Artothek 2020

Im Rahmen der Artothek Steiermark 2020 sind keine weiteren Werk-Anfragen mehr möglich. 

Hier finden Sie eine Voransicht der Werke.

Eine Reservierung der Werke ist von 30.11.2020, 10 Uhr bis 09.12.2020 möglich. 

Zeitablauf, Voraussetzungen für eine Ausleihe und Ablauf der Reservierung (hier klicken) Expand Box

Zeitablauf

  • Beginn der Online-Präsentation: Freitag 27.11., 10:00 Uhr
  • Reservierungen/Bestellvorgang: Montag 30.11, 10:00 Uhr bis Mittwoch 09.12. 12:00 Uhr
  • Selbstabholung: Donnerstag 17. und Freitag 18.12., 08 – 14:00 Uhr nach Terminvereinbarung

Voraussetzungen für eine Ausleihe

  • Nachweis der Meldeadresse in der Steiermark
  • Entrichtung einer Leihgebühr von 50 € pro Werk. Pro Leihnehmer*in können max. 2 Werke ausgeliehen werden.  
  • Aufbewahrung des Leihgegenstandes in einem verschließbaren Raum. Angaben zu den Sicherheitsvorkehrungen am Aufbewahrungsort sind im Leihvertrag detailliert beschrieben.
  • Selbstabholung und Rückgabe nach vorheriger Terminvereinbarung. Bei Abholung Übergabe des Leihgegenstandes nur bei Vorlage eines amtlichen Lichtbildausweises und des Meldezettels.
  • Ich stimme den Datenschutzrichtlinien und den Geschäftsbedingungen des Universalmuseums Joanneum zu. (Wir behandeln Ihre persönlichen Daten vertraulich.)
  • „Worauf Sie bei Kunstwerken achten sollten!“

Ablauf der Reservierung

  1. Werk auf der Webseite aussuchen.
  2. Per Klick auf „Anfrage stellen“ melden Sie Ihr Interesse an einem Werk an. Für jedes Werk ist eine separate Anfrage zu stellen.
  3. Füllen Sie das E-Mail aus: Tragen Sie in das Feld für den Betreff „Artothek 2020" und die Werks-Nummer ein. Schicken Sie ihre E-Mail-Anfrage ab. 
  4. Umgehend wird Ihnen per E-Mail ein Leihvertrag zur Unterfertigung sowie die Kontoinformationen zur Einzahlung der Leihgebühr zugesendet.
  5. Binnen 24 Stunden müssen der Leihvertrag ausgefüllt und die Einzahlungsbestätigung der Leihgebühr per E-Mail retourniert werden, erst dann ist die Bestellung der Ausleihe abgeschlossen. Erfolgt dies nicht, wird das reservierte Werk der*dem nächsten Interessierten angeboten.
  6. In den darauffolgenden Tagen wird ein Termin für die Selbstabholung an den beiden Abholtagen vereinbart.
  7. Sie haben ab Einzahlung der Leihgebühr ein 14-tägiges Rücktrittsrecht von der Bestellung der Ausleihe.
  8. Bestellungen werden nach dem Zeitpunkt ihres Einlangens behandelt.

Werk 1:

Maria Assunta Arbesser, Blumenstillleben, Zyklamen in Topf, 1958

Öl auf Leinwand, 43,5 x 46 cm plus Rahmen, I-1188, Foto: UMJ/N. Lackner

Werk 2:

Maria Assunta Arbesser, Nelken und Wicken, 1954

Öl auf Leinwand, 39,5 x 45,5 cm plus Rahmen, VIII-495, Foto: UMJ/N. Lackner

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Maria Assunta Arbesser (Venedig 1884–1971 Graz)

 

Arbessers Werke sind unter dem Einfluss des Stimmungsimpressionismus entstanden. Damit blieb sie dem Einfluss ihrer Lehrer*innen in München und Wien treu. Sie war die Tochter des Architekturmalers Josef von Arbesser, der mit seiner Familie von etwa 1880 bis 1892 in Venedig lebte. In einem handschriftlichen Lebenslauf aus dem Künstler*innenarchiv der Neuen Galerie Graz schildert Arbesser eindrücklich ihre frühen Erlebnisse in der kulturreichen Lagunenstadt. Als sie 8 Jahre alt war, kehrte die Familie nach Graz zurück. Nach dem ersten Zeichenunterricht in Graz bei Hermann Bergmeister studierte sie bei Hermann von Königsbrunn, Alfred Zoff, in Wien bei Marie Egner, in Polling (Bayern) bei Theodor Hummel, in München bei Heinrich Knirr. Sie erhielt außerdem Unterricht in Kunststickerei und Schneiderei und unternahm Studienreisen nach Italien und Istrien. Wie bei vielen Künstlerinnen war die Ausübung ihrer Kunst mit Unterbrechungen und später fortgeführten Studien verbunden. Die Familie verlor nach dem Ersten Weltkrieg ihr Vermögen. Mit Gelegenheitsarbeiten, beispielsweise mit Zeichnungen, die sie am Pathologischen Institut der Universität Graz anfertigte, besserte Arbesser die finanzielle Lage auf. Als ihre Eltern starben, nahm sie eine Tätigkeit als Kunsterzieherin an der Herz-Jesu-Klosterschule an. Nebenbei setzte sie ihre eigenen Studien bei Ferdinand Pamberger und bei Wilhelm Gösser an der Grazer Kunstgewerbeschule fort.

 

Mit lockerem Pinselduktus trägt sie in den beiden Blumen-Stillleben die satten Rot-, Magenta- und Gelb-Töne auf. Unter Anwendung der Komplementärfarben (bei dem Gemälde mit dem blauen Hintergrund nur dezent angedeutet durch die drei gelben Blüten) treten die intensiv leuchtenden Blütenköpfe mit dem Hintergrund in ein virtuoses Zusammenspiel. Unterstrichen wird die Wirkung durch den offenen, luftigen Auftrag der Farben.

