Was sind Dorftypen und Flurformen?

Die Höfe (Wohn- und Wirtschaftsstätten) und Flure (Wirtschaftsflächen) ergeben zusammen ein Dorf. Je nach Aufteilung der einzelnen Feldstücke (Parzellen) spricht man von unterschiedlichen Flurformen, wobei manche Flurformen zwingend mit einem Dorftyp verbunden sind. Die Parzellenstruktur steht dabei natürlich auch unter Einfluss des Geländereliefs.

 

Die verschiedenen Dorftypen lassen sich insbesondere über ihren Grundriss beschreiben. Dieser bestimmt nicht nur die Form des Dorfs, er sagt auch etwas über die Stellung der Höfe, Straßen, Wege, Plätze, Grünflächen und Gärten zueinander aus. 

 

Die „Gründungsdörfer“ im Unteren Murtal sind mehrheitlich Straßen-, Zeilen- oder Angerdörfer. Ihr Grundriss ist regelmäßig, die Anordnung der Bauernhuben linearer. Nach ihrer Flurform sind es meist „Gewannflurdörfer“: Das Ackerland einer Siedlung teilt sich in einzelne Äcker („Gewanne“), die sich wiederum in streifenförmige Parzellen nach der Anzahl der Dorfbauern gliedern. Nicht selten sind die Hofnachbarn auch Feldnachbarn. Häufig finden sich hier auch langstreifige „Haus- oder Hofäcker“ (Gelängeflur) direkt im Hofanschluss.

 

In eher versumpften Talstrecken, wo Ackerbau nur bedingt möglich ist, werden auch Weiler mit Blockgemengeflur gegründet: Fünf bis acht Huben wird hierbei das Land in Blöcken zugewiesen. Im Hügelland entstehen nach wie vor Einzelhöfe und Streusiedlungen, verbunden mit einer Einödflur.

aus: Wilhelm Leitner, „Die Siedlungstypen der Steiermark“, Karte Nr. 9, (1974), in: Fritz Posch (Hg.), Atlas zur Geschichte des Steirischen Bauerntums, Veröffentlichung des Steiermärkischen Landesarchivs, Band 8 (1976)

Karte: Siedlungsformen im Grabenland und Unteren Murtal, aus: Wilhelm Leitner, „Die Siedlungstypen der Steiermark“, Karte Nr. 9, (1974), in: Fritz Posch (Hg.), Atlas zur Geschichte des Steirischen Bauerntums, Veröffentlichung des Steiermärkischen Landesarchivs, Band 8 (1976)

 

Siebing besteht ursprünglich nur aus einer Zeile eng aneinander gebauter Höfe entlang einer gekrümmten Dorfstraße. Es liegt auf der untersten Terrassenfläche eines zum Saßtal abfallenden Gleithangs. Die Flure sind deutlich als Rodungen aus dem darüber liegenden „Schweinsbachwald“ zu erkennen. Die Größe von Siebing wird erstmalig 1406 mit 16 bewirtschafteten Höfen angegeben. Eine Volkszählung gibt es zu dieser Zeit noch nicht, die Einwohner*innenzahl kann aber auf rund 50 Personen geschätzt werden. Wohl überliefert ist der Viehbestand: 1542 werden 145 Rinder, 114 Schweine und 40 Pferde gezählt!

Museum für Geschichte

Sackstraße 16
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Öffnungszeiten


Di-So, Feiertag 10 - 18 Uhr

 

15. August 2022
26. Dezember 2022

24. bis 25. Dezember 2022