Wo Kunst geschehen kann

Die frühen Jahre des CalArts

13.03.-07.06.2020


Eröffnung: 12.03.2020, 19 Uhr
Kuratiert von: Philipp Kaiser, Christina Végh, Katrin Bucher Trantow, Barbara Steiner​
Ort: Space02

Kuratorische Assistenz: Elisabeth Schlögl
Ausstellungsgestaltung: Rainer Stadlbauer

Kuratiert und organisiert von Philipp Kaiser und Christina Végh für die Kestner Gesellschaft, Hannover. Kunsthaus Graz in Zusammenarbeit mit Katrin Bucher Trantow und Barbara Steiner.


Über die Ausstellung

Die umfassende Gruppenausstellung präsentiert die legendären Gründungsjahre (1970–1980) der amerikanischen Kunsthochschule „California Institute of the Arts“ (CalArts), die zahlreiche bekannte Künstlerinnen und Künstler hervorgebracht hat. Die Ausstellung mit dem Titel Wo Kunst geschehen kann. Die frühen Jahre des CalArts eröffnet eine multiperspektivische Sicht auf diese Schule: Parallel existierende Strömungen aus dem Umfeld der Konzeptkunst, des Feminismus und des Fluxus sowie die radikalen pädagogischen Konzepte der Schule werden in der Ausstellung erstmals vereint.

Die Ausstellung wurde kuratiert von Philipp Kaiser (freier Kurator, Los Angeles) und Christina Végh (Direktorin der Kestner Gesellschaft). Von März bis Juni 2020 wird die Gruppenschau im Kunsthaus Graz gezeigt, wo Barbara Steiner und Katrin Bucher Trantow das kuratorische Team verstärken und Bezüge in österreichische Entwicklungen aufzeigen werden. 

Mehr über die Ausstellung Expand Box

Wo Kunst geschehen kann. Die frühen Jahre des CalArts widmet sich den ersten 10 Jahren der Kunsthochschule und führt erstmalig die dort vertretenen Lehrkonzepte mit den daraus entwickelten künstlerischen Praktiken in einer Gruppenschau zusammen. Gezeigt werden ca. 100 Werke von rund 40 Künstlerinnen und Künstlern, darunter Arbeiten, die zum ersten Mal öffentlich präsentiert werden.

Die historisch angelegte Ausstellung zeichnet verschiedene Situationen nach, in denen Kunst entstehen kann. Ganz im Sinne von John Baldessari, der als einer der prägenden Lehrer die Auffassung verfolgte, dass Kunst nicht lehrbar sei, sondern es darum ginge, Situationen zu schaffen „where art might happen“, wie er 1992 in einem Interview äußerte. Beleuchtet werden unter anderem Schlüsselfiguren wie Allan Kaprow, John Baldessari sowie Judy Chicago und Miriam Schapiro und ihre tragenden Ideen des Fluxus, der Konzeptkunst und des Feminismus.

Neben Kunstwerken und wissenschaftlich aufbereitetem Archivmaterial wurden eigens für die Ausstellung Oral-History-Interviews mit 13 Künstlerinnen und Künstlern des CalArts gefilmt, die als Zeitzeuginnen und -zeugen individuelle Einblicke auf die damalige Situation geben. Auf diese Weise werden erstmals die Lehrmethoden, der historische Kontext und die interdisziplinären Zusammenhänge zwischen den künstlerischen Praktiken in einer Ausstellung sichtbar. Den Zeitgeist der 1970er-Jahre vermitteln auch Erzählungen von legendären Pool-Partys, Lehrveranstaltungen wie „Advanced Drug Research“ und dem Verzicht auf Noten und Lehrpläne im Schulalltag. Darüber hinaus legen die Interviews die Spannbreite persönlicher und zwischenmenschlicher Details offen.

Die Ausstellung macht deutlich, dass innerhalb der unterschiedlichen Ansätzen am CalArts medienübergreifende, interdisziplinärer Formate besonders stark vertreten waren. Selbst malerische Positionen haben im weitesten Sinne Elemente aufgenommen, die in Film und Performance eine Rolle spielen, wie an den Arbeiten von Eric Fischl und Ross Bleckner, Lari Pittman oder Mira Schor und anderen zu sehen ist.

Die Interdisziplinarität der Schule wird in verschiedenen künstlerischen Praktiken deutlich. Diese Verbindung zwischen Post-Studio und Fluxus wurde durch Schlüsselfiguren wie Wolfgang Stoerchle mit seinen konzeptuellen Video- und Performancearbeiten und Stephan von Huene mit seinen kinetischen Klangskulpturen geprägt. Bezüge sowohl zum Umfeld des Post-Studio als auch des Feminist Art Program findet man in den Werkansätzen der Künstlerinnen und Künstler wie Ericka Beckman, Mike Kelley, Jim Shaw, Tony Oursler und Carrie Mae Weems.

Die Ausstellung wird von einem umfangreichen Recherchekatalog zu den Anfangsjahren von CalArts (erscheint in einer deutschen und einer englischen Ausgabe im Verlag Prestel / Prestel DelMonico, Februar 2020) sowie einem kleinen zweisprachigen Begleitbuch mit einem Text zu den österreichischen Verbindungen begleitet.

Die Kunsthochschule in Los Angeles – ein radikales Schulmodell Expand Box

1970 öffnete die von Walt Disney gegründete Kunsthochschule CalArts bei Los Angeles (Kalifornien, USA) ihre Türen. CalArts entwickelte in den ersten Jahren ein radikales, wegweisendes Schulmodell, das in seiner Interdisziplinarität an europäische und US-amerikanische Vorgängermodelle wie dem Bauhaus und dem Black Mountain College anknüpfte, das Verhältnis zwischen Lehrenden und Lernenden egalisierte und ohne Benotungssystem auskam. Mit der institutionellen Etablierung konzeptueller und feministischer Konzepte an den Lehrstühlen „Post-Studio“ von John Baldessari und „Feminist Art Program“ von Miriam Schapiro und Judy Chicago hat CalArts eine Vorreiterrolle eingenommen. Im Zentrum der künstlerischen Auseinandersetzung standen schon damals aktuelle gesellschaftliche Themen wie das Hinterfragen von Autorenschaft, die Flexibilisierung von künstlerischen Arbeitsweisen oder die Kritik an patriarchalen Machtstrukturen.

Künstler/innen der Ausstellung

Michael Asher, John Baldessari, Ericka Beckman, Ross Bleckner, Barbara Bloom, Troy Brauntuch, Klaus vom Bruch, Judy Chicago, Eric Fischl, Simone Forti, Jack Goldstein, Douglas Huebler, Stephan von Huene, Allan Kaprow, Mike Kelley, Alison Knowles, Suzanne Lacy, Matt Mullican, Daniel Joseph Martinez, John Miller, Susan Mogul, Ann Noël, Sandra Orgel, Tony Oursler, Lari Pittman, Stephen Prina, Aviva Rahmani, Ulrike Rosenbach, David Salle, Mira Schor, Jim Shaw, Miriam Schapiro, Wolfgang Stoerchle, Mitchell Syrop, Carry Mae Weems, James Welling, Faith Wilding, Christopher Williams und Emmett Williams u. a.

 

Bildergalerie

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