13. Mai 2015 / Ulrich Becker

Pointiert präzise #MusealeSchätze

Museum für Geschichte

Einer der noch unbekannten Schätze aus der Kulturhistorischen Sammlung, den wir euch in unserer Serie #MusealeSchätze gerne vorstellen möchten, ist ein vergoldeter Reduktionszirkel. Er stammt von einem der berühmtesten Mathematiker und Uhrmacher seiner Zeit: dem Schweizer Jost Bürgi (1552–1632).

KHS, Inv.-Nr. 7545, Reduktionszirkel, süddeutsch, 17. Jahrhundert. Ausgestellt in: „Idee und Form. Mathematik und die Schönheit der Wissenschaft“, Neue Galerie Graz, UMJ, Joanneumsviertel, 27.02.-11.05.2014. Vergleichbare Reduktionszirkel wurden 2000 auf der Ausstellung „Weltenharmonie. Die Kunstkammer und die Ordnung des Wissens“, Herzog Anton Ulrich-Museum, Braunschweig, 20.07.-22.10.2000, Kat.-Nrn. 374, 389 von Susanne König-Lein vorgestellt.

KHS, Inv.-Nr. 7545, Reduktionszirkel, süddeutsch, 17. Jahrhundert. Ausgestellt in: „Idee und Form. Mathematik und die Schönheit der Wissenschaft“, Neue Galerie Graz, UMJ, Joanneumsviertel, 27.02.-11.05.2014. Vergleichbare Reduktionszirkel wurden 2000 auf der Ausstellung „Weltenharmonie. Die Kunstkammer und die Ordnung des Wissens“, Herzog Anton Ulrich-Museum, Braunschweig, 20.07.-22.10.2000, Kat.-Nrn. 374, 389 von Susanne König-Lein vorgestellt.

 

Die frühe Neuzeit war geprägt von dem Wunsch, die Welt möglichst detailgetreu zu erfassen und geometrische Objekte mit mikroskopischer Genauigkeit zeichnen zu können. In der unendlichen Vielfalt messbarer Verhältnisse haben damalige Mathematiker das Wirken Gottes erblickt. Also wurden auch präzise Geräte benötigt und entwickelt; der Reduktionszirkel war damals wohl so etwas wie ein brandneues iPhone.

Mit dem Reduktionszirkel konnte man aber keine Apps herunterladen, sondern Strecken in einem bestimmten Verhältnis teilen, vergrößern oder verkleinern. Reduktionszirkel heißen daher auch Proportionalzirkel. Sie haben zwei Schenkel, die durch eine bewegliche Einstellschraube verbunden sind. An jedem Ende sind zwei Spitzen: Mit dem einen Paar kann man das Ausgangsmaß abgreifen, und mit dem zweiten Paar die zu konstruierende Größe abschlagen.

Der Reduktionszirkel ermöglicht es, einen Kreisumfang in vier gleiche Teile zu teilen, eine Strecke nach dem Goldenen Schnitt zu teilen und auch die Quadratur des Kreises – also die Konstruktion eines Quadrates, das zu einem gegebenen Kreis annähernd flächengleich ist. Präzise gefertigte Geräte erlauben es, mit einer Genauigkeit von ±0,1 Millimetern zu arbeiten.

Bearbeitet von Theresa Wakonig

Kategorie: Museum für Geschichte
Schlagworte: Kulturhistorische Sammlung | Museale Schätze | Sammlungsobjekte


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