, Fotografen wie Hezs & Wessely halten Erinnerungen für die Gäste im Bild fest. Auch auf den gewohnten Kaffee müssen die Gäste nach der Gründung des Wiener Cafés „Secession“ nicht mehr verzichten.

Abbazia/Opatija

Der Traum vom Süden für die Bewohner/innen der Doppelmonarchie ist Abbazia/Opatija. Das kleine Fischerdorf, das in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zum mondänen Winterkur- und Seebad geworden ist, wird vornehmlich von Adeligen aus allen Teilen des Habsburgerreiches besucht.

 

Am Anfang der Geschichte stehen eine Villa, die Südbahn, ein begeisterter Dichter und ein Arzt. Zu Beginn der 1840er-Jahre erwirbt der Geschäftsmann Higinio Scarpa aus Fiume/Rijeka ein Grundstück in Abbazia und errichtet dort die nach seiner 1832 verstorbenen Frau benannte Villa Angiolina. Als guter Gastgeber führt Scarpa ein offenes Haus, lädt zahlreiche Gäste ein und richtet sogar einen eigenen Pendelverkehr mit Kutschen von Fiume nach Abbazia ein.

 

Die prächtigen Feste erfreuen sich großer Beliebtheit und immer wieder finden sich hochgestellte Persönlichkeiten wie der Banus von Kroatien, Joseph Freiherr von Jellačić, oder Kaiserin Maria Anna von Österreich unter den Besuchern.

 

Noch ist Abbazia aber ein Geheimtipp. Das Gesicht des Ortes beginnt sich allerdings bereits zu verändern. Hotels und Gästehäuser werden errichtet und die Zahl der Reisenden beginnt zu steigen. Unter den Gästen befindet sich auch der bayerische Schriftsteller Heinrich Noe, dessen hymnische Beschreibungen viel zum Erfolg Abbazias beitragen werden.

 

Aufmerksam gemacht durch Berichte über die Schönheit Abbazias, beginnt sich auch der Direktor der Südbahngesellschaft Julius Schüler für den Ort zu interessieren. Seiner Vision nach ist es der ideale Ort, um eine neue Attraktion für die Reichen des Landes zu schaffen und damit die Südbahn noch attraktiver zu machen. Der für den Ausbau des Ortes notwendige Bahnanschluss ist durch die Fertigstellung der Strecke nach Fiume 1873 bereits vorhanden. Sieben Kilometer mit der Kutsche sind es lediglich von der Station Mattuglie nach Abbazia. Damit ist der Ort von Wien aus bequem über Nacht zu erreichen.

 

Zur Umsetzung des Projektes erwirbt Schüler die Villa Angiolina und beginnt sogleich mit dem Ausbau zum Hotelbetrieb. Als Kurarzt wird der junge Mediziner Dr. Julius Glax angeworben, der gemeinsam mit dem Triestiner Statthaltereirat Graf Benedikt Giovanelli die Kurordnung ausarbeitet. Diese wird zur Grundlage des Landesgesetzes und bewirkt, dass dem Ort Abbazia 1889 das Kurstatut verliehen wird.

 

Dem Aufstieg Abbazias steht nun nichts mehr im Wege. Berühmte Patientinnen und Patienten wie Kronprinzessin Stephanie oder das rumänische Königspaar Carol I. und Elisabeth finden sich genauso ein wie bereitwillig die Werbetrommel rührende Schriftsteller/innen.

 

Um die Besucher/innen standesgemäß beherbergen zu können, schießen in den 1880er-Jahren zahlreiche Hotelpaläste aus dem Boden – nicht immer zur ungetrübten Freude der frühen Abbazia-Reisenden, die ihre südliche Idylle untergehen sehen.

 

Vorbild für die Gestaltung des neuen Abbazia sind die Seebadeorte an der Riviera wie Nizza oder Monte Carlo. Alles ist darauf ausgerichtet, eine mondäne Atmosphäre zu schaffen und mit Abbazia eine eigene Marke aufzubauen. Der Ort soll im Angebot der Reiseziele hervorstechen.

 

Dafür wird auch in Infrastrukturmaßnahmen investiert, zum Beispiel durch die Erweiterung des alten Hafens und die Errichtung des Kaiserpavillons als Wartesaal für die illustren Gäste.

 

Und sie kommen: Erzherzoginwitwe Stephanie und Erzherzog Ludwig Viktor, der serbische König Alexander I. und sein Vater Milan, Erzherzog Josef und Obersthofmeister Prinz Hohenlohe, die ungarischen Adeligen Graf Szechènyi und Graf Aladar Andràssy sind nur einige der Prominenten, die in den 1890ern Abbazia besuchen.

