Eugen Hauber, „Nebelhafte Geschichte“, Herrengasse, um 1955, Multimediale Sammlungen/UMJ

22. Februar 2018 / Christoph Pietrucha

Lichtinsel in der Nacht

Museum für Geschichte

Längst sind Mond und Sterne nicht mehr die einzigen Lichtquellen in der Nacht. Eigentlich sind sie entbehrlich, nicht mehr notwendig, vielleicht sogar ausrangierbar. Sie sind nur noch etwas für Romantiker. Nun erhellen künstliche Beleuchtungskörper die Zeit der Dunkelheit. Die Fotoausstellung "Land bei Nacht. Fotoexpedition in die nächtliche Steiermark", die seit 17. November 2017 im Museum für Geschichte gezeigt wird, ist somit zugleich eine Lichtausstellung.

Die Steiermark von einem erloschenen, weil arbeitslos gewordenen Stern aus zu betrachten, bedeutet, Lichtinseln zwischen Bergketten zu zählen. Es wird sich wohl kaum ein Ort finden, der trotz aller Sparmaßnahmen der öffentlichen Hand nicht irgendwo ein angelassenes Lämpchen haben wird. In ihrem Artikel „Viel Licht und starker Schatten. Zur Gestaltung von Stadt und Region nach Einbruch der Dunkelheit“ unterscheiden Dennis Köhler und Manfred Walzer unterschiedliche Stadtlichter, die wohl in jedem steirischen Ort zu finden sind. So bildet die öffentliche Funktionsbeleuchtung die Grundversorgung an Licht im öffentlichen Raum, sie sichert die Funktion von Wegen, Straßen und Plätzen.

Eugen Hauber, Annenstraße bei Schnee, Graz, 1957, Multimediale Sammlungen/UMJ

Die individuelle Beleuchtung im privaten Bereich drängt sich vor allem nachts dem öffentlichen Raum entgegen. Dazu zählt nicht nur das durchs Fenster schimmernde Licht des Fernsehers, sondern auch private Parkplätze und Fabrikbeleuchtungen gehören dazu.

Die merkantile Beleuchtung wirbt für Waren und Geschäfte und versucht, die Aufmerksamkeit potenzieller Kundschaft zu erhaschen. Vor allem waren es Leuchtreklamen, die bereits in den 1930er-Jahren auch steirische Fotografen begeisterten. Einer von ihnen, Maximilian Karnitschnigg (1872–1940), schrieb von „den feenhaften Errungenschaften neuzeitlicher Licht- und Reklametechnik [sowie] den übertaghell beleuchteten mächtigen Schaufenstern“ (Karnitschnigg: „Das nächtliche Strassenbild“, in: Photo-Sport. Illustrierte Monatshefte für Amateure, Januar 1928).

Uto Laur, Herrengasse im weihnachtlichen Lichterglanz, Graz, undatiert, Multimediale Sammlungen/UMJ

Das gestalterische Licht setzt Akzente und unterstreicht dadurch die Bedeutung von bestimmten Gebäuden und Plätzen. Das Ergebnis ist eine besondere Lichtatmosphäre, die dem Flanieren in der Nacht entgegenkommt. Zusätzlich ist hin und wieder temporäre Sonderbeleuchtung zu finden, die sich des künstlichen Lichtes zu besonderen Anlässen bedient. Zu denken ist da an den Weihnachtsschmuck, der die Orte in festliches Gewand kleidet. Für manche markiert er zugleich den Zeitpunkt, den Urlaub in der Südsee zu buchen. Nicht zu vergessen ist das Nicht-Licht. Der bewusste Einsatz von Dunkelheit wurde laut Köhler und Walzer zunehmend als ein eigenes „Gestaltungselement im ökologischen, ökonomischen und sozial-kulturellen Verständnis“ berücksichtigt.

Eugen Hauber, Eisenerz bei Nacht, Hotel Post, undatiert, Multimediale Sammlungen/UMJ

Die heutige Nacht ist somit durch eine Überfülle an Lichtquellen bestimmt, die Lichtinseln, Lichtlagunen und -meere bilden. Sie werten Räume auf und ab, geben Orientierungshilfen und schaffen Identitäten. Doch inzwischen wird nicht nur von einem Lichtsegen, sondern im gleichen Atemzug auch von Lichtverschmutzung gesprochen.

Kategorie: Museum für Geschichte
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