Lässt sich der Grundriss eines mittelalterlichen Plandorfes überhaupt rekonstruieren?

Die Pläne des Franziszeischen Katasters sind unverzichtbarer Ausgangspunkt jeder flur- und siedlungsgeschichtlichen Analyse. 1817 wird eine systematische Dokumentation sämtlicher Grundstücke in allen Landesteilen der Monarchie beschlossen. Die Vermessung des Herzogtums Steiermark erfolgt großteils zwischen 1823 und 1826. Dabei werden die genauen Flächenmaße sämtlicher zu einer Liegenschaft gehörigen Bau- und Grundparzellen verzeichnet und erstmals im Maßstab 1 : 2880 kartografisch dargestellt.

 

Die Katasterpläne aus dem 19. Jahrhundert geben uns bis heute wichtige Hinweise auf die hoch- und spätmittelalterlichen Flur- und Siedlungsstruktur eines Dorfes, da die Parzellenanordnung auch wesentlich vom Gelände bestimmt wird. Natürlich wurden da und dort Grundstücke zusammengelegt oder Höfe und Keuschen abseits der ursprünglichen Häuserzeile(n) angelegt. Lage und und Grundriss einer Siedlung stammen aber weitgehend aus der Zeit ihrer Gründung. Dies betrifft insbesondere die planmäßige Anordnung der Hofstellen und des Ackerlandes sowie das Straßen- und Wegenetz.

FK 1821, Zelting, Blatt I, Steiermärkisches Landesarchiv

Projektion, INNOCAD, 2021: Runddorf Zelting nach dem Franziszeischen Kataster OD-BG Radkersburg-39, FK 1821, Zelting, Blatt I, Steiermärkisches Landesarchiv

 

Beständiger als der Aufriss ist der Grundriss. Letzterer bewahrt uns eine Vorstellung von Größe, Ausrichtung und Aussehen einer mittelalterlichen Siedlung. Der Aufriss hingegen ist den baulichen Moden der Zeit unterworfen.

Museum für Geschichte

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Öffnungszeiten


Di-So, Feiertag 10 - 18 Uhr

 

15. August 2022
26. Dezember 2022

24. bis 25. Dezember 2022