trigon 95: Quasi per gioco

Das Spiel in der Kunst

02.09.-22.10.1995


Eröffnung: 01.09.1995, 19 Uhr
Kuratiert von: Chiara Bertola/Venezia

In Zusammenarbeit mit AR/GE KUNST Galerie Museum, Bozen

Neue Galerie Graz im Steirischen Herbst 1995

Internationale Trigonbiennale 1995

Weitere Station: Galerie Museum, Bozen: 08.09.-23.10.1995


Im Jahr 1995 hat die Neue Galerie für Trigon einen Länderschwerpunkt gewählt und für das Generalthema des steirischen herbstes "Die Kunst ist aus, das Spiel geht weiter, das Spiel ist aus, die Kunst geht weiter" den Blick verstärkt auf die italienische Kunstszene gelenkt, in der der spielerische Umgang mit der Kunst von allen Trigonländern am ehesten und am meisten ausgeprägt ist. Man könnte spielerisch sagen, von "la Gioconda" bis "Per Gioco" kennzeichnet die italienische Kunst ein gewisser Horizont der heiteren Gelassenheit und der subversiven Ironie. Mit Chiara Bertola hat die Neue Galerie eine Vertreterin der jüngeren Kuratorengeneration für dieses Ausstellungsprojekt gefunden, die den Kontakt zur italienischen Kunstszene, insbesondere zu den Städten Venedig und Milano, herstellt. 

Wie im Spiel kann man sich in der Kunst der Wirklichkeit annähern und sich zugleich wieder von ihr entfernen. Auf diese Weise gelingt es uns aus der Isolation auszubrechen und zwischen uns und der Welt wie wir sie vorfinden, eine Brücke zu schlagen - einer Welt "mit Symbolen, die durch Bilder und Worte kodifiziert sind", ähnlich einem Spiel mit festen Regeln, die dennoch nicht streng sind, dass der Einzelne nicht mehr frei entscheiden könnte. Auch ein Kunstwerk muss, um sich strukturieren zu können, ein Element in sich tragen, das ihm fremd ist. Kunst und Spiel brauchen die Distanz, die Illusion, auch wenn sie ständig danach trachten diese aufzuheben. Kunst und Spiel gehen von der Annahme aus, dass da ein Auge ist, das schaut und dabei selbst von einem Auge angeschaut wird usw.. Wie das Spiel verwendet auch die Kunst nie die direkte Rede. Erfahrungen werden naturgemäß auf Umwegen, am Rande, in Grenzbereichen gemacht. Sie ergeben keinen überflüssigen Monolog, sondern bilden ihre eigene Grundregel heraus: niemals im Klartext sprechen, nur andeuten, anspielen. Die Kunst "spielt" mit dem Leben mit gerade jener Komplexität und jener ermüdenden Suche nach einem Ausgleich, welche ein Spiel ausmachen. So wird auch das Kunstwerk aufgrund dieser seiner Ambivalenz, zugleich falsch und richtig zu sein und immer neu interpretiert zu werden, zum Spiel. Die Werke der Ausstellung zeigen einen Streifzug durch die italienische Kunst (von der Nachkriegszeit bis zur jüngsten Generation), die sich über die unmerkliche Grenze definiert, die den Schein von der Realität, die Gewissheit von der Unschlüssigkeit und die Wahrheit von der Phantasie trennt. So öffnet sich für die Kunst ein weiterer Zugang zur Gegenwart, ironisch und zweideutig, paradox und dennoch geregelt, wie bei einem Spiel. 

Eine Linie, die sich durch die Werke von Künstlern wie Manzoni, Boetti, Pascali und Mondino zieht, und sich in einigen Werken der ausgehenden 60er Jahre, beispielsweise von Agnetti, Pasolini, Parmiggiani, Pistoletto und Salvo, fortsetzt und nun auch in den Werken einiger der Künstler der jüngeren Generation zu finden ist. Es handelt sich um eine Sprache, die sich das Vakuum zunutze macht, das Sprachen, Zeichen, Bilder und Töne im Überfluss produziert und durch dieses Übermaß die eigene semiologische Effizienz einbüßte. Die Kunstschaffenden sind sich dieser Schwüle der Sprachen und der Möglichkeit, sich gerade in die Lücken der kommunikativen Prozesse einzufügen, sehr wohl bewusst. So geben sie Details, Ausschnitten und Erzählsplittern einen Sinn und greifen dabei auf eine Sprache zurück, die, ganz wie im Spiel, durch Ironie, Überraschungen, Unruhe, Zweideutigkeit und Unmittelbarkeit gekennzeichnet ist. 

Das Thema der Verwirrung, der Fälschung, der Zweideutigkeit und der Tarnung in der Kunst wird durch theoretische Beiträge im Katalog erweitert. Der Katalog enthält theoretische Beiträge über das Spiel und die Fälschung im Film, u.a. von Pier Aldo Ravotti (zeitgenössischer Philosoph, der sich schon seit einiger Zeit mit dem Thema "Spiel" beschäftigt), mit einem Essay über die Philosophie des Spiels und Angela Vettese (Kunstkritikerin bei der Zeitung Sole 24 ore) mit einem historischen Text über die italienische Kunst nach dem Zweiten Weltkrieg.

 

Beteiligte KünstlerInnen: VINCENZO AGNETTI, STEFANO ARIENTI, ALIGHIERO BOETTI, CORRADO BONOMI, MAURIZIO CATTELLAN, EMILIO FANTIN, OIERO MANZONI, AMEDEO MARTEGANI, ALDO MONDINO, GUILIO PAOLINI, CLAUDIO PARMIGGIANI, PINO PASCALI, MICHELANGELO PISTOLETTO, ANTONIO RIELLO, SALVO

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Neue Galerie Graz

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Öffnungszeiten der Bibliothek
Di und Do 10-15 Uhr sowie nach Vereinbarung

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