Idee und Form – Op-Art und Konkrete Kunst in der Steiermark

Die Ursprünge der Abstraktion gehen auf die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts zurück. Ab den 1950er-Jahren erlebten sie ihren Durchbruch in der Konkreten Kunst, Op-Art und kinetischen Kunst. Diesen Richtungen liegt ein rationaler Schaffensprozess zugrunde, der genau definierten Regeln folgt. Die gegenständiche Welt wird dabei als Inspirationsquelle ausgeschlossen.

Bei anderen, oft spirituell aufgeladenen Formen der Abstraktion wie dem Abstrakten Expressionismus, dem Informel und Tachismus steht nicht das vernunftgeleitete Denken im Vordergrund, sondern die Formulierung intuitiver Wahrnehmungen. Gemäß Max Bill, Gründer der Zeitschrift „abstrakt konkret“, kann die Kunst „das Denken vermitteln in einer Weise, daß der Gedanke direkt wahrnehmbare Information ist“. Die Beschäftigung mit Mechanismen der visuellen Wahrnehmung und mit der Wirkung von Farben und Formen auf die Psyche führte auch zur Charakterisierung dieser Kunstrichtung als „visuelle Forschung“. Ein Sammelbecken dieser Strömungen waren die Ausstellungen der „Neuen Tendenzen“, die 1961–1973 in Zagreb stattfanden.

Auch in der Steiermark folgten mehrere Künstler diesen Überlegungen: Für Gustav Zankl ist Kunst die materiell gestaltete Idee, seine Arbeiten entstehen nach genauen Konzepten und vermitteln eine Wirklichkeit jenseits illusionistischer oder abstrakter Abbildungen. Jorrit Tornquist befasst sich mit Problemen der Farbe, die er im Kontext von Fläche und Raum untersucht und in Bereichen der Malerei und Architektur umsetzt. Tornquist schöpft aus einer langen Tradition konstruktivistischer und konkreter Tendenzen und dringt auch in die Wahrnehmungspsychologie ein. Seine theoretischen Erkenntnisse setzt er seit den 1960er-Jahren auch praktisch um, zum Beispiel in Form von Farbkonzepten für Architektur in der Stadt- und Landschaftsgestaltung.

Richard Kriesche arbeitet mit numerischen Codes, Größen- und Zahlenverhältnissen.

Auch in den abstrakten Bildern der 1960er-Jahre ging es ihm nie um eine ästhetische Interpretation der Wirklichkeit, um die Vermittlung von Stimmungen. Kriesche erkennt Wirklichkeit auch in biologischen, sozialen und ökonomischen Prozessen und beschreibt sie durch Analysen, die auf Messungen beruhen. Formen, Farben und ihr Verhältnis zueinander werden damit zu kritischen Informationsträgern und liefern faktenreiche Aussagen, die sich abseits jeglicher Erzählung bewegen.

Richard Kriesche, „numerische Systeme“, 1964–69


Die numerische Sensibilität, in der Zahlenverhältnisse und deren Eigenschaften die Basis für andere Verhältnisse in der Welt bilden, half/hilft bei der Suche nach dem numerischen Code hinter allen Dingen – die Zahl als Maß aller Dinge (Pythagoras). Die Arbeiten beruhen oftmals auf einem quadratischen Trägermedium. Geometrische Ordnungsprinzipien und farbliche Grunddaten, Strukturen laufen als unendliche Vernetzungen über die Bild- und Objektbegrenzung hinaus.

Es handelt sich aber auch um räumlich strukturierte Bildflächen – in farblicher Ausgestaltung – oder in weißer Ausgestaltung – Schattenwirkung – eine Hinwendung zur Auseinandersetzung mit Licht als Träger von Informationen. Polarisationsobjekte und Installationen – rechteckige, senkrecht stehende 3-D-verformte, farblich bis vollkommen transparent gestaltete Plexiglasflächen – nebeneinander und hintereinander geschichtet – zur visuellen Einbeziehung des Umraumes.

Es existieren neun Mappen aus der zweiten Hälfte der 60er-Jahre, die Richard Kriesche zu Studienzwecken anlegte. Auf Transparent-Papier finden sich sowohl theoretische Aufzeichnungen als auch visuelle Vorstudien.“
(Astrid Becksteiner-Rasche, in: medienblock-richard-kriesche, Buch zur Ausstellung der Neuen Galerie Graz, 2016)

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