Über das Volkskundemuseum

Volkskundemuseum 2021

Geschlossen ab 07.01.2020
Wiedereröffnung: 09.04.2021

Kuratorisches Team: Birgit Johler, Christiane Rainer und Johannes Maier
Wissenschaftliche und kuratorische Leitung: Birgit Johler


Seit 2019 gibt es im Universalmuseum Joanneum die Abteilung für Volkskunde, die das Volkskundemuseum und das Österreichische Freilichtmuseum Stübing umfasst. Durch die Verbindung der beiden Häuser ergeben sich neue Möglichkeiten zur Verschränkung von Inhalten und Leistungen sowie darüber hinaus die Chance, Zuständigkeiten und Profilbildung zu entflechten.

Seit 2019 neu im Team sind Claudia Unger als Abteilungsleiterin und Birgit Johler als Kuratorin des Volkskundemuseums – gemeinsam mit den bewährten Kolleginnen und Kollegen sowie zwei Neuzugängen im kuratorischen Team widmen sie sich der grundlegenden Neuaufstellung des Volkskundemuseums.

Im Jänner 2020 werden die Dauerausstellung Schätze des Alltags und die aktuelle Sonderausstellung Mythos Tankstelle geschlossen, danach wird bis 2021 am Neuen gearbeitet. Geplant ist ein Gesamtkonzept, das den Heimatsaal im Volkskundemuseum und die bisher wenig bekannten Gärten mitdenkt und dadurch den gesamten Standort beleben soll.

Mithilfe von Sammlungsaufrufen soll die Sammlung außerdem um Objekte von den 1930er-Jahren bis heute erweitert werden und durch einzelne Veranstaltungen und Aktivitäten wird das Volkskundemuseum auch 2020 präsent bleiben. Am 09. April 2021 sperrt das Volkskundemuseum mit einer neuen Ausstellung zum Thema „Identität“ unter Berücksichtigung gegenwärtiger Phänomene und Entwicklungen.

Wissenschaftlicher Beirat Volkskundemuseum Graz

Der Wissenschaftliche Beirat des Volkskundemuseums Graz begleitet und unterstützt die Neukonzeption und inhaltliche Entwicklung des Volkskundemuseums. Das Gremium fördert den wissenschaftlichen Austausch zwischen Universität/Forschung und Museum/Vermittlung, bündelt wissenschaftliche Kontakte und macht sie für das Museum nutzbar. 

Mitglieder

Univ.-Prof.in Dr.in Katharina Eisch-Angus, Institut für Kulturanthropologie und Europäische Ethnologie, Universität Graz (Vorsitzende)

Univ.-Prof.in Dr.in Agnieszka Czejkowska, Institut für Pädagogische Professionalisierung, Universität Graz
Ao. Univ.-Prof. Dr. Helmut Eberhart emer., Institut für Kulturanthropologie und Europäische Ethnologie, Universität Graz (stv. Vorsitzender)

Priv.-Doz. Dr. Johannes Feichtinger, Institut für Kulturwissenschaften und Theatergeschichte, Österreichische Akademie der Wissenschaften, Wien

Univ.-Prof. Dr. Reinhard Johler, Ludwig-Uhland-Institut für Empirische Kulturwissenschaft, Universität Tübingen

Univ.-Prof.in Dr.in Alexandra Schwell, Institut für Kulturanalyse, Universität Klagenfurt

Die konstituierende Sitzung des Wissenschaftlichen Beirats fand am 27.11.2019 statt.

Erklärung österreichischer Volkskunde-Institute, -Abteilungen, Museen, Vereine und Verbände Expand Box

Menschen in Bewegung – „Kultur“ und „Heimat“ als politische Instrumente 

Die unterzeichnenden österreichischen Universitäts-Institute für Volkskunde, Europäische Ethnologie und Kulturanthropologie sowie die Verbände und Museen für Volkskunde wenden sich gegen die Art und Weise, wie derzeit im Zusammenhang mit der Bürgerkriegsflucht und Migration vieler Menschen die Begriffe Kultur, Heimat und Identität instrumentalisiert werden.  

In Massenmedien, Internet-Foren und auf politischer Ebene sind aktuell Diskussionen über vermeintliche Effekte der „Flüchtlingskrise“ entbrannt, die oftmals wenig sachlich verlaufen, dafür jedoch Ängste und Fremdenfeindlichkeit schüren. Verstärkt wird dabei damit argumentiert, dass von Flüchtlingen eine Gefährdung ausgehe – speziell für „Heimat“, „Kultur“ und „Identität“. Die politische Instrumentalisierung dieser – historisch bereits vielfach für unterschiedliche Zwecke genutzten – Bilder und Begrifflichkeiten betrachten wir mit Sorge.


Das heutige Alltagsverständnis von „Heimat“ entstand seit dem Ende des 18. Jahrhunderts in Zusammenhang mit der bürgerlichen Gesellschaft. „Heimat“ wurde als ein Wunsch-Ort stilisiert, der Sehnsüchte enthält und Verlustängste kompensiert. Aufgeladen mit Ideologien der Ausgrenzung und Wir-Behauptung war und ist die Vorstellung von „Heimat“ leicht auch ein Ausgangspunkt für Vertreibung und sogar Vernichtung. Dieses Reden über „Heimat“ hat mit der gegenwärtigen mobilen Gesellschaft an Bedeutung gewonnen. Allerdings wird in der Regel übersehen, dass Menschen mehrere Zugehörigkeiten haben (können).


