In der Defensive

Der katholische Landesherr

Der Landesherr Erzherzog Karl II., der von 1564 bis 1590 von der Grazer Burg aus den habsburgischen Länderkomplex Innerösterreich regiert, hat die wachsende Macht der protestantischen Konkurrenz ständig vor Augen: Seine eigene Residenzstadt ist zu einer lutherischen Hochburg geworden.

Sichtbarsten Ausdruck finden diese Machtverhältnisse im neuen Landhaus, das der italienische Architekt Domenico dell’ Allio im Auftrag der protestantisch dominierten Stände ganz im Stil der nun zur Herrschaft gelangten Renaissance mitten in die Stadt gesetzt hat. Die schärfste Waffe der Stände im Konkurrenzkampf mit dem Landesherrn ist die Budgethoheit. Ohne ihre Zustimmung ist keine Steuererhebung, sind keine Ausgaben möglich. Das betrifft vor allem die Mittel für die Landesverteidigung. So ist allein die Instandhaltung der nun nach italienischer („welscher“) Manier erbauten Grazer Stadtbefestigung mit ihren Bastionen in Zeiten ständiger Invasionsgefahr eine überlebenswichtige Frage.

Steirischer Panther, Steinrelief von der sog. „Grillbüchlbastei“ der Grazer Stadtbefestigung, Mitte 16. Jh., UMJ, sog. Lesliehof, Innenhof, Arkadengang

Wer über das Geld verfügt, hat die Macht. Wie gewichtig im Wortsinne Finanzfragen sind, bezeugen die noch erhaltenen mächtigen Geldtruhen, eindrucksvolle Zeugnisse des steirischen Eisenhandwerks und mit ihren raffinierten Schließmechanismen Meisterwerke der Sicherheitstechnik im späten 16. Jahrhundert.

Eisentruhe aus dem Grazer Landhaus, 1582, UMJ, Kulturhistorische Sammlung, Inv.-Nr. 19829 (Ansicht Ausstellung „Verschließen und Bewahren“, UMJ, Kulturhistorische Sammlung, 2013)

Derart in die Enge getrieben, ist Karl II. zu Zugeständnissen gegenüber den Protestanten, insbesondere „seinem“ lutherischen Adel, bereit. Die „Brucker Religionspazifikation“ von 1578, die während der Amtszeit von Landeshauptmann Hans von Schärffenberg im sogenannten „Brucker Libell“ ihren Niederschlag findet, bedeutet einen Etappensieg für die Reformation. Nur widerwillig fügt sich der Landesherr ins Unvermeidliche und verweigert trotzig die schriftliche Bestätigung. Wie er in Wahrheit denkt, ist unüberhörbar:

 

„Als will ich die burger auch nit beschwären in iren gewissen, wie ich inen dann bisheer von wegen der religion nit ein harl gekrümt; das will ich hinfüran auch nit thuen: aber dass sie ires gefallens in die stett und märkt predicanten aufnemen sollen, das kan Ich auch nit leiden; aber sie will Ich in iren gewissen unbekumert lassen, darauf mügen sie sich wol verlassen.“

Porträt Hans von Schärffenberg, um 1580, UMJ, Alte Galerie, Inv.-Nr. 499

Museum für Geschichte

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