 

Damit es den (zahlungskräftigen) Touristen an nichts mangelt, wird weiter intensiv an der Infrastruktur des Ortes gearbeitet. Es entstehen Kuranstalten, Sanatorien, Trinkhallen, Aussichtsstationen, Desinfektions- und Waschanstalten, eine 12 Kilometer lange, mit Denkmälern und Springbrunnen geschmückte und mit Sitzbänken versehene Strandpromenade, ein Waldpfad und vieles mehr. In der Umgebung wird ein Reitweg angelegt und für Wanderfreudige werden Schutzhausanlagen am Monte Maggiore gebaut.

 

Immer mehr verändert der Ort sein Gesicht, das am 24. September 1896 zum ersten Mal elektrisch beleuchtet wird.

 

Ab 1908 verkehrt schließlich eine elektrische Straßenbahn von der Südbahnstation Mattuglie nach Abbazia und ins benachbarte Lovran.

Gardasee

Der Gardasee, seit den 1950er-Jahren immer mehr zur deutschen und österreichischen Kolonie ausgebaut, blickt auf eine im Vergleich zu anderen italienischen Orten kurze Tourismusgeschichte zurück.

 

Im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts beginnt der deutsche Lungenfacharzt Dr. Ludwig Rohden Patienten, die es sich leisten können, zur Kur an den Gardasee zu schicken. Das milde Winterklima in dieser Region bekommt den Patienten besser als Kälte und Feuchtigkeit im heimatlichen Deutschland. Untergebracht werden die Kurgäste in der in Gardone gelegenen Albergo Pizzoccolo. Das kleine Haus gehört dem in Österreich-Ungarn geborenen Ingenieur Louis Wimmer und kann die große Menge an Gästen bald nicht mehr bewältigen. Denn der Erfolg der Gardaseekuren spricht sich herum und immer mehr Ärzte schicken ihre Patienten zur Erholung an den See.

 

Louis Wimmer ergreift die Gelegenheit beim Schopf und lässt 1880 das Grand Hotel in Gardone errichten. Damit die Gäste nicht auf das Gewohnte verzichten müssen, baut er gegenüber dem Hotel auch ein Café. Ort und See werden so immer stärker von deutschen und österreichischen Gästen frequentiert. Zu ihnen zählt auch Erzherzog Albert, der Cousin von Kaiser Franz Josef. Er erwählt sich die etwas nördlich von Gardone gelegene Villa Principe als Jagd- und Sommerresidenz.

 

Dass es für den Geschmack mancher Einheimischer bereits damals zu viele deutschsprechende Touristen am Gardasee gibt, zeigt die Verbreitung des durchaus negativ gemeinten Wortes germanizzazione unter der italienischen Bevölkerung. Die Bürger von Gardone machen Louis Wimmer 1881 trotzdem zu ihrem Bürgermeister. Dies ist umso bemerkenswerter, als Gardone nicht am östlichen, österreich-ungarischen Ufer liegt, sondern am westlichen und damit im italienischen Teil. Politisch sind Italien und Österreich-Ungarn nicht eben gut befreundet.

 

Am östlichen Ufer hält sich gut 100 Jahre vor dem Beginn der touristischen Vermarktung des Gardasees ein bekannter Tourist aus dem Norden auf: Johann Wolfgang von Goethe kommt 1786 auf seiner Tour durch Italien – festgehalten in seinem Tagebuch der Italienischen Reise – in das am See gelegene Torbole und erlebt dort seinen ersten Kulturschock: Als er den Wirt nach einer „gewissen Gelegenheit“ fragt, deutet dieser in den Hof. Auf Nachfrage Goethes, wo genau er sein Geschäft verrichten könne, bekommt er die lapidare Antwort: „Wo sie wollen.“ – Andere Länder, andere Sitten.

 

Dieser Zwischenfall ist allerdings nicht das einzige Ungemach, das dem Dichterfürsten am Gardasee widerfährt. Als er sich anschickt, in Malcesine den alten Turm zu zeichnen, wird er beinahe als vermeintlicher Spion verhaftet. Goethe hat, ohne es näher zu bedenken, damit begonnen, eine Grenzfestung zwischen Venedig und Österreich auf Papier festzuhalten – ein Ansinnen, das damals wie heute von Behörden allerorts nicht gerne gesehen wird! In Malcesine kann man mittlerweile aber alles nach Herzenslust bildlich festhalten, denn der Gardasee liegt zur Gänze auf dem Staatsgebiet von Italien, dem Sehnsuchtsland vieler Reisender aus dem Norden.

Museum für Geschichte

Sackstraße 16
8010 Graz, Österreich
T +43-316/8017-9800
geschichte@museum-joanneum.at

 

Öffnungszeiten


Di-So, Feiertag 10 - 18 Uhr

 

6. Juni 2022
15. August 2022
26. Dezember 2022

24. bis 25. Dezember 2022