 

(Vgl. Ladies First! Künstlerinnen in und aus der Steiermark 1850–1950, hg. von Gudrun Danzer, Ausstellungskatalog Neue Galerie Graz, Leykam, Graz 2020)

 

Werk 3:

Marie Baselli, Stillleben mit Äpfeln und Glaskrug, ca. 1910

Öl auf Leinwand, 40,5 x 50,5 cm plus Rahmen, I-2181, Foto: UMJ/N. Lackner

Werk 4:

Marie Baselli, Blumenstillleben mit Zinnteller, ca. 1910

Öl auf Leinwand, 24,2 x 28,5 cm plus Rahmen, VIII/316, Foto: UMJ/N. Lackner

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Marie Baselli (Budapest 1862–1924 Draga di Moschiena, Istrien, heute: Mošćenička Draga, Kroatien)

 

Ein großer Teil von Basellis künstlerischem Nachlass befindet sich in der Neuen Galerie Graz, darunter zahlreiche Zeichnungen, Studien und Skizzen. Hauptsächlich sind es Landschaftsmotive mit sicher ausgeführtem Strich, die auf den Blättern zu sehen sind. Neben der Steiermark wählte Baselli das Seebad Mošćenička Draga in Istrien zu ihrem bevorzugten Motiv. Viele Reisen und Badeaufenthalte hatten sie dort hingeführt. Besonders ihre Gemälde stehen jenen von Alfred Zoff sehr nahe. Studiert hat sie anfänglich jedoch Kunstgewerbe an der Grazer Ortweinschule, später stellte sie für ihre Freundin Emilie André Entwürfe für Handweberei her. An der Landeskunstschule lernte sie bei Alfred Schrötter-Kristelli, durch den sie – mit über 40 Jahren erst relativ spät – an die Künstlerkolonie in Dachau zu Adolf Hölzel vermittelt wurde. Im Schrötter-Kreis war auch Emmy Hießleitner-Singer tätig, mit der sich Baselli ab 1918 ein Atelier teilte. 1912 führte sie eine Studienreise nach Paris.

 

Die beiden Stillleben weisen eine schlichte Beschaulichkeit in der Motivwahl auf. Keine großen Blumenbouquets oder überbordende Obstkörbe werden gemalt, sondern einfache Zusammenstellungen von einigen Äpfeln, einem blühenden Zweig und Geschirr aus Glas bzw. einige zarte, kleine Blumen in einer Vase mit einem Zinnteller. Die Details scheinen dafür umso wichtiger: die Spiegelungen der Blütenfarben jeweils im Zinnteller und im Glaskrug, ein einzelnes heruntergefallenes Blütenblatt, aber auch der Schattenwurf.

 

(Vgl. Ladies First! Künstlerinnen in und aus der Steiermark 1850–1950, hg. von Gudrun Danzer, Ausstellungskatalog Neue Galerie Graz, Leykam, Graz 2020)

Werk 5:

Anny Dollschein, Stillleben mit Buch, Krug und Blumenvase, ca. 1938

Öl auf Leinwand, 62 x 48 cm plus Rahmen, I-680, Foto: UMJ/N. Lackner

Werk 6:

Anny Dollschein, Stillleben mit olivfarbenem Krug, ca. 1937/38

Öl auf Leinwand, 52 x 76 cm plus Rahmen, I/2520, Foto: UMJ/N. Lackner

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Anny Dollschein (Görz, Krain, heute: Gorizia, Italien bzw. Nova Gorica, Slowenien 1893–1946 Graz)

 

Ihre künstlerische Laufbahn schlug Dollschein relativ spät ein, was für Töchter gutbürgerlicher Familien keine Seltenheit darstellt. Nach dem Ersten Weltkrieg verlor die Familie aber ihr Vermögen, sodass sie selbst für ihren Lebensunterhalt sorgen musste. Mit einigen Unterbrechungen lernte Anny Dollschein bei Friederike Koch-Langentreu, Anton Marussig und Daniel Pauluzzi. Ihre Hinwendung zum Kubismus erfolgte nach einer Reise nach Capri, die sie zusammen mit ihrer Künstlerkollegin Rita Passini unternahm, und wurde durch ihre Paris-Aufenthalte und das Studium bei André Lhote gefestigt. Der Unterricht bei Alfred Wickenburg führte Anny Dollschein in ihrer Stilentwicklung an die Neue Sachlichkeit heran.

 

Diese Einflüsse werden auch in den beiden Stillleben deutlich. Jeweils sind Frühlingsblumen und ein bauchiges Gefäß einem textilen Hintergrund vorgelagert. Die Perspektive wird freier interpretiert. Die Farben erzeugen Flächen, deren Schattierung eher dekorativ als plastisch ausfällt. Stattdessen sorgen die teilweise eingesetzten Konturen für die klaren Abgrenzungen der Bildelemente.

 

(Vgl. Ladies First! Künstlerinnen in und aus der Steiermark 1850–1950, hg. von Gudrun Danzer, Ausstellungskatalog Neue Galerie Graz, Leykam, Graz 2020)

Werk 7:

Margarethe Donnersberg, Landschaft in den Tauern, 1940er-Jahre

Öl auf Hartfaserplatte, 58,5 x 71 cm plus Rahmen, VIII/38, Foto: UMJ/N. Lackner

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Margarethe Donnersberg, geb. Zachert (Lichtewerden, Schlesien, heute: Světlá Hora, Tschechien 1878–1966 Graz)

 

Margarethe Donnersberg stammt ursprünglich aus Lichtewerden, heute Světlá Hora in Tschechien. Schon früh bereiste sie Mähren, Galizien und die Bukowina. 1913 begann sie ihr Studium an der Wiener Frauenakademie. Anschließend studierte sie bei Hans Hayek in Dachau und für kurze Zeit auch bei Ferdinand Pamberger in Graz. Von 1922 bis 1941 lebte sie in Rumänien. Ihre Eindrücke aus diesem Land hielt sie in farbenfrohen Gemälden fest. Vor allem das Brauchtum und die Folklore müssen sie bei ihren Auslandsaufenthalten gereizt haben. Leider ist ein Großteil ihrer Werke aus dieser Periode verloren gegangen und auch über die Künstlerin selbst weiß man nur wenig. Nach ihrem fast zwanzigjährigen Aufenthalt in Rumänien kehrte sie wieder nach Graz zurück.

