„Traktor schauen und kaufen“ beim 2. Gady Markt, 12.03.1967, Archiv Familie Gady

8. September 2017 / Walter Feldbacher

Landesaufnahme(n): Der Gady Markt in Lebring – erfolgreiches Marketing auf gut steirisch

Konservieren & Restaurieren | Museum für Geschichte

Zweimal im Jahr – im Frühjahr und Herbst – strömen an einem Marktwochenende zwischen 25.000 und 30.000 Besucherinnen und Besucher zum traditionellen Markt der Firma Gady in Lebring. Am 9. und 10. September 2017 findet dieser bereits zum 103. Mal statt. Längst zählen nicht nur Landwirte und Autofreaks zum Stammpublikum. „Obwohl wir keine Landwirtschaft mehr betreiben, gehe ich mit meiner Familie auf den Gady Markt, denn da war auch ich als Kind immer“, heißt es oft.

Von den Anfängen des Unternehmens

Franz Gady sen. gründete 1936 auf seinem Bauernhof in Bachsdorf bei Lebring einen Fahrrad- und Landmaschinenhandel. Zum Leidwesen seiner Gattin musste er zunächst aus Platzmangel sämtliche Werkzeuge und Ersatzteile in den Wohnräumen der Familie lagern. Sein Motorrad nutzte er als „Dienstfahrzeug“, um auf den Höfen und Feldern der Bauern rasch Reparaturarbeiten an ihren Traktoren und Maschinen vornehmen zu können. Die Firma Gady verfügte später als einer der ersten Landtechnikbetriebe über einen Servicebus. Heute wird in der Erntezeit ein Tag- und Nachtservicedienst angeboten.

Der gelernte Schlosser Franz Gady jun. an der Werkbank, um 1957, Archiv Familie Gady

„Service-Bus-Flotte“, undatiert, Archiv Familie Gady

Nach dem frühen Tod des Vaters übernahm Franz Gady jun. (1937-2015), ein gelernter Schlosser, gemeinsam mit seinem jüngeren Bruder Gerhard den väterlichen Betrieb. 1957/58 eröffnete Franz Gady jun. in Lebring die erste Werkstätte mit Ersatzteillager und Tankstelle. Er forcierte zudem den Automobilhandel – 1960 wurde die Vertretung der Marke BMW übernommen – und baute die Franz Gady GmbH  zu einem Musterbetrieb der steirischen Wirtschaft aus. Ein Quantensprung für den Familienbetrieb war schließlich die Expansion von Lebring nach Graz. Franz Gady jun. war zudem von 1976 bis 1983 Präsident des SK Sturm Graz und fungierte von 1990 bis 1996 als Präsident der Wirtschaftskammer Steiermark.

Der Markt in Lebring

Bereits legendär ist der am 04. September 1966 erstmals veranstaltete Markt in Lebring. Dabei wurde die Idee der alten „Viehmärkte“ aufgegriffen. „Früher wechselte halt auf diesen Märkten mit Volksfestcharakter das Vieh den Besitzer, wieso sollte das nicht auch bei Traktoren und Mähdreschern funktionieren“, erzählt Ingrid Gady.

Wenngleich gerade das „Rahmenprogramm“ – Vergnügungspark, Marktwettbewerbe, Modeschauen und Promi-Besuche – den Gady Markt weit über die Grenzen der Steiermark hinaus bekannt und beliebt werden ließ, ist der ursprüngliche „Marktcharakter“ erhalten geblieben. „Der wirtschaftliche Aspekt für das Unternehmen ist nach wie vor sehr wichtig, der Gady Markt ist auch heute noch weit mehr als nur ein ,Unterhaltungsevent‘ für die ganze Familie“, betont Ingrid Gady.

Von Anfang an wurde darauf geachtet, zusätzlich zum „klassischen“ Angebot für Männer – Automobile und Landmaschinen – speziell auch für Frauen interessante Aussteller aus der Region zu gewinnen. Schauen, handeln und kaufen macht hungrig. Deshalb wurden schon beim zweiten Gady Markt im März 1967 die berühmten „Marktwürstl“ für die zahlreichen Besucher/innen gekocht. Etwa nach dem zehnten Markt war der Andrang so groß, dass nur mehr „Trockenwürstl“ ausgegeben werden konnten.

Doch der Mensch lebt nicht vom Brot allein. Bis heute gibt es beim Gady Markt am Sonntagvormittag stets einen „Markt-Gottesdienst“ mit anschließendem Frühschoppen – musikalisch umrahmt von der Trachtenkapelle Lebring. Am 100. Gady Markt hat Diözesanbischof Egon Kapellari die Messe zelebriert und die Wiener Sängerknaben den Gottesdienst umrahmt. Bald gab es auf dem Marktgelände auch einen Vergnügungspark. Dieser wird seit jeher vom Schausteller- und Vergnügungsbetrieb Stessl aus Graz ausgerichtet. Besonders der legendäre „Schweinderlzug“ ist vielen Kindern vor allem aus der Südsteiermark in Erinnerung geblieben. Angesprochen sollte auch der „Spieltrieb“ der Menschen werden: Die sogenannten „Marktwettbewerbe“ wurden schnell zum Publikumsmagneten: das Käferbohnenschätzspiel, „Wer hat die längste Maisstaude?“, „Wer hat den schwersten Kürbis?“ oder „Wieviel Kilogramm Wolle hat ein Schaf?“ Bis in die 1990er-Jahre hinein hat Ingrid Gady selbst sämtliche Plakate hierfür entworfen und gezeichnet, auch sämtliche Preisschilder wurden handgeschrieben.

Die Marktorganisation wird ohnehin von den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern selbst übernommen. Dabei kommt es nicht selten betriebsintern zum Rollentausch: So hat etwa der Chef der Buchhaltung immer die Gastronomie über. Gut fürs Betriebsklima, denn auch „gemeinsam Bier ausschenken“ kann verbinden. Die Bandbreite der Besucher/innen reicht von den Landwirten und Autofreaks bis hin zu Familien (generationsübergreifend: „Obwohl wir keine Landwirtschaft mehr haben, gehe ich mit meiner Familie auf den Gady Markt, denn da war ich auch als Kind immer.“). Beim Gady Markt ist fast immer schönes Wetter – „Gady-Wetter“. Man ist also gut beraten, an den Markttagen diverse Veranstaltungen zu planen. Die Firma Gady verfügt auch über ein beachtliches Fotoarchiv zur Unternehmensgeschichte, insbesondere natürlich zu den Märkten. Laut Ingrid Gady hat ihr Mann Franz Gady jun. – obwohl natürlich stets Berufs- und Pressefotografen engagiert waren –  einen Großteil davon selbst fotografiert.

Historische Einblicke und Impressionen zum Gady Markt:

Kategorie: Konservieren & Restaurieren | Museum für Geschichte
Schlagworte: Landesaufnahme | Multimediale Sammlungen


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