Ensemble Mécanique – George Antheil, Winfried Ritsch und Helmut Kaplan

Drei Werke für robotisches Ensemble mit 5 Klavieren, 2 Xylophonen, 1 Marimba, 4 Trommeln, 1 TamTam, 3 Propellern, 7 Glocken und 3 Sirenen

06.10.2019 18:00-19:00


Kosten: Eintritt frei
Anmeldung: Keine Anmeldung erforderlich
Ort: Space02

George Antheil hat sein Ballet mécanique in den 1920er-Jahren komponiert, als Maschinen die industrielle Revolution bereits emsig vorantrieben. Als „Grazer Version“ wird in diesem Konzert das Werk erstmals in der Fassung von 1925 mit allen angedachten Instrumenten im Originaltempo 153 aufgeführt. Im zweiten Teil spielt das robotische Ensemble eigens dafür komponierte, neue Werke. Der Kanon für Maschinenorchester von Winfried Ritsch verwebt als algorithmische Komposition dynamische Verläufe von Klangflächen der „automata“ als wiederholbaren Kanon. Im dritten Stück, dem Percussion Piece, werden Rhythmusmuster von Helmut Kaplan automatisiert und spielerisch zur neuen Komposition verbunden.

Das Ensemble Méchanique ensteht in Kooperation mit dem musikprotokoll, Atelier Algorythmics und dem Klavierhaus Fiedler. Die „Grazer Version“ des Ballet mécanique ist auch als automatische und mit dem Film synchronisierte Version Teil der aktuellen Ausstellung Connected. Peter Kogler with … 

Ballet Mécanique (Originalfassung 1924–25, Tempo 153, EA) von George Antheil

George Antheils Komposition Ballet mécanique 1924 sollte als automatisches Stück das Werk mit dem Film von Fernand Léger und Dudley Murphey synchronisieren. Er wollte seine Komposition mit acht Trommeln, sieben Glocken, einer Sirene, sieben Flugzeugpropellern und bis zu 16 Pianolas, den damals bereits weit verbreiteten Player Pianos, realisieren, scheiterte aber an der technischen Umsetzung, weil man de facto noch nicht einmal in der Lage war, zwei Automatenklaviere koordiniert gleichzeitig spielen zu lassen. Es war schließlich eine alternative Version mit zwei Pianisten und einem Pianola im langsameren Tempo, die er in der ersten Aufführung in Paris zeigte und damit einen viel beachteten Skandal provozierte und die ein Jahr später in den USA zu einem Fiasko führte. Dennoch begeisterte die Idee, ein Stück für ein Maschinenorchester, das „Ensemble Mécanique“, zu schreiben, damals alle beteiligten Künstler, sodass weiterhin an Aufführungen von Antheil und anderen gearbeitet wurde.

Als „Grazer Version“ wird in diesem Konzert das Werk erstmals in der Fassung von 1924–25 mit allen angedachten Instrumenten im Originaltempo 153 aufgeführt. Mit den neuen Vorsetzern (robotischen Pianisten) des Atelier Algorythmics und modernen Klavieren konnte erstmals die Geschwindigkeit der Pianolastimmen gespielt werden. Weiters werden nur Klangerzeugungen ohne Lautsprecher verwendet, welche schon 1925 möglich gewesen wären – lediglich die Steuercomputer und Automaten sind neu.

Kanon für Maschinenorchester / Canon pour Ensemble Mécanique von Winfried Ritsch

In der Reihe „social machines” (gewidmet Peter Lackner, 2019, UA)

Für den Kanon für Maschinenorchester wurde eine algorithmische Komposition entworfen, welche aufgrund der dynamischen Möglichkeiten der Automaten, welches es bei Pianolas nicht gab, Verläufe erlaubt, die zu sich stetig ändernden Klangteppichen verwoben werden. Dazu dient ein begrenztes Ausgangsmaterial, welches Transformationen und Mutationen unterworfen wird. Aus scheinbar chaotischen Vorgängen und exzessiven Spielgeschwindigkeiten entstehen Wellen von Texturen, die streng deterministisch in Reihen angeordnet sind und einen organischen Korpus von Klängen bilden. Diese bilden nach gewisser Zeit wiedererkennbare Muster, welche sich allmählich weiterentwickeln und damit einen Kanon bilden. Das Stück ist dem verstorbenen Komponisten Peter Lackner gewidmet, der mit seinem Kanon für Automatenklavier einen Meilenstein in der Kompositionsgeschichte für dynamische Automatenklaviere setzte. (Winfried Ritsch)