 

Neben vielfigurigen Dorfszenen malte Donnersberg vorwiegend Landschaften. Auf die Herausarbeitung von Details oder Materialität verzichtete sie bei dem Gemälde Landschaft in den Tauern fast vollkommen. Vielmehr wirkt ihre Malweise sehr weich, pastellartig, je weiter man in den Hintergrund blickt. Wie in ihren Folklore-Szenen bedient sie sich eines breiten Farbspektrums. Intensivere, bunte Farben werden dabei lediglich dezent eingesetzt, sodass sie etwa als Schatten oder Lichtpunkt aufscheinen, in der Gesamtbetrachtung aber eher in einem bunten Flackern aufgehen.

 

(Vgl. Ladies First! Künstlerinnen in und aus der Steiermark 1850–1950, hg. von Gudrun Danzer, Ausstellungskatalog Neue Galerie Graz, Leykam, Graz 2020)

Werk 8:

Marianne Fieglhuber-Gutscher, Landschaft mit Berg, 1969

Öl auf Leinwand, 87 x 105 cm plus Rahmen, I-1415, Foto: UMJ/N. Lackner

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Marianne Fieglhuber-Gutscher (Wien 1886–1978 Graz)

 

Zunächst hatte sich Fieglhuber-Gutscher der Grafik gewidmet, im Speziellen der Radierung. Später befasste sie sich neben der Mosaik- und Glasfenstertechnik vor allem mit der Malerei – die schließlich ihr bevorzugtes Ausdrucksmittel wurde. Ihre Lehrer waren Ludwig Michalek, Maximilian Kurzweil, Egge Sturm-Skrala und Robin Christian Andersen. Studienreisen führten sie durch Europa und nach Ägypten. Nach dem Zweiten Weltkrieg übersiedelte sie nach Gratkorn bei Graz, in die Nähe ihrer Tochter und deren Familie.

 

Wiederkehrende Motive im Werk von Fieglhuber-Gutscher sind die menschliche Figur (besonders der weibliche Akt, auf den auch ein Augenmerk in der Ausstellung Ladies First! gelegt wurde) sowie Stillleben und Landschaften. Ihre Gemälde sind durch einen markanten, mit expressivem Pinselstrich ausgeführten Malstil geprägt. Intensive Farben werden gewählt, die Palette ist ausgedehnt, aber vorwiegend im gedeckten, erdigen Kolorit gehalten. Rotbraune Konturen kommen immer wieder vor und bündeln, wie auch in diesem Gemälde, viele unterschiedliche Farbstriche zu einem gemeinsamen Bildelement.

 

(Vgl. Ladies First! Künstlerinnen in und aus der Steiermark 1850–1950, hg. von Gudrun Danzer, Ausstellungskatalog Neue Galerie Graz, Leykam, Graz 2020)

Werk 9:

Allen Jones, Free Spirit, 1999

Bronze, 65 cm hoch, III-882, Foto: UMJ/N. Lackner

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Allen Jones (Southampton 1937, lebt in London)

 

Allen Jones ist der britischen Pop-Art zuzurechnen. Mit seiner Skulptur, Malerei und Grafik, in denen er häufig explizit erotische (wenn nicht fetischistische bzw. sexistische) Bezüge herstellt, erregte er vielfach auch Anstoß beim Publikum. Andererseits führte er immer wieder kommerzielle Aufträge für Werbekampagnen oder z. B. die Gestaltung von Parfumflakons in Form von High Heels aus. Bekannt wurde er Ende der 1960er-Jahre mit einem Ensemble von Couchtisch, Fauteuil und Hutständer, die er unter Einbeziehung realistisch geformter Frauenkörper in Reizwäsche aus Fiberglas gestaltete.

 

Die kleine Plastik Free Spirit von 1999 ist eine späte Skulptur in relativ hoher Auflage – Jones’ erste Arbeit in Bronze. Damit überträgt er die für die Pop-Art typische Darstellung banaler Gegenstände aus der Welt der Waren und Medien in eines der traditionsreichsten Medien der Kunstgeschichte. Auch der Aufbau der Figur aus Kleidungsstücken bzw. Mode-Accessoires ist eine für die Pop-Art typische Vorgehensweise. Die weit geschnittene Hose, die Krawatte und der Borsalino stehen für diesen modischen Mann, dessen Körper fehlt bzw. nur durch das stilisierte Profil angedeutet ist.

Werk 10:

Alfred Klinkan, familia gryllorum bavaria, 1986

Öl auf Leinwand, 100 x 75,2 cm, I-2882, Foto: UMJ/N. Lackner

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Alfred Klinkan (Judenburg 1950–1994 Wien)

 

Der aus Judenburg stammende Maler Alfred Klinkan studierte zunächst in Wien bei Josef Mikl und Wolfgang Hollegha, 1976 führte ihn ein Auslandsstipendium in seine spätere Wahlheimat Antwerpen. Eine wichtige Anlaufstelle wurde dort für ihn die Galerie De Zwarte Panter. Neben zahlreichen Einzel- und Gruppenausstellungen, an denen er dort teilnahm, verband ihn eine lebenslange Freundschaft mit dem Galeristen Adriaan Raemdonck und anderen Künstlern der Galerie. Gemeinschaftsarbeiten mit befreundeten Künstlerkollegen waren bereits in Österreich keine Seltenheit für ihn gewesen und wurden nun auch in Antwerpen aufgenommen. Stilistik und Farbpalette intensivierten sich, was als eine Folge der Auseinandersetzung mit dem Siebdruck zu sehen ist.

 

Er setzte sich aber auch ausführlich mit bereits verstorbenen Künstlern auseinander, wie z. B. mit Hieronymus Bosch und Adrian Brouwer. Waren es bei Brouwer die Bildmotive – Wirtshausszenen mit Trinkern, derben Schlägereien und Pfeifenrauchern –, so interessierte Klinkan an den Gemälden von Hieronymus Bosch besonders deren Phantastik und die mystisch-mythischen Wesen. Die zahlreichen großen, kleinen und kleinsten Lebewesen, die Klinkans Gemälde bewohnen, haben aber auch in seiner Vertiefung in schamanische, okkulte Literatur ihren Ursprung. Sie sind auch in dem Gemälde familia gryllorum bavaria von 1986 wiederzufinden, welches bald nach Klinkans Umzug nach Bayern und der Heirat mit seiner Frau Hedwig entstand. Ambivalent wohnt darin einer Bettdecke eine Raubkatze inne und manifestiert sich im Schatten ein dunkles Gesicht.

