Maria Legat. Missionarsstellung

Presseführung

26.11.2026

Bildinformationen

Laufzeit

27.11.2026 - 28.03.2027

Eröffnung

26.11.2026 19:00 Uhr

Pressetermin

26.11.2026 11:00 - 12:00 Uhr

Ort des Pressetermins

Neue Galerie Graz, BRUSEUM, BRUSEUM

Kuratiert von

Roman Grabner

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Missionarsstellung nennt Maria Legat ihre erste große Werkschau und gibt mit dem Titel auch die inhaltliche Stoßrichtung vor. Wir alle meinen zu wissen, was unter diesem Begriff zu verstehen ist, doch die Künstlerin greift die sprachliche Formulierung auf, um sie auf ihre weitreichenden gesellschaftlichen Implikationen zu befragen. Die Missionarsstellung spiegelt klassische Geschlechterrollen wider und hat eine bestimme Positionierung der Frau zum Inhalt: untergeordnet, selbstlos und passiv. Als Künstlerin, Mutter und Bürgerin sucht sie eine Gegenposition, die von Wertschätzung, Gleichberechtigung und Empathie geprägt ist.

 

Die Missionarsstellung steht für eine eurozentrische und androzentrische Position. Aktuell haben sich wieder weiße Männer in Stellung gebracht haben, um mit ökonomischer, militärischer und kultureller Macht altbekannte Vorherrschaften zu exekutieren. Das „Missionarische” in der Missionarsstellung fungiert jedoch nicht nur als Metonym für die Unterdrückung der Frau und einen neuen Imperialismus. Wir alle befinden uns auf die eine oder andere Weise in der Missionarsstellung. Es geht um eine Bewusstwerdung der eigenen Position und um die Suche nach einer Alternative, einer Dialogstellung.

 

Legat nimmt in ihrer Ausstellung eine Positionsbestimmung vor, indem ihre Werke einerseits Stellung beziehen und andererseits zum Austausch einladen. Die von ihr entwickelte Arbeitsweise eignet sich dafür paradigmatisch. Als Malerin zeichnet sie mit Kohle auf rohem Leinen, das nicht auf Keilrahmen aufgespannt, sondern plan an die Wand genagelt wird, und formuliert in einem zweiten Schritt ihre Formen mit selbst angerührten Farben lasierend aus. Sie praktiziert eine transparente Malerei, die ihre Konstruktion nicht versteckt, sondern ihre Entstehung offen zeigt. Ihre Bilder entziehen sich daher dem schnellen Erfassen und damit den Sehgewohnheiten unserer überkontrastierten Welt. Es braucht Zeit und Geduld, um ihren Darstellungen nachzuspüren und den Zusammenhang der Motive zu erkennen. Diese Verweigerung der gegenwärtigen Sehkonventionen ist durchaus als Geste des Widerstands zu verstehen.

 

Legats Bilder sind immer politisch, doch keine Reaktionen auf die Tagespolitik, sie sind theoretisch fundiert, doch keine Illustrationen zeitgeistiger Vorzeigetheoretiker*innen, sie sind persönlich, doch kein Ausdruck individueller Mythologien. Legat zeichnet und malt Parabeln über den Zustand der Welt. In einem langwierigen Prozess des Zweifelns, Abwägens und Entscheidens ringt sie mit jeder malerischen Setzung, um zu ihrer originären und kraftvollen Bildfindungen zu gelangen.

 

Die Ausstellung im BRUSEUM ist die erste museale Einzelausstellung der Künstlerin und zugleich die erste Personale einer Künstlerin im Museum für Günter Brus. 

Bildmaterial

Maria Legat, REITTIER oder UZLDW LVI, 2021

Sammlung Starmann, Foto: Maria Legat © Maria Legat