Pittura/Immedia

Malerei in den 90er Jahren

11.03.-18.04.1995


Eröffnung: 11.03.1995, 12 Uhr, Künstlerhaus
Kuratiert von: Peter Weibel

Ort: Neue Galerie Graz und Künstlerhaus, Graz


Ausstellungsgorganisation und Katalog: Günther Holler-Schuster, Redaktion und Presse: Christiane Holler.

 

Die Ausstellung wird vom 06.09.-01.10.1995 (E: 05.09.1995) unter dem Titel Pittura / Immedia - Festészet a 90-es években im Mücsarnok Budapest gezeigt.

 

In dieser Ausstellung wird versucht, eine Positionsbestimmung für die Malerei in den 90er Jahren herauszuarbeiten. Diese neue Position der Malerei ist bestimmt durch die Trennung von Visualität und Tafelbild.

 

War bis zum Ende des 19. Jh. das Visuelle exklusives Monopol der Malerei, ist seit dem Auftauchen von Fotografie die Idee des Bildes nicht mehr exklusiv der Malerei verpflichtet. Das Visuelle hat auch andere Orte und Medien wie den Film, Video und Computer gefunden. Die Selbstkommentare der Maler, von Gerhard Richter (,‚Alle Maler und überhaupt alle sollten Fotos abmalen“) bis zu David Reed (,‚We see paintings in a different way now because of film and video“), bezeugen, dass die Maler selbst sich dieser Problematik bewusst sind. Mit diesem Bewusstsein der Mediatisierung des Bildes beginnt die Malerei eine Überprüfung ihrer Mittel und Methoden, die zu einer Recherche führt, an deren Ende die fast vollkommene Aufgabe der historischen konstruktiven Elemente der Malerei (wie Keilrahmen, Leinwand, Ölfarbe, Pinsel, individuelle Produktion, Vertikalität etc.) stehen kann. Die Elemente der Malerei werden in einen neuen Kontext gestellt, und in Bezug auf die von den mechanischen, industriellen und digitalen Technologien angebotenen Optionen überarbeitet. Das Endergebnis ist allerdings wiederum ein „Gemälde“, auch wenn dieses den historischen Begriffrahmen des Tafelbildes überschreitet. An diesen Grenzpositionen liegt das Interesse der Ausstellung „Pittura / Intermedia“. Dass so viele KünstlerInnen der 90er Jahre an dieser Ausdehnung des Visuellen und der historischen Grenze der Malerei arbeiten, zeigt, dass es sich hier nicht um marginale Positionen handelt, wie noch in den 80er Jahren, von denen wir einige Hauptvertreter der neuen Richtung zeigen, sondern um eine mittlerweile dominierende Bewegung. Die Mediatisierung des Bildes bedeutet für den Maler, dass er nicht die leere Leinwand als Ausgangspunkt nimmt, statt Unmittelbarkeit herrscht Vorsprung des Wissens, dass es am Grunde eines Bildes schon stets Bilder gibt. Eine postmediale Malerei, die Norm, Gestalt, Komposition als historische Kategorie ebenso in Frage stellt wie die Exzesse der Materialeigenschaften der Farbe, des Pinsels, der Leinwand, beginnt mit der Fülle der bereits existierenden visuellen Welt. Sie verweist auf historische, kulturelle Codes der Kunstgeschichte wie auch auf die Visualität der technischen Medien. Die Orte und Methoden des Visuellen werden neu kontextualisiert. Diese Malerei der Komplexität ist nicht der Unmittelbarkeit, den unmittelbaren Gegebenheiten einer natürlichen Authentizität verpflichtet, sondern durchläuft die Zonen der Medien, die sie schließlich aufhebt. Diese neue Position der Pittura zwischen der historischen Unmittelbarkeit (Immediatheit) und dem Verneinen der Medien (Im-Medien), vergleichbar den Immaterialisierungstendenzen der 70er Jahre, versucht der Neologismus „Immedia“ zu bestimmen.

 

KünstlerInnen:

Ghada Amer - Polly Apfelbaum - Stefano Arienti - John Armleder - L. C. Armstrong - Art & Language  - Matthew Antezzo - Robert Barry - Wolfgang Bender - Steve di Benedetto - Ross Bleckner - Günter Brus - Claus Carstensen - Cheryl Donegan - Moira Dryer - Michel Dector - Michel Dupuy - Lydia Dona - Dominique Figarella - Sylvie Fleury - Christopher French - Bernard Frize - Gaylen Gerber - Peter Halley - Valeria Heisenberg - Peter Hopkins - Stefan Höller - Herbert Hamak - Martin Kippenberger - Zsigmond Károlyi - Dusan Kirbis - Gyula Konkoly - Guillermo Kuitca - Bertrand Lavier - Sherrie Levine - Simon Linke - Fabian Marcaccio - Amadeo Martegani - Hans-Jörg Mayer - Allan McCollum - John Miller - Marilyn Minter - Matt Mullican - Curtis Mitchell - Walter Obholzer - Albert Oehlen - Carl Ostendarp - Steven Parrino - Joyce Pensato - Andrea Pesendorfer - Tadej Pogacar - Stephen Prina - Lari Pittman - Richard Prince - Lois Renner - Gert Rappenecker - David Reed - Werner Reiterer - Julie Roberts - Kay Rosen - Aura Rosenberg - Claude Rutault - Karin Sander - Mariateresa Sartori - Michael Scott - Jessica Stockholder - Adam Simon - Adrian Schiess - Rudolf Stingel - Susanne Stövhase - Eva Schlegel - Vincent Tavenne - John Tremblay - Philip Taaffe - Rosemarie Trockel - Fred Tomaselli - Mitja Tusek - Julia Wachtel - Ian Wallace - Hans Weigand - Daniel Walsh - Sue Williams - Christopher Wool - Lisa Yuskavage - Peter Zimmermann

Ausstellungskatalog

Zur Ausstellung erscheint ein Katalog von ca. 200 Seiten mit 90 Farbseiten, Künstlertexten, Künstlerbiografien, herausgegeben von Peter Weibel im Ritter-Verlag, Klagenfurt, ISBN-3-85415-155-l.

Neue Galerie Graz

Joanneumsviertel, Zugang Kalchberggasse
8010 Graz, Österreich
T +43-316/8017-9100
joanneumsviertel@museum-joanneum.at

 

Öffnungszeiten

Di-So 10-17 Uhr 
 
Überblicksführungen
Sa, So, Feiertag, 14 Uhr (de), So, 11 Uhr (en). Zusätzliche Termine entnehmen Sie bitte dem Kalender. Weitere Führungen nach Voranmeldung.

Öffnungszeiten der Bibliothek
Di und Do 10-15 Uhr sowie nach Vereinbarung

Öffnungszeiten OHO!

Di bis Fr von 10 bis 24 Uhr
Sa 9 bis 24 Uhr
So und Feiertag 9 bis 18 Uhr

 

2. April 2018
21. Mai 2018

24. bis 25. Dezember
1. Jänner 2018
13. Februar 2018
24. bis 25. Dezember 2018