 

(Vgl. Alfred Klinkan. Wasnichtallessorauskommt, hg. von Günther Holler-Schuster, Ausstellungskatalog Neue Galerie Graz, Verlag Bibliothek der Provinz, Weitra 2019)

Werk 11:

Friederike Koch-Langentreu, Boote im Hafen, ca. 1920

Öl auf Leinwand, 50,4 x 61,2 cm plus Rahmen, I-958, Foto: UMJ/N. Lackner

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Friederike Koch-Langentreu (Conegliano, Venetien, heute: Italien, 1866–1941 Klausen, Südtirol, heute: Chiusa, Italien)

 

Nach ihrem Studium in Graz ging Friederike Koch-Langentreu an die Münchner Damenakademie und anschließend an die Académie Colarossi nach Paris. Sie lernte bei vielen unterschiedlichen Lehrern wie z. B. Karl von Peckary, Ludwig Herterich, Wilhelm Dürr, Ludwig Schmid-Reutte, Ernst Neumann und Lucien Simon. Es folgten Studienreisen nach Frankreich, Holland und Italien. Nach Graz zurückgekehrt, erlangte sie neben ihrer eigenen Malerei durch die Gründung einer privaten Malschule einige Bedeutung. 1924 zog sie sich in ein Kloster in Südtirol zurück.

 

Die Künstlerin entwickelte speziell im Vermitteln von gewissen Stimmungen großes Können. Ein wesentliches Element dafür stellen die Lichtstimmungen dar, die sie einfängt und mit locker geführtem Pinsel umsetzt. Gerade in diesem Sujet, einer Hafenlandschaft mit Booten, welches fast zur Hälfte die Wasseroberfläche wiedergibt, treibt die Künstlerin die Darstellung der Spiegelungen beinahe zur Gegenstandslosigkeit. Dem entgegen stehen die stramm aufragenden Masten mit ihren wehenden Fahnen. Einem Wald nicht unähnlich, bilden sie einen festen Gegensatz zu den leichten Wellen des Wassers, dem sie entgegengestellt sind.

 

(Vgl. Ladies First! Künstlerinnen in und aus der Steiermark 1850–1950, hg. von Gudrun Danzer, Ausstellungskatalog Neue Galerie Graz, Leykam, Graz 2020)

Werk 12:

Thomas Locher, x, y und z, 1998

Serigrafie, Walzung und Prägung auf Aluminium, 50 x 46 cm, III/645, Foto: Artelier Collection

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Thomas Locher (Munderkingen 1956, lebt in Berlin)

 

Thomas Lochers Arbeit gilt als richtungsweisend für die neokonzeptionelle Kunst, er stellt seine Werke seit Mitte der 1980er-Jahre international aus. Locher studierte an der Akademie für bildende Künste und an der Universität Stuttgart. Seit 2017 ist er Rektor der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig. In seinem bildnerischen Werk bezieht er sich vielfach auf die Philosophie des französischen Strukturalismus ‒ er befasst sich darin mit den prinzipiellen Grundlagen von Zeichen- und Bedeutungssystemen wie der grammatikalischen Ordnung der Sprache oder der Komplexität ihrer Funktionsweise. Er dehnt seine Analysen auch auf die Inhalte dieser Systeme aus, im Besonderen auf deren politische Zusammenhänge und ihre Auswirkungen auf die praktische Lebenswirklichkeit von Individuen und Gesellschaft.

 

Dennoch wäre es zu kurz gegriffen, seine Werke als bloße Illustrationen der ihnen zugrunde liegenden Theorien zu interpretieren. Sie stellen keine sprachwissenschaftlichen oder soziologischen Forschungen dar, sondern stehen als Kunstwerke, als ästhetische Einheiten für sich. Sie erlauben es, den Überlegungen Lochers auch ohne detaillierte Kenntnis der Theorien zu folgen. Auch die 1998 von der Edition Artelier in Graz produzierte und als Multiple in einer Auflage von 15 Stück in jeweils unterschiedlichen Farben herausgegebenen Arbeit x, y und z ist ein Beispiel dafür. Sie greift verschiedene Zeichensysteme auf: jenes der Buchstaben, der Zahlen und das von Farbbalken als Möglichkeit der Kennzeichnung und Orientierung. Jedoch verweigern die Zeichen innerhalb der einzelnen Tafeln eine eindeutige Zuordnung zueinander. Ein auf den ersten Blick in sich geschlossenes, logisches Modell erweist sich letztlich als willkürliche Konstruktion.

 

(Vgl. kunst ohne unikat. das finale – edition artelier 1985‒2019, hg. von Artelier Collection, Artelier Contemporary, Neue Galerie Graz am Universalmuseum Joanneum, Graz 2019)

 

Werk 13:

Elga Maly, Abendliche Landschaft, 1968

Öl auf Leinwand, 80 x 100 cm plus Rahmen, I-1887, Foto: UMJ/N. Lackner

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Elga Maly (München 1921–1989 Graz)

 

Elga Maly kam als uneheliche Tochter der Künstlerin Ida Maly zur Welt, wuchs jedoch bei Adoptiveltern in Graz auf. Erst als Teenager erfuhr sie, wer ihre leiblichen Eltern waren. Nach einer ersten Heirat und der Geburt zweier Kinder wendete sie sich um die Mitte der 1950er-Jahre der bildenden Kunst zu. Sie begann autodidaktisch zu malen, Kurt Weber, Fritz Hartlauer und ihre Tante Paula Maly wurden ihr zu künstlerischen Berater*innen. Bis zu ihrem Lebensende entwickelte sie ein reiches malerisches Werk. Maly stand von Anfang an auf der Seite der Abstraktion und der Moderne, die sich nun nach dem Zweiten Weltkrieg vehement durchsetzten. Gemeinsam mit Günter Waldorf, ihrem späteren Lebensgefährten und Ehemann, war sie Gründungsmitglied des Forums Stadtpark in Graz, wo 1960 auch ihre erste Einzelausstellung stattfand.

