Miha Cojhter

Unsterblich, 2011

01.04.-31.10.2011


Kuratiert von: Elisabeth Fiedler

Bereits in der sumerischen Religion wächst am Anfang der Zeit auf der Erde ein Weltenbaum. Dessen Umpflanzung durch Inanna gilt als erster Akt Kultur schaffender Ordnung.

Im Christentum symbolisiert der Baum das verlorene Paradies, es gibt ihn hier im Gegensatz zur babylonischen Urform des einen Lebensbaumes in zweifacher Ausführung als Baum des Lebens und als Baum der Erkenntnis. Hier zeichnet der Genuss der Früchte vom falschen Baum den „Verzicht auf Unsterblichkeit, aber auch den Ursprung aller Verwandtschaftssysteme. Damit ist der Baum der Erkenntnis gleichsam der erste Stammbaum, nicht, weil die Stammeltern von ihm gegessen, sondern weil sie in seinem Schatten das Projekt der menschlichen Vermehrung begonnen haben. Dem Kapitel vom Sündenfall folgt im Buch Genesis nicht umsonst die Geschichte von den beiden Söhnen und ihrem mörderischen Konflikt…Seither…ist der Baum des Wissens - nämlich der genealogische Baum - der einzige Baum des Lebens, die einzige Hoffnung auf Unsterblichkeit, die wir uns leisten können. (Thomas Macho: Stammbäume, Freiheitsbäume und Geniereligion, Anmerkungen zur Geschichte genealogischer Systeme, in: Sigrid Weigel, Hg., Genealogie und Genetik: Schnittstellen zwischen Biologie und Kulturgeschichte, Berlin 2002, S. 19)

In der Zeit religiöser und intellektueller Toleranz im Spanien des 12.-14. Jahrhunderts reformieren sich im Zusammenspiel von christlicher, jüdischer und islamischer Mystik die traditionellen Abstammungsbäume, im Zuge der amerikanischen und französischen Revolution werden sie zu Freiheitsbäumen. Über die zentrale Bedeutung des Baumes und des Waldes für das deutsche Nationalbewusstsein schreibt Elias Canetti.

Parallel dazu verläuft die lange Tradition des Baumes innerhalb der Kunstgeschichte. Generell steht der Baum unter anderem für Geschichte, Verwurzelung, Wachstum, Heimat, Geborgenheit und Verbindung zwischen unerreichbaren Höhen und unterirdischer Verwurzelung.

Miha Cojhters Installation im Park besteht aus der Installation eines abgestorbenen Baumes, der in die Höhe ragt und aus dem fluoreszierend hell leuchtenden Schatten aus Plexiglas, der die Spiegelung von Wachstum und Baumkrone in lineare Zerstückelung transformiert und vorgibt.

An der Schnittstelle von Kunst und Design arbeitend thematisiert er in ästhetischer und poetischer Weise Problematiken, mit denen wir täglich konfrontiert sind. So stellt er hier eine der eminentesten Fragen, nämlich diejenige, was es nach dem Leben gibt, was es überhaupt gibt, was Sichtbarkeit, Vorstellung und Sein sei. Er zeigt eine Form der Weiterentwicklung und Transformation und macht darauf aufmerksam, dass, weil wir etwas nicht sehen, dies nicht bedeutet, dass es nicht hier sei.

Er gestaltet keinen Schatten, sondern eine Aura, den Geist von Natur und Vorstellungen davon und lässt sie aus ihrer synthetischen Materialität heraus leuchten. Der tote Baum ersteht wieder als Skulptur, sein Wesen entwickelt sich neu.

 

Artists in Residence

Der Österreichische Skulpturenpark lädt nationale und internationale Künstlerinnen und Künstler sowie Kunstklassen zur Auseinandersetzung mit dem Park und Entwicklung eigener Werke für die Sammlung „Österreichischer Skulpturenpark“ ein.


Durch wechselseitige Nutzung von Synergien des Programms im Skulpturenpark bzw. der Atelierprogramme des Landes Steiermark entstehen wesentliche Vorteile, die in der Nutzung der Wohnateliers des Landes Steiermark bzw. der Nutzung der hervorragenden Bibliothek von Kunst im öffentlichen Raum/Skulpturenpark bzw. deren kuratorischer Kompetenz, die in Fällen besonderer inhaltlicher Übereinstimmung beansprucht werden kann, liegen.

 

 

Österreichischer Skulpturenpark

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Öffnungszeiten
24. März 2018 bis 31. Oktober 2018 Mo-So, Feiertag 10 - 20 Uhr


Büroadresse:

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Termine auf Anfrage: 
Führungen: T +43-699/1334 6831