In problematischer Weise wird auch in der politischen und medialen Diskussion in Österreich von „Kultur“ und „Identität“ gesprochen, als ob es sich dabei um feststehende Kategorien handle und als ob es keine innergesellschaftlichen Unterschiede gäbe. Diese scheinbar kulturwissenschaftlich geführten Debatten entbehren einer differenzierten wissenschaftlichen Begründung.


Als Vertreter/innen eines universitären Fachs, das auf ein Jahrhundert der Beschäftigung mit Alltagskulturen und mit der Reflexion kultureller Diversität und Differenz zurückblicken kann, müssen wir einer politischen Instrumentalisierung dieser Begriffe entschieden widersprechen: Der Blick auf die Geschichte zeigt, dass „Kultur“ und „Identität“ im Lauf der Geschichte vielfach auf gefährliche Weise verwendet wurden, um das „Fremde“ vom vermeintlich „Eigenen“ abzugrenzen und Menschen auszuschließen – wie in der aktuellen Diskussion.


Gerade die Entwicklung Österreichs zeigt deutlich, dass infolge migrantischer Mobilität Mehrsprachigkeit und kulturelle Pluralität schon immer integraler Bestandteil der gesellschaftlichen Entwicklung waren. Die Vorstellung von „Kulturen“ als einheitlichen, nach außen geschlossenen Containern oder als nationale Besitzstände, die zudem noch in nationale Grenzen zu gießen wären, war und ist eine wirkmächtige Fiktion. Was wir als Kultur betrachten, ist nicht naturgegeben, sondern wird von allen am Alltagsleben beteiligten Menschen stets neu ausgehandelt und mit Bedeutung versehen: Kultur ist dynamisch, richtungsoffen und in Bewegung. Diese Prozesse sind immer auch von Ungleichheiten und Macht geprägt bzw. stellen diese her. Wir erkennen folglich fremdenfeindliche und diskriminierende Aussagen gegenüber anderen Gruppen als Versuch, eigene Ansprüche auf die Definition von Kultur zu rechtfertigen und eigene politische Einflussbereiche zu vergrößern.


Solchen politischen Ansprüchen dient auch die derzeitige Krisenrhetorik, die Zuwandererinnen und Zuwanderern eine Bedrohung unterstellt. Dabei verdeckt sie die Gründe und Dynamik für die aktuelle Zuspitzung der Lage von Flüchtlingen. Diese wurzeln in europäischen Migrationspolitiken, die jahrzehntelang auf die Militarisierung und Sicherung der Außengrenzen ausgerichtet waren, anstatt für sichere Migrationswege und die koordinierte Aufnahme von international Schutzbedürftigen aus Kriegsgebieten zu sorgen.


Politische Entscheidungen und Aktivitäten sind aktuell auf kurzfristige Krisenbewältigung ausgelegt. Nicht zuletzt das Erstarken fremdenfeindlich gesinnter Gruppen macht deutlich, wie dringend der Bedarf an Maßnahmen zur Förderung nachhaltiger Lösungen ist. Eine integrative und demokratische Kulturpolitik würde allen gesellschaftlichen Gruppen und Schichten den Zugang zu sozialer, ökonomischer, demokratischer und kultureller Teilhabe ermöglichen. (28.11.2015)

Unterzeichnende Universitätsinstitute, Museen, Vereine und Fachverbände Expand Box

Kontakt
Österreichischer Fachverband für Volkskunde
p. A. Institut für Volkskunde und Kulturanthropologie der Universität Graz
Attemgasse 25/1, 8010 Graz
ZVR-Zahl 592792150
Vorsitzende: Univ.-Prof. Dr. Johanna Rolshoven
Tel.: +43 (0)316 380 – 2581; Fax: +43 (0)316 380 – 9778
office@volkskunde.org, www.volkskunde.org

 


Kontaktpersonen an den österreichischen Universitätsinstituten
Prof. Dr. Gilles Reckinger, Universität Innsbruck, gilles.reckinger@uibk.ac.at
Prof. Dr. Johanna Rolshoven, Karl-Franzens-Universität Graz, johanna.rolshoven@uni-graz.at
Prof. Dr. Brigitta Schmidt-Lauber, Universität Wien, brigitta.schmidt-lauber@univie.ac.at
Prof. Dr. Klaus Schönberger, Alpen-Adria-Universität Klagenfurt/Celovec, klaus.schoenberger@aau.at

Kontaktperson für die Museen und Vereine
Matthias Beitl, Österreichisches Museum für Volkskunde Wien, matthias.beitl@volkskundemuseum.at

 

Volkskundemuseum

Paulustorgasse 11-13a
8010 Graz, Österreich
T +43-316/8017-9900
volkskunde@museum-joanneum.at

 

Öffnungszeiten


Führungen für Gruppen  und Schulklassen
Di-Fr von 03. April 2019 bis 06. Jänner 2020 auch außerhalb der Öffnungszeiten nach Voranmeldung

Das Volkskundemuseum wird im Zuge der STEIERMARK SCHAU 2021 neu aufgestellt und ist daher von 07.01.2020 bis 09.04.2021 wegen Umbauarbeiten vorübergehend geschlossen und nur bei verschiedenen Veranstaltungen zugänglich.