 

Unter dem Eindruck von Tachismus und Informel entstanden ab 1959 Tropf-, Material- und Strukturbilder. Um die Mitte der 1960er-Jahre begann sie, Elemente der gegenständlichen Realität in ihre Gemälde zu integrieren – Formen menschlicher Körper und Landschaftsformationen werden darin erkennbar. So auch in der Abendlichen Landschaft von 1968. Dort baut sich deutlich eine Hügellandschaft vom unteren zum oberen Bildrand hin auf. Die Farbigkeit, in der die Blautöne dominieren, scheint jedoch von einem konkreten Landschaftserlebnis weitgehend unabhängig zu sein. So bleibt das Gemälde in der Schwebe zwischen gegenständlicher Darstellung und abstrakter Farbstruktur.

 

(Vgl. Elga Maly. Die Sinnlichkeit der Erinnerung, hg. von Gerhard Dienes und Werner Fenz, Ausstellungskatalog Stadtmuseum Graz, 2001)

Werk 14:

Marcello Morandini, Caduta, 1968

Siebdruck auf Aluminiumplatte, 26 x 152 cm, II-15306, Foto: UMJ/N. Lackner

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Marcello Morandini (Mantova 1940, lebt in Varese)

 

Seit 1947 lebt der auch als Grafik-Designer tätige Marcello Morandini in Varese, wo er 1967 ein eigenes Büro für Werbegrafik einrichtete. Ab den 1980er-Jahren entwarf er Porzellan, Teppiche und Möbel für die Firma Rosenthal in Selb. 1997 wurde er Leiter des internationalen Museums für Keramik-Design in Cerro, 2001 gründete er das „Centro editoriale die design Marienza“ in Varese. Außerdem lehrte er Kunst und Design an verschiedenen angesehenen Institutionen.

 

Ab Mitte der 1960er-Jahre entstanden Arbeiten, in denen sich geometrische Formen durch Bewegung und Umgestaltung verändern. Die Darstellung räumlicher Aspekte der Bewegung blieb Morandinis zentrales künstlerisches Anliegen. Seine Grafiken, Skulpturen, Strukturen und Ambienti sind farblich reduziert und beschränken sich oft auf ein strenges Schwarz und Weiß. Sie sind das Ergebnis seiner Auseinandersetzung mit den Strömungen von Konstruktivismus, Op-Art und Minimal Art. Die Arbeit Caduta, die 1968 bei den 3. Internationalen Malerwochen in der Steiermark entstanden ist, ein extremes Querformat, zeigt eine reduzierte, einfache Anordnung: Sieben schwarze, vertikale Elemente neigen sich von links nach rechts sukzessive der Horizontale zu. Der Blick der Betrachter*innen wird in die gleiche Richtung gelenkt – Bewegung entsteht.

 

(Vgl. Viaggio in Italia, hg. von Christa Steinle und Gudrun Danzer, Ausstellungskatalog Neue Galerie Graz, Verlag der Buchhandlung Walther König, Köln 2008)

Werk 15:

Rivka Rinn, Place for the self IV, 1997

Serigrafie auf Aluminium, 70 x 100 cm, II/40924, Foto: Artelier Collection

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Rivka Rinn (Tel Aviv 1950, lebt in Berlin)

 

Die Foto- und Videokünstlerin erhielt ihre Ausbildung in Wien an der Universität für angewandte Kunst, wo sie eine Zeit lang auch unterrichtete. Weitere Lehraufträge hatte sie an der Internationalen Sommerakademie in Salzburg, der Universität Innsbruck und der Central Academy of Fine Arts in Peking. Rivka Rinn ist eine Reisende, die an vielen verschiedenen Orten, unter anderem in Tel Aviv und Florenz, lebte und zwischen ihnen unterwegs war bzw. ist. Die Erfahrung des Reisens, die beinahe unbegrenzten Reisemöglichkeiten unserer Zeit, die Geschwindigkeit der Fortbewegung und deren Wirkung auf unser Leben und unsere Wahrnehmung machte sie auch zum zentralen Thema ihrer Kunst. Sie reflektiert dabei die Erfahrung von Raum und Zeit während der Fortbewegung und deren Auswirkung auf unser Gedächtnis: Die hohe Geschwindigkeit der Transportmittel führt zu einem Verschmelzen des Einst mit dem Jetzt, des Hier mit dem Dort. Sie lässt uns erkennen, dass wir weniger von einem Ort zum anderen fahren, sondern vielmehr von einem Ort zur Erinnerung des vergangenen Ortes – so wird Reisen zur Erinnerungsarbeit.

 

Für Rivka Rinn werden das Flugzeug, der Zug, das Auto zu Arbeitsräumen. Mit ihrer automatischen Kamera nimmt sie Schnappschüsse der mit hoher Geschwindigkeit vorbeiziehenden Landschaftsszenarien oder von den flüchtigen Orten der Infrastruktur des Verkehrs auf und fixiert somit den kurzen Moment des Erlebens auch in der Erinnerung – die wesentliche Funktion von Fotografie. Auch in der Serie Place for the Self I–V, die 1993 und 1997 von der Edition Artelier in Graz produziert und herausgegeben wurde, wendet sie diese Verfahrensweise an. Die aus dem Auto aufgenommenen Fotos von unwirtlichen Orten, an denen man sich nicht länger aufhalten möchte, und der Text des Titels „Place for the Self“ stehen in hartem Kontrast zueinander. Dem Unterwegs-Sein, der Reise, vielleicht auch der Flucht wird die Sehnsucht nach einem Ort zum Bleiben, vielleicht einer Heimat gegenübergestellt ‒ womit die Arbeit eine politisch-kritische Dimension erhält.

