Das Kunsthaus im Klanglicht

Monica Bonvicini: GUILT & Azra Akšamija: Diaspora Scroll (Mariahilf)

28.04.-30.04.2018 20:30-23:00


DANK an Pfarre Mariahilf und Klanglicht

Kosten: Eintritt frei

„Mit den Projekten von Monica Bonvicini an der Fassade des Kunsthauses und Azra Aksamija Diaspora Scroll (Mariahilf) an der Kirchenfassade am Mariahilferplatz beim Klanglicht dabei zu sein, ist uns ein großes Anliegen. Wir verbinden damit die Ausstellung ,Glaube Liebe Hoffnungʻ, die sich vom Kunsthaus und dem Kulturzentrum bei den Minoriten weit in die Stadt hinein vernetzt, mit dem urbanen Geschehen von heute. Ganz bewusst richten die beiden Arbeiten das Augenmerk auf Ebenen des christlichen Erbes, auf popkulturelle Verbindungen zwischen Geschichte, Kommerzialisierung und gebautem Programm, das sich gerade im Stadtraum allerorts manifestiert.“
Barbara Steiner und Katrin Bucher Trantow, Kuratorinnen der Ausstellung Glaube Liebe Hoffnung im Kunsthaus Graz und KULTUM (12.4.-26.8.2018)

Monica Bonvicini: GUILT, 2018

Ort: BIX- Medienfassade

Die Buchstabenfolge „GUILT“ (Schuld) wird an der Fassade des Kunsthauses zur bildlichen Behauptung, wird zum Signet, in dem sowohl Mahnung als auch Anprangerung ohne spezifische Adressaten stecken. Es ist ein vielfältig besetzter Begriff, der subjektiv eine unerlaubte oder verwerfliche Handlung und objektiv die Übertretung moralischer oder gesetzlich verbotener Grenzen bedeutet und sich auf der Fassade des Kunsthauses in den Stadtraum schiebt. Als Begriff ist er stets in Bezug zur Gesellschaft zu denken, denn vor allem das Einbekenntnis von Schuld fordert Zusammenleben heraus und gleichzeitig Kommunikation mit anderen ein, wenn es um Reue und Vergebung geht.

Im Laufe der Jahrzehnte hat sich der Begriff aus dem kirchlich-theologischen Kontext gelöst und in Richtung Populärkultur und Psycho-Coaching verschoben. „Guilt“ ist der Titel mehrerer Filme, Musikalben und einer US-amerikanischen Fernsehserie. Schuldbekenntnis, Reue, Vergebung werden zunehmend in Talkshows und Social Media ausgelagert und kommerzielle Anbieter offerieren Dienstleistungen, die von Schuldgefühlen befreien sollen. Schuldkultur ist durchaus mit Macht verbunden, denn die Erzeugung von übermäßigem Schuldbewusstsein verleiht Macht über Menschen und ihr Verhalten. An diesem Punkt setzt Bonvicinis Interesse an: In ihren medienübergreifenden Arbeiten setzt sich die Künstlerin wiederholt mit Machtstrukturen auseinander und untersucht die komplexen Beziehungen zwischen physischem und sozialem Raum sowie historische, politische und ökonomische Prägungen, die sich in diese Räume eingeschrieben haben. 

Monica Bonvicini: 
*1965 in Venedig (IT), lebt in Berlin (DE)

Monica Bonvicini übernahm 2003 die Professur für performative Kunst und Bildhauerei an der Akademie der bildenden Künste Wien. Sie wurde 2002 mit dem Overbeck-Preis für Bildende Kunst, 2005 mit dem Preis der Neuen Nationalgalerie und 2012 mit dem Rolandpreis für Kunst im öffentlichen Raum ausgezeichnet, seit 2017 ist sie Professorin an der Universität der Künste, Berlin.

Bildergalerie

Azra Akšamija: Diaspora Scroll (Mariahilf), 2018

Ort: Fassade der Mariahilferkirche

Auf die Fassade der Mariahilferkirche legt sich zum Klanglicht ein wachsendes Geflecht aus Stickmustern und Architekturformen, die alle lokalen Bezug aufweisen, aber teilweise aus unterschiedlichen Kulturen zusammenfinden. Insgesamt zu einem Bild ständiger Veränderung und Verschwisterung werdend, verbindet sich die gebaute Kirche mit den projizierten Symbolen und Formen aus unterschiedlichen Kulturen zu einer wachsenden Einheit. Als Einladung, Vorhandenes mit neuen Augen zu sehen, öffnen sich während der drei Abende auch die Pforten der barocken Pilgerkirche weit und laden dazu ein, den mächtigen Bau und spirituellen Ort im still flackernden Kerzenlicht auf sich wirken zu lassen. 

Azra Akšamija
*1976 in Sarajevo (BA), lebt in Massachusetts (US) und Wien (AT)

Die nach dem Jugoslawienkrieg in Graz aufgewachsene Azra Akšamija beschäftigt sich mit kulturellen und religiösen Konstruktionen von Identität. Mit dem Ziel, Gemeinschaft zu fördern, Traumata zu überwinden und soziale sowie politisch wertvolle Innovation zu ermöglichen, spürt die Künstlerin und Architektin, die am Massachusetts Institute of Technology unterrichtet, technologisches und materielles Wissen auf.

Für die Ausstellung Glaube Liebe Hoffnung entsteht in Graz eine erste Fassung einer wachsenden Stoff- und Gedächtnisrolle, mit der Stickmuster gesammelt und lokales mit migriertem Wissen analog und digital miteinander verwebt wird. Leihgaben aus dem Diözesanmuseum, der Volkskundlichen und Kulturhistorischen Sammlung des Joanneums, dem Jüdischen Museum Wien sowie der bosnischen Gemeinschaft in Graz verwachsen mit digitalen Mustermutationen sowie Aktivitäten von Wissensträgerinnen bzw. -trägern und schaffen eine partizipative Installation, die Sticken als transnational wachsendes Kulturgut zeigt. Anhand von vier Schwerpunkten, die auf dem Kreuzstich und der lokalen, traditionell rot-weißen Farbkombination aufbauen, verweben sich händisch gefertigte, zeitaufwendige Muster mit schnellen, billigeren, industriell gefertigten. Der Lebensbaum – auch im christlichen Kontext häufig verwendet – ist dabei das verbindende Symbol unterschiedlicher Herkunft. Zu Akšamijas bekanntesten Arbeiten gehören u.a. die ornamentale Schindel-Gebetswand im ersten islamischen Friedhof Vorarlbergs (2012) oder die Dirndlmoschee (2006), ein Kleidungsstück, das in sich Kulturen transformieren lässt.

Besuchen Sie die Ausstellung

Glaube Liebe Hoffnung
Ausstellung

Glaube Liebe Hoffnung

800 Jahre Diözese Graz-Seckau

13.04.-26.08.2018 > Kunsthaus Graz

Die Ausstellung sucht nach möglichen Verbindungen zwischen weltlichen und kirchlichen Bereichen, erkundet künstlerische Auseinandersetzungen mit christlich geprägten Bildern und Werten. mehr...

Klanglicht 2018

MAGIE, LICHT, KLANG der BÜHNEN GRAZ



Von 28. bis 30. April 2018 werden in Summe 17 Kunstinstallationen in der Innenstadt durchlaufend von 20:30 bis 23:00 Uhr bei freiem Eintritt gezeigt! 

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Kunsthaus Graz

Lendkai 1
8020 Graz, Österreich
T +43-316/8017-9200
kunsthausgraz@museum-joanneum.at

 

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