Ruine Alt-Gösting

Die Ruine Alt-Gösting bei Graz, Stahlstich von Vinzenz Reim, o. D.

30. April 2020 / Astrid Aschacher

Burgenromantik

Ausstellungen | Museum für Geschichte

In der Ausstellung „Dein Graz. Die Sammlung Kubinzky am Joanneum“ beschäftigen wir uns mit den 17 Grazer Bezirken und ihren Besonderheiten. Eine solche „Merkwürdigkeit“ ist die im XIII. Stadtbezirk Gösting gelegene Burgenruine.

Eines der Wahrzeichen von Gösting ist seine Burgruine. Die eindrucksvollen Überreste der bedeutendsten mittelalterlichen Ruine in der Steiermark sind schon von Weitem zu sehen. Doch nicht alles, was heute alt wirkt, ist es auch. Einiges wurde erst im 19. und 20. Jahrhundert hinzugefügt.

Doch der Reihe nach: Zum ersten Mal erwähnt wird die landesfürstliche, aber stets von Lehensmännern verwaltete Burg im Jahr 1138. Sie dürfte kurz zuvor errichtet worden sein. Lehensnehmer war zu dieser Zeit Svitger de Kestnikeals. Er stammte aus dem vollfreien Geschlecht der Aribonen, die damals den gesamten Grazer Stadtboden besaßen, und war der Bruder von Bernhard von Stübing, dem Bauherrn der ersten Herrschaftsburg auf dem Grazer Schloßberg.

Die „Urburg“ bestand aus einem Palas im Süden, einem übereck gegen die Hauptangriffsseite gestellten Bergfried im Osten und einer diese beiden Teile umfassenden Ringmauer. Teile dieser Bauanlange sind im Erdgeschossbereich des Bergfrieds und des Palas sowie in der inneren Ringmauer erhalten. Die verbliebenen Spuren lassen darauf schließen, dass diese ursprüngliche Burg eine beachtliche Längenausdehnung von 80 m hatte.

Wappen der Marktgemeinde Gösting, Steiermärkisches Landesarchiv

Wappen der Marktgemeinde Gösting, Steiermärkisches Landesarchiv

Die ersten großen Umbauten der Burg fanden im 13. Jahrhundert statt. Dabei wurde der Palas vergrößert und die Ringmauer nach Westen erweitert. Mitte des 13. Jahrhunderts wurde die heute noch erhaltene Burgkapelle errichtet. Da der Platz dafür im Inneren der Burg nicht gegeben war, entschieden sich die Verantwortlichen für einen Bauplatz außerhalb. Dieser wurde dann durch die Schaffung eines äußeren Burgtors und einer äußeren Ringmauer in die Anlage integriert. Als Burgkapelle diente im Übrigen nur die obere, dem heiligen Georg geweihte Kapelle, während die untere, der heiligen Anna geweihte, als Pfarrkirche der Gemeinde Gösting anzusehen ist. Diese untere Kapelle besaß auch einen eigenen Eingang an der Südseite.

Im 16. Jahrhundert kam die Idee auf, die Burg zu einer mächtigen Renaissancefestung auszubauen. Der Vorschlag wurde von Ferdinand I. mit der Begründung abgelehnt, sie könnte im Falle einer Einnahme durch osmanische Truppen als Stützpunkt gegen Graz verwendet werden. So verlor die Anlage in der Folgezeit immer mehr an Bedeutung. Kleinere Aus- und Umbauten im 16. und 17. Jahrhundert brachten Fensterausbrüche am Palas, eine Aufstockung des Bergfrieds, den Einbau von Maulscharten für Feuerwaffen und die Barockisierung der unteren Kapelle. Damals diente die Burg nur noch als Pulvermagazin. Durch einen Blitzschlag am 10. Juli 1723 wurde sie zu großen Teilen zerstört und verblieb fortan als Ruine bestehen, die immer weiter verfiel.

Zwischen 1881 bis 1882 erweckte sie der Schmied und Burgenliebhaber Anton Rechberger für kurze Zeit aus ihrem Dornröschenschlaf und begann mit dem teilweisen Wiederaufbau. Beispielsweise deckte er das Kapelldach neu ein und rekonstruierte den eingestürzten Bergfried. Dem Projekt war jedoch keine lange Fortsetzung beschieden.

1925 wurde schließlich der Burgenverein Gösting gegründet, der sich die Pflege und Erhaltung der Burg zum Ziel setzte. Bereits im Gründungsjahr wurde der innere Burghof von Schutt und Bewuchs gesäubert, wobei alle brauchbaren Teile für die Rekonstruktion des Bergfrieds aussortiert und eingelagert wurden. Von 1926 bis 1929 wurde der Bergfried wiederhergestellt. Die Feier zur Fertigstellung lockte 3000 Besucher/innen zur einstigen Burg. 1932/1933 konnte auch das innere Burgtor wiedererrichtet werden. Bedingt durch die wirtschaftliche Situation, den Bürgerkrieg und schließlich den Ausbruch des Zweiten Weltkrieges, ruhten die Arbeiten an der Burg bis in die 1950er-Jahre, in denen Erhaltung und Pflege der Burg fortgesetzt wurden.

Heute ist die Ruine Gösting ein beliebtes Ziel für Ausflüge und Spaziergänge. Die Rekonstruktionen aus dem 19. und 20. Jahrhundert sind für das nicht geschulte Auge vom mittelalterlichen Bestand der Burg nicht zu unterscheiden, und so bleibt für die Wandernden das, was es sein soll: ungetrübter Genuss von Burgenromantik.

Mehr zur Ausstellung Dein Graz! Die Sammlung Kubinzky am Joanneum im Museum für Geschichte erfahren Sie hier.

Literatur:

Anselm Wagner, Sophia Walk (Hg.), Architekturführer Graz, Berlin 2019.

Kategorie: Ausstellungen | Museum für Geschichte
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