 

(Vgl. Christa Steinle, „Rivka Rinn“, in: kunst ohne unikat, edition artelier 1985‒1998, hg. von Peter Weibel für die Neue Galerie Graz am Landesmuseum Joanneum Graz, Verlag der Buchhandlung Walther König, Köln 1998, S. 150‒153)

Werk 16:

Michael Schuster, „Scenic View“. Verkehrszeichen Highway No. 4. Alaska 1992, 2008

reflektierende Kunststofffolie kaschiert auf Aluminium, 76 x 76 cm, II/40539, Foto: Artelier Collection

Werk 17:

Michael Schuster, UEFA Schiedsrichterkarten (Originalgröße), 2005/2009

Lambda Druck auf Aluminium, 43 x 100 cm, II/40540, Foto: Artelier Collection

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Michael Schuster (Graz 1956, lebt in Graz)

 

Ausgangspunkt für die künstlerische Arbeit von Michael Schuster war die Konzeptkunst der 1960er- und 70er-Jahre. Ihn beschäftigen Fragen nach der Konstruktion der Wirklichkeit und deren Bedingungen, wobei vor allem die Fotografie als Methode der Welterfassung sowie die Kamera als deren primäres Werkzeug im Zentrum seines Interesses stehen. In Scenic View, 2008 von der Edition Artelier in einer Auflage von 9 Stück herausgegeben, transferiert er ein Verkehrszeichen in Originalgröße vom Highway No. 4 in Alaska in die Sphäre der Kunst. Das Foto dieser Verkehrstafel ist 1992 während Schusters Reisen für die große, medienreflexive „Amerika-Arbeit“ (K.C.C.P. in USA) entstanden. Darin reflektierte und kommentierte er die Funktionsweise des (Massen-)Tourismus, dessen Mechanismen und die für diesen geschaffenen Infrastrukturen. Es waren zunächst Reisebeschreibungen und Reiseführer, die Tourist*innen auf besonders bemerkenswerte Orte aufmerksam machten. Diesen folgten Maler*innen, die besondere Landschaftsszenerien in Gemälden festhielten und dem Publikum unter anderem als Erinnerungsbilder an eigene Aufenthalte anboten. Mit der Fotografie und deren massenhaften Anwendung im digitalen Zeitalter sind es nun die Reisenden selbst, die ihre Erinnerungsbilder produzieren. Ein als Icon stilisiertes Bild einer Kamera auf einem Verkehrszeichen fungiert – wie die Reiseführer früherer Zeiten – als Hinweis auf einen besonderen Ort, den mit der Kamera aufzunehmen die Vorbeifahrenden möglichst nicht versäumen sollen.

 

Mit den UEFA Schiedsrichterkarten (Originalgröße) rekurriert Schuster auf verschiedene Zeichensysteme und deren Bedeutung innerhalb bestimmter und genau abgegrenzter Bereiche. Hier thematisiert er die Strafkarten, wie sie bei Spielen der Union der Europäischen Fußballverbände (UEFA) verwendet werden. Wie bei Scenic View transferiert er auch hier Zeichen aus einem Bereich in einen anderen ‒ vom Massenphänomen des Fußballs in das Insiderphänomen der Kunst. Die Arbeit erinnert auch an Schusters Auseinandersetzung mit den Farbkarten eines großen Filmeherstellers, die zur Überprüfung der Farbrichtigkeit von Fotografien verwendet werden – den KODAK Color Control Patches von 1988. Die Schiedsrichterkarten sind 2004 für die Ausstellung Third Places. Fußball, Videospiele, Musikvideos in Graz-West im Rahmen des Festivals steirischer herbst entwickelt worden und wurden 2005 und 2009 in einer Auflage von 6 Exemplaren von der Edition Artelier in Graz herausgegeben.

 

(Vgl. Michael Schuster. FOR YOUR INFORMATION, hg. von Elisabeth Fiedler und Peter Weibel, Ausstellungskatalog Neue Galerie Graz, Verlag der Buchhandlung Walther König, Köln 2010)

Werk 18:

Giovanni Soccol, Opera N. A., 1974

Öl auf Leinwand, 50 x 60 cm plus Rahmen, I-1673, Foto: UMJ/N. Lackner

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Giovanni Soccol (Venedig 1938, lebt in Venedig)

 

Giovanni Soccol studierte Malerei, Architektur und Kunstgeschichte in Venedig und in Holland. Er arbeitete an der Schnittstelle zwischen Architektur, Malerei und Bühnenbild und realisierte auch zahlreiche innenarchitektonische Wohnbauprojekte. Er wirkte an dem Film Wenn die Gondeln Trauer tragen, 1973, von Nicolas Roeg mit und arbeitete mit dem deutschen Komponisten Hans Werner Henze zusammen, unter anderem an einer Opernproduktion.

 

In seiner Malerei befasste er sich jeweils intensiv mit einer bestimmten Problemstellung, sodass sich sein Werk nach Perioden verschiedenen Themen zuordnen lässt. Er begann am Ende der 1960er-Jahre mit streng geometrischen Kompositionen und entwickelte seine Malerei bis hin zu phantastisch-surrealen Architekturvisionen. Das Bild Opera N. A. von 1974 steht an der Schwelle zwischen den geometrischen Arbeiten und den Presenze-Assenze  (An- und Abwesenheiten). Darin beschäftigt er sich mit dem gerade noch – oder nicht mehr – Sichtbaren und daher mit dem Licht. Auf unserem Bild ist die Farbigkeit extrem reduziert, wir sehen eine sehr dunkle, fast schwarze Bildfläche. Kaum erkennbar scheint ein Licht von hinten hervorzubrechen, sodass eine Streifenstruktur und wolkige Formen – gerade noch ‒ wahrnehmbar werden.

