Macht des Wortes

Glaube und Sprache

Das Luthertum ist in noch bedeutenderem Maße eine „Schriftreligion“ als das Christentum im Allgemeinen. Die alleinige Konzentration auf die Bibel ist nicht nur theologische Absage an die überaus dichte nachbiblische Überlieferung, wie sie den Katholizismus kennzeichnet. Sie ist auch Ursache für das starke intellektuelle Gewicht, das für die protestantische Kultur insgesamt typisch ist und einen enormen Beitrag zu Bewusstsein und Identität des modernen Europa wie auch der USA, also der „westlichen Welt“ insgesamt darstellt.

 

Am deutlichsten wird dies durch den Anteil, den die Beschäftigung mit Sprache und Textüberlieferung gleich zu Beginn der Reformation hat, zumal diese vor allem dem Buchdruck Existenz und Wachstum verdankt. Nicht zuletzt ist Luther selbst Gegenstand einer einzigartigen Medienkampagne, die in den Händen eines erstrangigen PR-Experten liegt: Lucas Cranach der Ältere macht aus dem unbekannten Augustinermönch und Professor in Wittenberg eine weltgeschichtliche Figur.

 

Lucas Cranach d. Ä., Luther als Mönch, Kupferstich, 1520

Nicht minder wichtig sind Luthers persönliche Leistungen wie die legendäre Bibelübersetzung. Mit der vielzitierten „Lutherbibel“ wird ein bildungsgeschichtliches Fundament gelegt, das für die weitere Entwicklung der deutschen Sprache und Literatur von größter Bedeutung ist.

 

Zur Breitenwirkung der Reformation hat auch das auf Luther selbst zurückgehende geistliche Liedgut beigetragen, das den Gemeinden einen ganz anderen Anteil an der Feier des Gottesdienstes und damit der offenen Ausübung des Glaubens gestattet hat.

Gesangbuch mit Liedern Luthers, Nürnberg 1567 oder 1573, Privatbesitz

Der energische Einspruch Luthers und seiner Anhänger gegen den exzessiven Heiligenkult ihrer Zeit und die damit einhergehenden Bilderstürme haben der Reformation den pauschalen Vorwurf der Bilderfeindlichkeit eingetragen, was durch die Schmucklosigkeit vieler evangelischer Kirchenräume scheinbar bestätigt wird. Stattdessen haben auch Bilder und demzufolge eine sakrale Kunst bedeutenden Anteil an der reformatorischen Glaubensverkündung, sind aber an die biblische Überlieferung gebunden.

 

Zu den wenigen herausragenden Denkmälern evangelischer Provenienz, die sich nach der strikten Rekatholisierung in der Steiermark erhalten haben, zählt der um 1560/70 entstandene Freskenzyklus an der Außenseite der (heute katholischen) Pfarrkirche in Ranten, denen lutherische Inhalte und Motive zugrunde liegen. Doch sind dies Ausnahmen: Im streng katholischen Habsburgerreich hat sich dank der harten Repression keine vormoderne evangelische Bildkultur entwickeln können.

Der Mensch zwischen Gesetz und Gnade, Szene aus dem Freskenzyklus an der Pfarrkirche Ranten, um 1560/70.

Museum für Geschichte

Sackstraße 16
8010 Graz, Österreich
T +43-316/8017-9800
geschichte@museum-joanneum.at

 

Öffnungszeiten
Mi-So, Feiertag 10 - 17 Uhr

 

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