Abb.: Kommandofächer, 19. Jh., KHS, Inv.-Nr. 22387

3. April 2019 / Ulrich Becker

Samurai in der Steiermark – Leihgaben aus der Kulturhistorischen Sammlung für das neue „Japaneum“ auf Burg Rabenstein

Ausstellungen | Forschung

Am 27. April wird auf Burg Rabenstein das Japaneum eröffnet, wo auch Leihgaben aus Schloss Eggenberg, dem Landeszeughaus und dem Museum für Geschichte zu sehen sein werden.

„Geweiht dem Kriegsgott Hachiman und verfertigt von Giichi Minamoto“ – so lautet die Widmung auf der prächtigen Samurai-Rüstung in der Kulturhistorischen Sammlung des Joanneums, die nach westlichem Kalender 1855 entstand. In diesen Jahren durchlebt das „Land der aufgehenden Sonne“ einen gewaltigen Schock. Die „Schwarzen Schiffe“ des US-Kommandanten Perry erzwingen die Öffnung des abgesperrten Inselreiches. „Kanonenbootpolitik“ wird man das später nennen. Ein Kriegsgott hilft da nicht.

Es dauert nicht lange und Japan ist kein fernes Land im Nirgendwo mehr, sondern ein handfestes Gegenüber „auf Augenhöhe“, wie man heute sagt. Es fertigt nicht nur Papierwände, sondern baut selbst Panzerschiffe. Westliche Diplomaten machen der neuen Macht im Fernen Osten ihre Aufwartung, auch Österreich, das 1869 – vor genau 150 Jahren – mit dem Tenno einen Freundschaftsvertrag abschließt. In Wien wird man dann im „Handelsmuseum“ der Börse – und später im MAK – „Japonica“ bestaunen. Wie fast überall in Europa gibt es auch in Österreich begeisterte Sammler, deren Spuren auch im Joanneum zu finden sind.

Kommandofächer, 19. Jh., KHS, Inv.-Nr. 22387

Samurai-Rüstung, 1855, UMJ, KHS, Inv.-Nr. 22359-1

Die Welt der Samurai ist längst untergegangen, ihr Mythos hingegen lebendiger denn je. Bis heute gehört er zur DNA Japans wie die Lotosblüten und erst recht die Welt der Geishas, wie sie die vielen Farbholzschnitte von Meistern wie Hokusai und Hiroshige unsterblich gemacht haben. Und so sollten auch die Japaner die kriegerische Tradition ihrer Vorfahren nicht vergessen, als sie schon längst Rikschas gegen Autos eingetauscht haben und die Uniform die Rüstung ersetzt hat. Letztere ist nur noch Erinnerung an eine „heroische“, will sagen blutige Vergangenheit. Sie schmückt nur noch das traute Heim.

Im männerdominierten Japan ist das Reich der Frau das Zuhause – oder eben das Vergnügungsviertel der alten Hauptstadt Edo, des heutigen Tokio. Hier, in der „fließenden Welt“ (ukiyo-e), sorgen die eigens dafür ausgebildeten Geishas für Unterhaltung aller Art. Auch sie sind ein bühnenreifer Mythos geworden, von dem schon die europäische Belle Époque nicht genug bekommen konnte. Das alte Japan lebt, damals wie heute.

Japanerin im Festtagskimono mit Samuraiknabe, Kakiemonpozellan, 18. Oder 19. Jh., KHS, Inv.-Nr. 19581

Tempelgehänge mit Lotosblüte (keman), 19. Jh., KHS, Inv.-Nr. 9896

Kategorie: Ausstellungen | Forschung
Schlagworte: Japaneum


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