 

www.giovannisoccol.com

 

(Vgl. Viaggio in Italia, hg. von Christa Steinle und Gudrun Danzer, Ausstellungskatalog Neue Galerie Graz, Verlag der Buchhandlung Walther König, Köln 2008)

Werk 19:

Mela Spira, Blumenstilleben, 1964

Öl auf Leinwand, kaschiert auf Karton, 62,4 x 52,1 cm plus Rahmen, I-1306, Foto: UMJ/N. Lackner

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Mela Spira (Wien 1893–1967 London)

 

Mela Spira, geborene Hartwig, entstammte dem gebildeten jüdischen Wiener Bürgertum. Gemeinsam mit ihrem Mann, einem Rechtsanwalt, lebte sie seit 1921 in Graz. Zunächst als Schauspielerin ausgebildet, verfasste sie in den 1920er- und 30er-Jahren erfolgreiche expressionistische Romane, die unter anderem die Lebensbedingungen der Frauen in einer patriarchalen Gesellschaft reflektieren. Mit dem Erstarken des Nationalsozialismus auch in Österreich konnte sie jedoch keine Verleger mehr finden. In der Folge wandte sie sich der Malerei zu und nahm Unterricht bei Alfred Wickenburg, mit dem ihre Familie befreundet war. 1938 folgte die Vertreibung aus Graz, das Ehepaar Spira floh nach England und kehrte auch nach dem Krieg nicht mehr nach Österreich zurück. Im Jahr 2019 wurde der Preis, den das Land Steiermark alljährlich an verdiente Künstler*innen vergibt, nach Mela Spira benannt.

 

Ab den 1950er-Jahren erarbeitete sich Spira auf der Grundlage ihrer Studien bei Wickenburg eine geometrisierende Formensprache, in der sie vor allem Landschaften und Blumenstilleben auf die Leinwand brachte – einige dieser Gemälde befinden sich heute in der Sammlung der Neuen Galerie Graz. So auch ein Blumenstillleben, das Anfang der 1960er-Jahre in London entstanden ist. Die Formen der Blumen, der Vase und des Hintergrundes werden durch geometrische, sich teilweise überlagernde Farbflächen wiedergegeben, die das gesamte Bildfeld bedecken. Eine mosaikartige Wirkung entsteht. Die Gegenständlichkeit bleibt jedoch erhalten, unterstützt durch die buntfarbigen Flächen der Blumen in Rot, Rosa, Gelb und Hellblau, die sich von den Blautönen des Hintergrundes deutlich abheben.

Werk 20:

Brunhilde Stübinger-Kochauf, Herbststimmung, o. J.

Öl auf Leinwand, 76 x 64 cm plus Rahmen, I/3072, Foto: UMJ/N. Lackner

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Brunhilde Stübinger-Kochauf (Cattaro, Dalmatien, heute Kotor, Montenegro 1912–2006 Anger, Steiermark)

 

Die aus Cattaro (heute Kotor in Montenegro) stammende Brunhilde Stübinger-Kochauf siedelte nach dem Ersten Weltkrieg mit der Familie nach Graz. Dort besuchte sie die Landeskunstschule und absolvierte anschließend eine Ausbildung zur Lehrerin. Neben ihrer 28-jährigen Beschäftigung als Volkschullehrerin in Lebing bei Weiz und in Anger in der Steiermark war sie stets als Künstlerin tätig.

 

Stilistisch orientierte sie sich an ihren Lehrern Daniel Pauluzzi, Fritz Silberbauer und besonders an Julius Wegerer. Landschaften und Blumenmotive waren ihre bevorzugten Sujets. Mit lockerem, fast sanftem Pinselstrich führt sie die herbstliche Landschaft aus. Besonders feinfühlig geht sie auf die Atmosphäre ein. Während den rechten Bildteil zartes, warmes Licht erhellt, ist die linke Seite von diesigem Nebel und grauen Wolken befangen. Ihre Gemälde sind in der Tradition des Stimmungsimpressionismus zu verstehen.

 

(Vgl. Ladies First! Künstlerinnen in und aus der Steiermark 1850–1950, hg. von Gudrun Danzer, Ausstellungskatalog Neue Galerie Graz, Leykam, Graz 2020)

Werk 21:

Emilio Tadini, Il desiderio del pittore, 1975

Acryl auf Leinwand, 100 x 80 cm, I-1685, Foto: UMJ/N. Lackner

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Emilio Tadini (Mailand 1927–2002 Mailand)

 

Emilio Tadini kann als Doppelbegabung bezeichnet werden. Er studierte zunächst Literatur und war zeitlebens als Autor von Romanen sowie als Kunstkritiker und -theoretiker tätig. Seit dem Ende der 1950er-Jahre wandte er sich der Malerei zu. In seinen Werken, die er meist als Zyklen konzipierte, verschwimmen die Grenzen von Realität und Phantasie. Dabei bezog er seine Themen aus der Literatur und der Kunstgeschichte. Mit seinen Bildern opponierte Tadini gegen die abstrakte Malerei und orientierte sich an Vorläufern wie Giorgio de Chirico oder Marc Chagall. Häufig sind seine malerischen Werke, mit denen er einen kritischen Realismus verfolgte, von Ironie und Komik geprägt.

 

Das Gemälde Il desiderio del pittore (Der Wunsch des Malers) ist 1975 während der 10. Internationalen Malerwochen in der Steiermark entstanden. Tadini bezieht sich hier auf Strömungen des Jahrhundertbeginns wie den Dadaismus, der die Malerei als solche erstmals infrage stellte und häufig Collagen aus Bild und Text einsetzte. So erscheinen auch die Gegenstände auf Tadinis Gemälde wie ausgeschnitten und collagiert. Er versucht nicht, die äußere Realität quasi naturgetreu zu schildern, sondern zeigt Gegenstände als vereinfachte Formen und eine kopfüber ins Bild fallende Figur – vielleicht die des Malers? – als Gliederpuppe aus Karton. Dazu kombiniert er Buchstaben in verschiedenen Schriften. Die Komposition könnte als Frage nach den Aufgaben und Möglichkeiten der Malerei zwischen den verschiedenen Realitäten – der Zeichen, der äußeren Wirklichkeit, der Phantasie etc. ‒ gelesen werden.

