Peter Friedl

12.03.-18.04.1999


Eröffnung: 11.03.1999, 19 Uhr
Kuratiert von: Peter Weibel

Ort: Studio der Neuen Galerie Graz


Die 60er Jahre des 20. Jahrhunderts radikalisierten Tendenzen der Konzeptualisierung und Immaterialisierung des Kunstobjektes, die schließlich mit der Auflösung des Objektstatus des Kunstwerkes selbst endeten. Lucy R. Lippard fand für diesen Prozeß den Begriff der Dematerialisierung des Kunstobjektes. Die Epoche der Moderne ist mit der Auflösung des Kunstobjektes zu Ende gegangen und das gesamte Programm der Moderne wurde in den folgenden Jahrzehnten einer Kritik, Revision, Relektüre oder Neuauflage unterworfen. Als Ergebnis der konservativen Kritik landete die Kunst wieder in retrograden Träumen diverser Neoavantgarden. Als Ergebnis der progressiven Kritik der Moderne wurde das moderne Objekt durch Handlungsanweisungen und kommunikative Akte ersetzt. Peter Friedl ist einer der wenigen Österreicher, die über die begriffliche Strenge und das künstlerische Vermögen verfügen, diese Entwicklung der Kunst zu einer erhöhten Komplexität auf internationalem Niveau mitzuverfolgen und voranzutreiben. Er hat insbesondere die entscheidende Verlagerung der Dematerialisierung von der formalen auf die inhaltliche Ebene, d.h. von der Makrosphäre des Formalismus (Makro-Ästhetik) zur Mikrosphäre des Sozialen (Mikro-Politik), verstanden und daher die Spielregeln der Kunst von rein ästhetischen Regeln der Objektkonstruktion in die Rahmenbedingungen sozialer Handlungsfelder übertragen. Indem er seine künstlerischen Handlungsfelder ausdehnte bis zur Emanzipation unmarkierter Zonen und verdichtete lineare sinnerzwingende Zeichenketten entkettete, schuf er offene Handlungs- und Zeichenfelder, wo plurale und multiple Beziehungen, die Sinn produzieren, vom Betrachter selbst erzeugt werden können. Die Präzision mit der Friedl dabei alle Übereinkünfte des Kunstbetriebes düpiert und darüber hinausgehend auch den Scheinkonsens aller Gesellschaftsverträge (vom Multikulturalismus bis zur Kleiderordnung) aufdeckt, zeugt von seinem künstlerischen Rang. Die Qualität seiner Kunst drückt sich nicht aus in obsoleten formalästhetischen Kriterien, sondern im Aufspüren verdeckter Ideologeme, versteckter Widersprüche sozialer Systeme und der davon abgeleiteten politischen Heucheleien und Lügen. Was er sichtbar macht, sind unsichtbare Instanzen der Zensur, sowohl der Selbstzensur wie der Fremdzensur, sowohl der Intimsphäre wie der Öffentlichkeit. Daher stößt sein Werk insbesondere in Österreich auf Widerstand und verfällt den üblichen Mechanismen der Verdächtigung, Verdrängung und Vertreibung.

 

Die Neue Galerie Graz, der Neue Berliner Kunstverein, der FRAC Languedoc-Roussillon in Montpellier und das Palais des Beaux-Arts in Brüssel sind daher besonders interessiert, den künstlerischen Interventionen Peter Friedls im sozialen Feld, die von der sprachlichen Formulierung bis zur materiellen Inszenierung alle Register der Subtilität, Subversion und Ironie spielen, ein Forum zu bieten. Wir danken dem Künstler sowie dem Oktagon Verlag für die Gelegenheit, die Position Peter Friedls erkennbar zu machen und kohärent vorstellen zu können. Unser Dank gilt insbesondere auch Roger M. Buergel, der die Texte zu den hier vorgestellten Projekten verfaßt hat.

 

