Alte Eliten für den neuen Glauben

Die Mitte des 16. Jahrhunderts sieht die Reformation auf dem Siegeszug: Um diese Zeit hat sie große Teile Europas für sich gewonnen. Für die römische Kirche ist das eine verheerende Bilanz allseitigen Versagens.

 

Im Reich hat Ferdinand I. mit dem Augsburger Religionsfrieden 1555 fürs erste ein labiles Gleichgewicht erzielt. Die Festlegung der Konfessionswahl obliegt allein den Landesherrn: „Cuius regio eius religio – wessen Land, dessen Glaube“. Das Haus Habsburg mag den Glauben bestimmen, muss jedoch seinen andersgläubigen, aber loyalen Dienern Zugeständnisse machen, denn deren Waffenhilfe gegen äußere Feinde ist unerlässlich. Zu diesen zählt der Steirer Franz von Teuffenbach (1516–1578), der 1535 am Tunisfeldzug Karls V. teilnimmt. Daran erinnert auf einem Bildnis im Joanneum eine vom Kaiser verliehene Auszeichnung, deren Inschrift „BARBARIA“ auf die „Berberei“, also Nordafrika, verweist. Auch auf einem ebenfalls im Joanneum bewahrten Wappenstein Teuffenbachs ist der Orden abgebildet.

 

Spuren dieser obersteirischen Familie finden sich im Land gleich mehrfach, so in der Kirche von Teufenbach bei Murau mit ihren zahlreichen Grabsteinen oder in Schloss Sauerbrunn bei Judenburg, das er 1567 testamentarisch für den Fall des Aussterbens seiner Familie im Mannesstamm als Armenspital stiftete, was 1612 eintrat:

 

Darin sollten arme bresshaftige pesohnen, sovil man von dieser nuzzung aushalten khan, unterhalten werden.“

 

Das Biographische Lexikon des Kaiserthums Oesterreich (Band 44, 1882, S. 65 ff.) hat ihn ausführlich gewürdigt:

 

„1555 wurde er von der steirischen Landschaft als einer ihrer zwölf Vertreter auf dem für den Monat Jänner nach Wien berufenen Landtag gewählt, und stets erwies er sich in den Verhandlungen, welche die Sicherung der Grenzen, die Hilfe gegen die Türken und Erwirkung landesfürstlicher Vergünstigungen für die Anhänger der lutherischen Lehre betrafen – er selbst war lutherisch – als einer der Thätigsten und Beredtesten. Und als dann die Feststellung eines eigenen Kriegsrathes für die Grenzvertheidigung zur Annahme gelangte, wurde zur freien Erwählung der Kriegsräthe unter Anderen auch Franz vorgeschlagen. Aber nicht blos im Waffendienste und in Staatsgeschäften spielt er eine hervorragende Rolle, auch im Dienste der leidenden Menschheit hat er sich ein unvergängliches Denkmal gestiftet.“

Museum für Geschichte

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