Percussion Piece (2019, UA) von Helmut Kaplan und Winfried Ritsch

Im Percussion Piece werden Rhythmusmuster von Helmut Kaplan automatisiert und spielerisch verbunden. Bei seinen früheren Arbeiten mit Schlaginstrumenten wurden fein abgestimmte Klänge zu Rhythmusmustern verwoben, welche als am Computer bearbeitete Aufnahmen zu seiner Trilogie Wave Mash Target, Whistle On Carpet und 17 Stücke führten und auf Tonto und God Records veröffentlicht wurden. Dieses Spiel mit Mikrorhythmen, die neu angeordnet und mit modifizierten Wiederholungen neue Klangflächen erzeugen, ist in Percussion Piece sein Experimentierfeld. Hier geht es nicht in erster Linie darum, von Musikern unspielbare Muster zu generieren, sondern vielmehr um eine neue Komplexität, die mithilfe des Computers als Montage programmiert und auf ein Instrumentarium angewandt werden kann. Dabei führt nicht nur der robotische Charakter der maschinellen Instrumentalisten zu einem neuen Klangerlebnis, auch das Ensemble Mécanique zeigt sich als quasi archaische Anordnung. 

George Antheil, Winfried Ritsch und Helmut Kaplan

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George Antheil

Als US-Amerikaner 1900 in Trenton (New Jersey) als Sohn deutscher Einwanderer geboren, startete George Antheil seine Karriere als Pianist und Komponist in Europa, wo er schon bald mit bedeutenden Künstlern wie Erik Satie, Jean Cocteau, Ernest Hemingway, James Joyce, Ezra Pound, Pablo Picasso, Olga Rudge und anderen verkehrte. Zahlreiche Konzertreisen führten ihn durch Europa. Später zurück in den USA komponierte er unter anderem Filmmusik in Los Angelos. Seine Stücke waren perkussiv, dissonant und stark rhythmisch geprägt. Das Ballet mécanique blieb die bekannteste Komposition George Antheils, obwohl er bis zu seinem Lebensende sehr produktiv war. So schrieb er unter anderem mehrere Opern, sechs Sinfonien, Solokonzerte, Kammermusik, Lieder und Klaviermusik.

Winfried Ritsch

Winfried Ritsch (* 1964) beschäftigt sich seit seiner Jugend mit Elektronischer Musik und Medienkunst-Technologien. Er absolvierte das Studium zum Elektrotechnik-Toningenieur und unterrichtet als Professor am Institut für Elektronische Musik und Akustik der Universität für Musik und darstellende Kunst Graz. Seit fast 20 Jahren leitet er das Atelier Algorythmics und ist Mitglied der Künstlerkollektive FOND und TONTO, Gründer und langjährigeres Mitglied des Grazer NetzKunst-Netzwerkes mur.at. Daneben ist Ritsch auch als Entwickler von freier Soft- und Hardware im Bereich der Computermusik aktiv. Seine künstlerische Tätigkeit umfasst die Bereiche Radiokunst, Realisation von Performances, Installationen und Klangskulpturen, telematische Kunstprojekte (Netzwerke), Konzerte und Kompositionen.

Helmut Kaplan

Helmut Kaplan (* 1967) hat vor rund 20 Jahren TONTO als Plattform für musikalische Randpositionen gegründet. Um 2000 installiert Edda Strobl in diesem Umfeld einen Comiczweig, der nun als Künstlergruppe betrieben wird. TONTO versteht sich als Teil eines über Europa verstreuten Netzwerkes von Gruppen, die das Medium Comic als Feld ihrer künstlerischen Auseinandersetzung gewählt haben. Helmut Kaplan veröffentlicht Comics im Aus- und Inland und bei TONTO. Er spielte in Musikgruppen wie Fleischpost, skin und arbeitet seit den 90ern mit diversen Loop-Strukturen in/über verschiedene/n Medien (Schallplatten, Kassettenrekorder, Mischpulte und Computer).

Das Sendungsdatum erfahren Sie auf www.musikprotokoll.orf.at

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