Nachts, wenn alle Katzen wachen, produziert der Mensch im Schlaf Melatonin, ein körpereigenes Hormon, das aus dem Abbau von Serotonin entsteht. Licht hemmt seine Produktion in der Zirbeldrüse, erst im Dunkeln wird sie aktiv. So steuert Melatonin unter anderem auch den 24-stündigen Tag-Nacht-Rhythmus. Das Hormon kann als Medikament verabreicht werden und wird häufig bei Schichtarbeit oder zur Bekämpfung von Jetlag-Symptomen eingesetzt. Es ist mittlerweile in Europa rezeptfrei erhältlich.
Das Kollektiv Atisuffix aus Rom macht den Schlaf zum Thema und lenkt den Blick auf eine überbeleuchtete Konsum- und Informationsgesellschaft, die im 24/7-Rhythmus jederzeit wachbereit ist für Aktivität. Atisuffix gestaltet den Eingangsbereich zum Universalmuseum Joanneum als einen Ort der Müdigkeit und des Schlafes. Eine verlangsamte Rolltreppe, ein glockentönendes Schlaflied, die Ausgabe von Melatonin an Freiwillige, performative Einlagen und Nachtspaziergänge bilden ein wechselseitiges Aktionsgewebe für den Schlaf.
Der Name Atisuffix trägt eine doppelte Bedeutung in sich. Die Endsilbe (Suffix) -ati steht im Italienischen als Befehls- und Vergangenheitsform reflexiver Verben, das heißt sie bezeichnet sowohl eine abgeschlossene Tätigkeit als auch eine erst zu beginnende Handlung. Die Doppeldeutigkeit der italienischen Grammatik wird eingesetzt, um mit jedem künstlerischen Projekt Widersprüche und Wechselwirkungen zu erzeugen. Mitunter wird der Name Atisuffix sogar gegen eine andere Gruppenbezeichnung ausgetauscht, um deren Wiedererkennbarkeit zu erschweren.