Michael Geesmann

Modellife

17.12.1993-09.01.1994


Eröffnung: 16.12.1993, 19 Uhr

Ort: Studio der Neuen Galerie Graz


Der Platzierungsschritt als künstlerische Handlung In der Situation, dass visuelle Erfahrungen aus dem Rechner jene des realen Erfahrungsraumes zunehmend ersetzen, geht es in hohem Maße darum, die Anschaulichkeit von Prozessen, Operationen und Rechenschritten sichtbar zu machen. Dieses Sichtbarmachen entspricht einem Aufdecken von verborgenen Potentialen. Über deren Existenz bestehen keine Zweifel, wenn die gegenwärtige Datenwelt als neues, ständig wachsendes Bild-Reservoir, an dem die Technik den entscheidenden Anteil hat, begriffen wird. Fragen dieses Phänomen betreffend richten sich daher in erster Linie an die Möglichkeiten, die Methoden und die Absichten des Aufdeckungsvorganges, der nicht unähnlich jener von Michelangelo formulierten Behauptung, die Form sei im Stein bereits - angelegt, die Aufgabe des Künstlers sei es, sie daraus zu befreien, ist. Als wesentlicher Unterschied stellt sich freilich immer wieder heraus, dass die Darstellung virtueller Objekte oder Räume den Handlungsspielraum des gegenwärtigen künstlerischen Operators determiniert. Er hat Antwort zu geben auf die Fragen, wie weit er die rechnerische Welt mitgestaltet, im Sinne von Eingriffen und Transformationen, auf welche Schwerpunkte des visuellen Vokabulars er seinen Ansatz richtet und wie er diesen “Befreiungsakt“ bewerkstelligt. Von Interesse ist dabei in erster Linie, wie weit er sich als handelndes Subjekt überhaupt noch auf einen Gestaltungsvorgang einlässt, oder ob er in einer bewussten Entscheidung die “Sichtverhältnisse“ begrenzt; welche Entscheidungsprozesse, das heißt, welches Tasteninstrumentarium er als Bildhauerwerkzeug verwendet und wie sehr er sich der Authentizität des Rechners als Generator von wirklicher Wirklichkeit ausliefert.

 

Michael Geesmann simuliert in seinem Projekt Modellife Leben nach persönlichen Regeln. Er schafft zeichnerisch/rechnerisch dreidimensionale Gebilde, die auf dem Bildschirm existieren, deren begriffliche Einordnung jedoch in unser Vokabular zunächst offen bleiben. Mehr und mehr entstehen baukastenähnliche Körper mit einer flexiblen Platzierung im virtuellen Raum. Das aus einigen Anfangsschritten, die aber die eigentlichen Entscheidungen sind, prozesshaft aufgebaute Produkt erfährt die spannungsreiche Aufladung letztendlich in der tatsächlichen Materialisierung. Mit ihrem Abschluss entsteht, für unseren immer noch an Objekten orientierten Kunstbegriff, ein neues Platzierungsproblem. Aus dem Datenraum freigesetzt, nehmen diese Objekte nun nicht mehr eine Statthalterfunktion ein, sie dehnen sich im gegenständlichen Raum aus und zwingen uns eine neue Ding-Orientierung auf. Immer wieder erfolgen gewohnheitsmäßig  unterschiedlichste Assoziationsschritte, die dem Produkt im eigentlichen Sinn nicht gerecht werden, sehr wohl aber unsere konventionelle Art der Einordnung bestimmen. Modellife sind Anordnungen im Raum, die ihre Herkunft nicht leugnen und dadurch einen Raumtransfer aufbauen, durch den Erfahrungswelten miteinander kollidieren. Gestalt und Oberfläche büßen als Wertkriterien die landläufigen Qualitäten ein, der Prototypencharakter funktioniert ebenso wenig wie ein urbanistisches Gefüge. Unser Raumbegriff wird durch solche Markierungen radikal verändert und in seiner bestehenden Form in Frage gestellt. Der ausgehärtete Kunststoff ist nur eine der Materialisationsformen. Dadurch wird es schwierig, sich auf die Beurteilung von Raum, Form und Material zu beziehen. Der Platzierungsschritt aus dem virtuellen Raum in den künstlerischen ist die eigentliche Anforderung an unseren Denkapparat.

 

Werner Fenz

Neue Galerie Graz

Joanneumsviertel, Zugang Kalchberggasse
8010 Graz, Österreich
T +43-316/8017-9100
joanneumsviertel@museum-joanneum.at

 

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