Entwurf & Renderings


Colin Fournier: The Friendly Alien
In:
Curves and Spikes, Katalog der gleichnamigen Ausstellung in der Galerie aedes, Berlin

 
 

Am Beginn jedes Entwurfs für ein Museum steht vorrangig die Frage nach der Kunst, die es beinhalten wird.

Das besondere Konzept für das Kunsthaus Graz sieht keine permanente Sammlung vor. Andere Museen in der Stadt haben diese Aufgabe übernommen. Das bedingt einen ständigen Wechsel der Inhalte, was eine entscheidende Auswirkung auf den Entwurf hat. 


Ohne die Einschränkung, sich streng definierten Funktionen unterwerfen zu müssen, eröffnen sich einem zwei Möglichkeiten:

Entweder man entscheidet sich für eine auffällige, höchst idiosynkratische Form, die lustvoll ihr ikonenhaftes Image feiert, wie z. B. Frank O. Gehry's Guggenheim-Museum in Bilbao, oder man nimmt einen zurückhaltenderen Standpunkt ein und erhebt es zum obersten Prinzip, eine makellos funktionierende unaufdringliche Hülle für die darin ablaufenden Ereignisse zu schaffen.


Das Kunsthaus Graz scheint auf Anhieb in die erste Kategorie zu gehören und tut es doch wieder nicht.

Es wirbt zwar mit der Unverwechselbarkeit seines Entwurfs, funktioniert aber andererseits als eine Hightech-Maschine, die dem Benützer größtmögliche Flexibilität in der Raumgestaltung offeriert. Sicher, sein Erscheinungsbild ist auffallend, aber auch vielfältig, und bietet immer wieder überraschende Elemente: Die Außenschicht der Haut kann
mit Einschränkungen elektronisch verändert werden, während sein Inneres als eine Blackbox der versteckten Möglichkeiten den jeweiligen Kurator inspirieren soll. Wenn man vom Travelator in den Bauch des Kunsthauses Graz gesogen wird, wird man immer wieder ein neues Raumgefühl empfinden, immer wieder wird die veränderte sinnliche Erfahrung die Illusion eines unbekannten Gebäudes vorspiegeln.



Die weit zurückreichende Faszination der Autoren für „animal presence of architecture
die animalische Präsenz von Architektur, und die wechselvolle Geschichte des Wettbewerbs zum Kunsthaus Graz, das ursprünglich im Inneren des Schlossbergs im Stadtzentrum hätte entstehen sollen, führten zur biomorphen Form des Projekts. Damals wurde die Idee geboren, das felsige Innenleben mit einer organischen Membran zu verkleiden, um die groben und komplexen inneren Konturen auszugleichen und diese Membran wie eine Drachenzunge aus dem Berg heraus in die Stadt vordringen zu lassen.

Als der Platz für das Museum auf seinen jetzigen Standort am rechten Murufer verlegt wurde, fand die Drachenhaut ihren Weg über den Fluss, ergoss sich in den unregelmäßigen Grundriss des neuen Geländes, hüllte sich um die beiden angehobenen Plattformen des Museums und schuf so ein Raumgefüge, das weder Dach noch Wände noch Boden aufwies, sondern ein nahtloses Ineinanderübergehen der drei Elemente.

Das Fließende der daraus resultierenden doppelt gekrümmten Oberfläche verleiht dem Gebäude ein sanftes Erscheinungsbild, das 
gemeinsam mit der besonderen Natur der „Nozzles", seinen zahlreichen Nasen und Augen  zu dem Spitznamen „Friendly Alien" führte. Und tatsächlich versucht es durch seine äußere Erscheinung und seinen Modus Operandi, eine „freundliche", dem Publikum leicht zugängliche Institution zu sein, die von der Grazer Bevölkerung rasch zu einem vertrauten Teil ihres täglichen Lebens gemacht wird.



In Bezug auf die Stadtplanung will dieses Gebäude einen wichtigen Einfluss auf die Regeneration der westlichen Stadthälfte ausüben,

die bislang
im Vergleich zur östlichen, in der sich alle wichtigen öffentlichen Gebäude, Universitäten und Museen befinden als eher benachteiligt galt. Kulturelle Einrichtungen, im Speziellen Museen für Moderne Kunst, haben die bemerkenswerte Eigenschaft, dass sie wenn sie dem Publikum schmackhaft gemacht wurden, wie etwa das Centre Pompidou in Paris, das Guggenheim in Bilbao oder die Tate Modern in London (auch sie liegt auf der „falschen" Seite des Flusses) wirksame Katalysatoren für Veränderungen sein können. Symptome dieser Transformation sind bereits bemerkbar.

Kunsthaus Graz

Lendkai 1
8020 Graz, Österreich
T +43-316/8017-9200
kunsthausgraz@museum-joanneum.at

 

Öffnungszeiten
Di-So, Feiertag 10 - 17 Uhr


Führungen
Sa 15:30 Uhr, So & Feiertag 11 Uhr (DE), So 14 Uhr (EN), Abweichungen möglich. Weitere Termine finden Sie im Kalender oder nach Voranmeldung

Architekturführungen 
nur in der ausstellungsfreien Zeit, Deutsch: Di–Sa, 11, 14, 15:30 Uhr; So, Feiertag: 11, 15:30 Uhr; Englisch: So, 14 Uhr oder auf Anfrage

Kunsthauscafé
Mo-Do 9-23 Uhr
Fr-Sa 9-1 Uhr
So 9-20 Uhr
T +43-316/714 957

 

6. Jänner 2020
13. April 2020
1. Juni 2020
26. Oktober 2020

24. bis 25. Dezember
1. Jänner 2020 10 - 13 Uhr
25. Februar 2020
24. bis 25. Dezember 2020