Die Addition der Einzelteile: Die Stadtanlage von Oberwölz

Oberwölz geht nicht auf eine bewusste Gründung zurück, sondern entwickelte sich im Laufe mehrerer Jahrhunderte aus einer dörflichen Niederlassung zu einem Markt und in weiterer Folge zu einer Stadt. Dieser Entwicklungsprozess lässt sich anhand des Grundrisses nachzeichnen.

OD-BG Oberwölz-07, FK 1823, Oberwölz, Blatt II, Steiermärkisches Landesarchiv

Oberwölz, Franziszeischer Kataster, OD-BG Oberwölz-07, FK 1823, Oberwölz, Blatt II, Steiermärkisches Landesarchiv

Der Mühlgang trennt die Stadt in zwei unterschiedliche Teile, von denen der ältere Bereich rund um den Hauptplatz zwischen Schöttlbach und Mühlgang eine, den Bedürfnissen einer markttreibenden Bevölkerung entsprechende, dichte Bebauung aufweist. Der östliche, jenseits des Mühlganges gelegene Teil der Stadt zeichnet sich durch eine lockere Bebauung mit ländlichem Charakter aus. Dieses Areal wurde zur landwirtschaftlichen Produktion genutzt: Dort befinden sich Höfe und Scheunen, Ställe, Heu- und Lagerräume sowie kommunale Speicher. Hier ist für die Gärten und Gartenhäuser der Oberschicht ebenso Platz wie für die Anlage von Gewerben, die aus polizeilichen Gründen wegen Lärm- und Geruchsbelästigung und Feuergefahr nur ungern in der inneren Stadt duldet. Die Nennung eines Webers Perlin im Urbar aus dem Jahr 1316, der eine Hofstätte Im Sack besaß, unterstreicht diese Vermutung. Die bürgerlichen Gewerbetreibenden ließen sich um den Hauptplatz, in der Herren- oder Pfarrgasse und in der Neugasse nieder; die nichtbürgerlichen Handwerker und Keuschler wohnten Im Sack, Am Hozenbichl und in der Vorstadt.

 

Oberwölz kann somit nicht als geistige Schöpfung eines Einzelnen gesehen werden. In städtebaulicher Hinsicht erscheint Oberwölz als linear, sozusagen als Addition der

Füllmaterial: Das innere Gefüge von Oberwölz

 

Erstmals in einer Schenkungsurkunde des späteren Kaiser Heinrich II. an Bischof Egilbert von Freising 1007 urkundlich genannt, entwickelt sich Oberwölz im Laufe der Jahrhunderte über einen Markt (1256) hin zu einer Stadt (1305).


Durch die Ummauerung (1315/16) werden die äußeren Grenzen von Oberwölz gezogen und es kommt zur Ausformung des inneren Gefüges und zur Füllung des Stadtkörpers. Zunächst ergibt sich der Bedarf an Quergassen an der östlichen Langseite des Marktplatzes, um die dahinterliegenden Freiflächen zugängig zu machen. Diese werden parallel zum Marktplatz mit einer Wirtschaftsgasse verbunden, um den steigenden Wirtschaftsverkehr vom Markt fernzuhalten.


Spätestens mit der Erbauung des neuen Amtshofes des Bischofs von Freising (1335) erfolgt auch die Anlage der Herrengasse, die aufgrund ihrer verkehrstechnischen Bedeutung als Hauptstraße angelegt wird. Ihre Verlängerung bildet die Neugasse, ihren Abschluss das Neugassentor. Im Spätmittelalter werden in Oberwölz die Neugasse, Riemergasse, Sattlergasse, Schmelzgrubergasse, Im Sack, Herrengasse und Pfarrgasse eigens genannt.


Die Erbauung des admonter Abthofes (1415) südlich der Martinskirche und der Neubau der Sigismundkirche im späten 15. Jahrhundert lassen ein geistliches Zentrum innerhalb der Stadt entstehen, das mit dem Markt einen topografischen Dualismus zwischen kirchlichem Kultbau und bürgerlicher Siedlung bildet.

 

Lore Valencak, Stadtführerin, spricht über die Leder- und Lodenproduktion in Oberwölz und die Bedeutung des Speiksammelns für die Bewohner*innen der Stadt Oberwölz:  

Interview: Lore Valencak, Stadtführerin Oberwölz, Video: Walter Schaidinger, 2020/07/31, Oberwölz

Museum für Geschichte

Sackstraße 16
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T +43-316/8017-9800
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02. Jänner 2022 bis 31. Dezember 2022 Di-So, Feiertag 10 - 18 Uhr


Aufgrund der aktuellen Covid-Verordnungen ist in allen Häusern des Universalmuseums Joanneum die Teilnehmer*innenzahl bei Führungen begrenzt. Wir bitten Sie deshalb um verlässliche Voranmeldung unter +43-316/8017 9810

 

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