* 1960 in Oberneukirchen (A) Lebt und arbeitet in Berlin und New York

Einzelausstellungen und Projekte

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1988
Galerie Bleich-Rossi, Graz (Kat.)
1989
Galerie Bleich-Rossi, Graz
1990
Christine König Galerie, Wien (Kat.)
1991
Galerie Na bidylku, Brno
1992
Galerie Pohlhammer, Steyr (Kat.)
1993
Galleria Alberto Weber, Turin
Galerie Pohlhammer, Steyr
Galerie Theuretzbacher, Wien
Galerie Na bidylku, Brno
HINAUS MIT UNS, Turin, Venedig, Brno
I SURVIVED THE GERMAN PAVILION, Venedig
1994
MK Expositieruimte, Rotterdam
T.I.P., Galerie im Stifterhaus, Linz (Kat.)
Museum Moderner Kunst, Passau
1995
Hotel Mama, Kunstraum Wien, Wien (CD)
Akademie der bildenden Künste, Prag (Kat.)
1996
City Projects Prague, Prag (Kat.)
FRACK, W139, Amsterdam, Künstlerhaus Bethanien, Berlin (Kat.)
1997
La Bohème, Kunstraum Mitte, Berlin
1998
Peter Friedl, Palais des Beaux-Arts, Bruxelles
MK Expositieruimte, Rotterdam
Museum Industrielle Arbeitswelt, Steyr (Kat.)
Galerie Erna Hécey, Luxemburg
Gummi TV, Los Angeles Contemporary Exhibitions, Los Angeles (mit Olav Westphalen)
BOX, Galerie Pohlhammer, Steyr
1999
Neuer Berliner Kunstverein, Berlin
Neue Galerie am Landesmuseum Joanneum, Graz
Galerie Arndt & Partner, Berlin
Frac Languedoc-Roussillon, Montpellier

Gruppenausstellungen

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1986
Castello di Rivara, Rivara/Turin (Kat.)
1989
Congress Centrum, Hamburg (Kat.)
Galerie Bleich-Rossi, Graz
1992
The Last Rose of Summer, Galerie Wanda Reiff, Amsterdam
1993
Wewerka Galerie, Berlin
Galerie Theuretzbacher, Wien
Einblick, OÖ. Landesgalerie, Linz
1994
Rien à signaler, Galerie Analix, Genéve (Kat.)
Inventario 3, Galleria Loft, Valdagno
My Car Is Black, And Yours Is White, KIC, Brno (Kat.)
Positionen, Museum Industrielle Arbeitswelt, Steyr, Kunstforum Hallein (Kat.)
Ars Lux, Made in Bo, Bologna
Double Density, Galerie Pohlhammer, Steyr, Galleria Alberto Weber, Turin
Galleria Neon, Bologna
1995
Na hrane, Galerie Vàclava Spàly, Prag
The Spring Project, Österreichische Galerie/Ambrosi Museum, Wien (Kat.)
1996
Casa di Giorgione, Castelfranco Veneto
Das doppelte Kleid, Schloß Ottenstein (Kat.)
Natura Naturans, Museo Civico di Storia Naturale, Triest (Kat.)
Palazzo con Vista, Palazzo Frangipane, Tarcento
Mutoidi, Castelnuovo Maschio Angioino, Neapel
1997
Nets, Galleria Lucio Amelio, Neapel
Zeitskulptur, OÖ Landesgalerie, Linz (Kat.)
Space Oddities, Canary Wharf, Londin
Contemporanea, Palazzo Pubblico, Siena
Documenta X, Kassel (Kat.)
Cittá aperta, Cittá Sant'Angelo
Gamblers, Palazzo Reale, Caserta
art club berlin, artforum, Berlin
look, Künstlerhaus Bethanien, Berlin
1998
Galerie Anita Beckers, Darmstadt
Resolution, Galerie Arndt & Partner, Berlin
Do All Oceans Have Walls?, Bremen (Kat.)
Don't look now, Galerie Walcheturm, Zürich
Art club berlin, Pavello Mies van der Rohe, Barcelona
Cet été lá..., Centre Régional d'Art Contemporain, Séte APC Galerie, Salzburg (Kat.)
Transformation, Teatro Miela, Triest (Kat.)
15. Kasseler Dokumentarfilm- und Videofest, Filmladen Kassel, Kassel (Kat.)
1 + 3 = 4 x 1, Galerie für Zeitgenössische Kunst, Leipzig
La Maccina die Sogni, Belvedere di San Leucio, Caserta
Global Fun. Zwischen Kunst und Design von Mondrian, Gehry, Versace und Friends, Städtisches Museum Schloß Morsbroich, Leverkusen
Staatliche Kunstsammlungen, Dresden
1999
Konstruktionszeichnungen, Kunst-Werke, Berlin
Galerie Voges + Deisen, Frankfurt am Main
1999, P.S.1, Contemporary Art Center, New York

Neue Galerie Graz

Joanneumsviertel, Zugang Kalchberggasse
8010 Graz, Österreich
T +43-316/8017-9100
joanneumsviertel@museum-joanneum.at

 

Öffnungszeiten

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Überblicksführungen
Sa, So, Feiertag, 14 Uhr (de), So, 11 Uhr (en). Zusätzliche Termine entnehmen Sie bitte dem Kalender. Weitere Führungen nach Voranmeldung.

Öffnungszeiten der Bibliothek
Di und Do 10-15 Uhr sowie nach Vereinbarung

Öffnungszeiten OHO!

Di bis Fr von 10 bis 24 Uhr
Sa 9 bis 24 Uhr
So und Feiertag 9 bis 18 Uhr

 

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