Arbeitswelten

Die ausdifferenzierte Arbeitswelt in der Stadt bietet ein weiteres Feld an Beschäftigung. Trotzdem rät der Journalist Peter Rosegger den Menschen am Land davon ab, ihr Glück in der Stadt zu versuchen, denn er sieht auch die Kehrseite: die Proletatisierung der vielen ungelernten Arbeiter und Arbeiterinnen.

Arbeitswelt Stadt

 

Industrie, Handel und Verwaltung wachsen nach 1850 stark an, während die Erträge in der Landwirtschaft sinken. Aus diesem Grund suchen viele Menschen Arbeit in der Stadt. Die einkommensschwächste Gruppe unter den Werktätigen sind die Arbeiter/innen in Industrie und Gewerbe. Um 1900 verdienen nur wenige mehr als 1.200 Kronen im Jahr. Besser verdienende Arbeiter/innen finden sich in dem Druckereigewerbe, der Metallverarbeitung und dem Maschinenbau. Dieser „Arbeiteraristokratie“ geht es finanziell oft besser als so manchem kleinen Händler oder Gewerbetreibenden, von denen um 1900 kaum 50 % einkommensteuerpflichtig sind. Die im Schnitt reichste Personengruppe sind die Angestellten: mittlere und höhere Beamte, Verwaltungspersonal in Industrie und Handel. Sie stellen mehr als 25 % der Steuerzahler, ihr Einkommen speist sich vielfach aus mehreren Quellen. Das Gehalt wird mit Kapitalanlangen verbessert, bei rund 10 % durch Ertrag aus Hausbesitz. Spitzenverdiener/innen kommen aus der Gruppe der Selbstständigen wie Großhändler, Fabrikbesitzer/innen, aber auch Personen mit eigenen Mitteln.

 

Peter Rosegger nimmt die vermehrte Zuwanderung der ländlichen Bevölkerung in die Städte mit Sorge wahr. Warnend merkt er an, dass trotz des wachsenden Stellenangebots für Angestellte der soziale Aufstieg doch begrenzt ist und eigentlich nur die Hand- mit der Schreibtischarbeit vertauscht werde.

 

Fotograf: Leopold Bude, um 1900, Universalmuseum Joanneum/Multimediale Sammlungen

Arbeitswelt Land

Trotz der Abwanderung aus ländlichen Gebieten arbeiten um 1910 noch 55 % der Erwerbstätigen in der Landwirtschaft. Neben bäuerlichen Besitzern dominieren Knechte und Mägde. Bei entsprechender Eignung und Leistung kann man innerhalb der streng hierarchischen Struktur aufsteigen und mehr verdienen. Neben Bargeld, das am Ende der Dienstzeit ausbezahlt wird, besteht der Lohn auch aus Naturalien. Der Arbeitstag dauert von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang, für das Einnehmen der Mahlzeiten gibt es Pausen. Je mehr Dienstboten auf einem Hof arbeiten, desto stärker ausgeprägt ist auch die Arbeitsteilung: Acker, Wiese und Wald sowie die Versorgung der Zugtiere sind die Arbeitsbereiche der Knechte. Mägde kümmern sich um Garten, Haus sowie Küche und versorgen Kühe und Kleintiere. Küchenarbeit bedeutet, auch an Sonn- und Feiertagen am Herd zu stehen, was zu längeren Arbeitszeiten führt. Das Anfertigen und Reparieren von Schuhen, Kleidern, Stoffen und Körben übernehmen Störhandwerker. Diese wandern von Hof zu Hof und bringen neben ihren Fertigkeiten auch Nachrichten mit.

Peter Rosegger kennt die Härte der Landarbeit und nimmt sich bei ihrer Beschreibung kein Blatt vor den Mund. Mit aller Schärfe kritisiert er die Ausbeutung der Landarbeiter/innen und die Ungerechtigkeit des Heiratsverbotes für Mittellose. Trotz allem rät er der Landbevölkerung, ihr Elend am Land nicht gegen die Proletarisierung in der Stadt einzutauschen.

Beim Dreschen, ohne Datum, Fotosammlung Volkskunde, UMJ

Museum für Geschichte

Sackstraße 16
8010 Graz, Österreich
T +43-316/8017-9800
geschichte@museum-joanneum.at

 

Öffnungszeiten
Mi-So, Feiertag 10 - 17 Uhr

 

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24. bis 25. Dezember 2020