 

(Vgl. Viaggio in Italia, hg. von Christa Steinle und Gudrun Danzer, Ausstellungskatalog Neue Galerie Graz, Verlag der Buchhandlung Walther König, Köln 2008)

Werk 22:

Christoph Urban, Ohne Titel (Nr. 5), 2018

gefundene Steine, Epoxidharz, 21,5 x 15 x 12 cm, III-1002, Foto: Christoph Urban

Werk 23:

Christoph Urban, Ohne Titel (Nr. 8), 2018

gefundene Steine, Epoxidharz, 17 x 17,5 x 7,5 cm, III-1003, Foto: Christoph Urban

Werk 24:

Christoph Urban, Ohne Titel (Nr. 9), 2018

gefundene Steine, Epoxidharz, 9 x 15 x 10 cm, III-1004, Foto: Christoph Urban

Werk 25:

Christoph Urban, Ohne Titel (Nr. 11), 2019

gefundene Steine, Epoxidharz, 11 x 23 x 12 cm, III-1005, Foto: Christoph Urban

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Christoph Urban (Graz 1978, lebt in Graz)

 

Christoph Urban absolvierte die Meisterschule für Bildhauerei an der Grazer Ortweinschule. Als Künstler ist er ein Einzelgänger und verfolgt einen sehr eigenständigen Weg. In seinen vielgestaltigen und vielfältigen Arbeiten verwendet er häufig alle möglichen vorgefundenen Dinge, die er zu Objekten oder Objekt-Ensembles kombiniert. Figurales entsteht oft aus Materialien oder Materialkombinationen, die für die traditionelle bildende Kunst ganz untypisch sind. Seine besondere Aufmerksamkeit und Zuwendung scheint den kleinen, wenig beachteten Dingen zu gehören. Diese findet er auch während seiner häufigen Reisen – unter anderem mehrmals nach Indien, wo er jeweils längere Zeit lebte.

 

Dort entstand in den Jahren 2018/19 auch eine Serie von bemerkenswerten, kleinen figuralen Skulpturen, die mit Epoxidharz aus am Strand gefundenen Steinen aufgebaut und zusammengesetzt sind. In ihren Körperhaltungen zum Teil an antike Torsi in archäologischen Museen erinnernd, weisen diese Figurinen vielfältige weitere Bezüge auf. Außer zu antiken bzw. archaischen Kunstwerken erwecken sie Assoziationen zu Studien, Idolen, Fetischen sowie zur Outsider Art – immer auch mit einer humorvoll-spielerischen Komponente.

 

www.christophurban.net

Werk 26:

Matta Wagnest, o. T., 1999

Serigrafie und Acryl auf Leinwand, 42 x 30 cm, I/3013, Foto: Daniel Hermes, Artelier Collection

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Matta Wagnest (Graz 1964, lebt in Wien)

 

Matta Wagnest studierte an der Universität für angewandte Kunst in Wien Visuelle Mediengestaltung bei Peter Weibel. Sie arbeitet mit unterschiedlichen Medien wie Malerei, Grafik, Installationen, Objekten und Performances. Schon ihre frühen Werke sind politisch aufgeladen und konzeptuell angelegt. 1991 erhielt sie den Förderungspreis des Landes Steiermark für zeitgenössische Kunst. Daraufhin richtete Wilfried Skreiner 1992 eine Einzelausstellung in der Neuen Galerie Graz mit ihr aus. Internationale Ausstellungen folgten, darunter die Architekturbiennale in Venedig und die Biennale in Istanbul, aber u. a. auch Ausstellungen in der Art Front Gallery Tokyo und der Kunsthalle New York.

 

Die Serigrafie o. T. zeigt ein jugendliches Porträtfoto der Künstlerin. Das Gesicht setzt sich aus den im Druck- und Marketing-Bereich üblichen Rasterpunkten zusammen und löst sich gleichermaßen auf. Ein mit roter Acrylfarbe ausgeführter breiter Strich bedeckt fast die gesamte Hälfte des Bildes und führt so zum Identitätsverlust der Person. Diese Zensur reizt zur gedanklichen Vervollständigung der Dargestellten und bezieht dadurch die Betrachter*innen kognitiv mit ein. Die gestische Übermalung steht hier im Gegensatz zu dem technisch produzierten Bild.

 

www.mattawagnest.com

 

(Vgl. kunst ohne unikat. das finale – edition artelier 1985‒2019, hg. von Artelier Collection, Artelier Contemporary, Neue Galerie Graz am Universalmuseum Joanneum, Graz 2019)

Werk 27:

Markus Wilfling, Aus der Serie "Schräg". Hurry up #2, 2008

Kaffeetasse mit Untertasse, Polyesterharz, 9 x 15 x 15 cm, III/899, Foto: Artelier Collection

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Markus Wilfling (Innsbruck 1966, lebt in Graz)

 

Markus Wilfling besuchte die Meisterschule für Malerei an der Grazer Ortweinschule bei Gerhard Lojen und studierte anschließend bei Bruno Gironcoli an der Akademie der bildenden Künste in Wien. Heute lehrt er selbst als Professor an der Meisterschule für Bildhauerei an der Ortweinschule in Graz. Wilflings Arbeit ist durch die Analyse menschlicher Wahrnehmungsprozesse charakterisiert, die er in skulpturalen, oft dem Alltagsleben entstammenden Objekten, häufig auf ironische und spielerische Weise zu irritieren sucht. Bekannt geworden sind insbesondere seine Schattenobjekte, wie etwa der Schatten des Grazer Uhrturms, den er für das Grazer Kulturhauptstadtjahr 2003 realisierte und der heute – seiner ursprünglichen Bestimmung und seinem Sinn enthoben – in der Nähe eines Einkaufszentrums aufgestellt ist.

 

Auch die Kaffeetasse Hurry up #2 aus der Serie Schräg von 2008, ebenfalls eine Produktion der Edition Artelier in Graz, spielt mit unserer Wahrnehmung, unseren Erwartungen und den daraus resultierenden Handlungen. Denn die braune Substanz, die aus der unachtsam schräg auf der Untertasse platzierten Tasse schwappt, ist nicht flüssig, ist nicht Kaffee, sondern braun gefärbtes, getrocknetes und somit festes Polyesterharz. Der spontane Handlungsimpetus, die Tasse gerade zu richten und den verschütteten Kaffee wegzuwischen, geht somit ins Leere – unsere Wahrnehmung erweist sich, wie das häufig der Fall ist, als getäuscht.

 

(Vgl. kunst ohne unikat. das finale – edition artelier 1985‒2019, hg. von Artelier Collection, Artelier Contemporary, Neue Galerie Graz am Universalmuseum Joanneum, Graz 2019)

Neue Galerie Graz

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T +43-316/8017-9100
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