Schaufenster in die Römerzeit

Römischer Mehrwert beim Eisessen

 

Das Schaufenster in die Römerzeit soll den Besucher*innen von Flavia Solva jedes Jahr einen neuen, kleinen Einblick in die Römerzeit geben, der über die allgemeinen Informationen zu Flavia Solva auf der gegenüberliegenden Seite des Gebäudes hinausgeht. Gewissermaßen im Vorübergehen kann so – idealerweise mit einem Eis in Hand – etwas Neues, oft zu aktuellen Forschungsvorhaben der Abteilung Archäologie & Münzkabinett am Universalmuseum Joanneum, entdeckt werden.

Vorschau 2023:

Solva à la Carte

30.06.2023–21.06.2024
Kuratiert von Barbara Porod, Johanna Kraschitzer und Gudrun Praher-Malderle

Diese Präsentation geht der Frage nach, was in Flavia Solva mit welchem Geschirr gekocht wurde.

Im Zuge der römischen Herrschaft entstand ein neuartiges Keramikspektrum, in dem nur einzelne Formen der vorangehenden späten Eisenzeit weiterhin genutzt wurden. Dies deutet auf eine Veränderung der alltäglichen Gewohnheiten hin, entweder durch neue Rohstoffe – insbesondere Pflanzen –, neue Werkzeuge zur Nahrungszubereitung oder neue Rezepte.

Diese Präsentation versucht, die Alltagspraxis in den Küchen von Flavia Solva anhand mehrerer Bausteine zu rekonstruieren: Was wurde gegessen? Wurden Speisen gedünstet, gebraten, gebacken, fermentiert? War das Material des Kochgeschirrs diffusionsoffen und feuerbeständig? Wurde in den Haushalten selbst gekocht oder gab es schon „Take-away“-Essen? Was zeigt der Vergleich mit der vorindustriellen Haushaltspraxis in der Steiermark – führen ähnliche naturräumliche Gegebenheiten zu ähnlichen Lösungen?

In die Präsentation fließen Resultate zweier Projekte der Abteilung Archäologie & Münzkabinett ein, nämlich des bereits abgeschlossenen Projektes „PalaeoDiversiStyria“, das im Rahmen des Kooperationsprogramms „INTERREG V A Slowenien–Österreich 2014–2020“ aus den Mitteln des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) finanziert wurde, und des noch bis 2025 laufenden Projektes „Fundbearbeitung Flavia Solva“, das aus Mitteln des Landes Steiermark und des Bundesdenkmalamtes gefördert wird.

Die archäologische Peepshow

Schaufenster in die Römerzeit 2022

Während in Peepshows nackte oder wenig bekleidete Personen zur sexuellen Stimulation gegen Geldeinwurf beobachtet werden können, zeigen wir Ihnen hier archäologische Objekte.

Als Automat für sexuelle Stimulation, an dem Männer des Mittelstandes heimlich die Ware Frau kaufen können, war das Phänomen Peepshow bald nach der Eröffnung des ersten Betriebes in München 1976 Gegenstand von Debatten. Dass Frauen oder Pärchen sich zur Schau stellten, während die Kunden unsichtbar blieben, wurde zumindest ambivalent aufgenommen und führte schon 1982 in Deutschland zur Rechtsmeinung, dass Peepshows nicht mehr genehmigt werden könnten.

Heute dürften Peepshows in Deutschland aufgrund der Gesetzgebung als ausgestorben gelten und auch in Österreich ist das Internet eine Konkurrenz, gegen die nur schwer bestanden werden kann.

In der archäologischen Peepshow sind relativ wenige nackte Körper(teile) zu sehen, die Besucher*innen sind sichtbar, der Einwurf von Münzen obsolet. Das Zur-Schau-Stellen hinter einem Guckloch gibt uns aber die Möglichkeit, kleine Objekte in den Fokus zu rücken.

Liebes Tagebuch Expand Box

Schaufenster in die Römerzeit 2021

Grabungstagebücher enthalten Bemerkungen zum Wetter, Listen von Mitarbeiter*innen und deren Bezahlung, Notizen zum Arbeitsfortschritt und Überlegungen zu eigenen Beobachtungen während der Grabung. Fotografien und Pläne wurden vor 100 Jahren nur sehr selten angefertigt, oft hielten die Ausgräber*innen einfache Skizzen in den Tagebüchern für ausreichend. Gemeint waren diese Aufzeichnungen nur als Gedächtnisstütze für die alsbald geplante Publikation in Form von wissenschaftlichen Aufsätzen oder Büchern.

Wenn das nicht gelang, sind später alte Grabungstagebücher für die Auswertung der Funde unverzichtbar.

Am 1. Februar 2021 startete am Universalmuseum Joanneum das Projekt „Fundbearbeitung Flavia Solva“. Bis 2025 werden von insgesamt 6 Mitarbeiter*innen Tausende Kisten Fundmaterial gesichtet. Ohne die historische Grabungsdokumentation bliebe das Material oft unverständlich.

Römisches Glas Expand Box

Schaufenster in die Römerzeit 2019 

Der Werkstoff Glas ist seit mehr als 3.500 Jahren bekannt. Es wurde im Nahen Osten oder in Ägypten erfunden und war zunächst bunt und undurchsichtig. Auch die ersten Funde aus der Steiermark, die aus der Hallstattzeit stammen und etwa 2.500 Jahre alt sind, sind kleine Schmuckgegenstände aus buntem Glas. 

Im Römischen Reich wurde Rohglas in großen Öfen in Ägypten und an der Küste von Syrien bzw. dem Libanon hergestellt. Mit Schiffen, die mehrere Tonnen dieses Materials fassten, transportierte man es über das Mittelmeer. In Sekundärwerkstätten wurde es dann zu Alltagsgegenständen wie Gefäßen oder Fensterglas weiterverarbeitet. 

Etwa zu jener Zeit, als Flavia Solva zur Stadt wurde, schrieb der römische Autor Gaius Plinius Secundus: „Das größte Ansehen jedoch genießt das weiße, durchscheinende (Glas), weil es die größte Ähnlichkeit mit Bergkristall hat. Im Gebrauch für Trinkgefäße hat es Gold und Silber schon verdrängt.“ Nur 100 Jahre nach Plinius wurde in Flavia Solva auch in die bescheidensten Gräber Glas mitgegeben – ein Phänomen, das anschaulich dokumentiert, wie innerhalb weniger Generationen der Luxusartikel Glas zur Massenware wurde. 

In der Präsentation „Römisches Glas“ im neuen Schaufenster in die Römerzeit werden ausgewählte Exemplare verschiedener Typen von Glasgefäßen (Krüge, Becher, Fläschchen, Teller, Schalen, Urnen und Saugfläschchen) aus der Provinzialrömischen Sammlung des Universalmuseums Joanneum gezeigt.

Eduard Staudinger. Das archäologische Gewissen von Flavia Solva Expand Box

Schaufenster in die Römerzeit 2018

Eduard Staudinger (1910–2001) war Hauptschuldirektor und Gemeinderat in Leibnitz. Ab 1959 war er Archivpfleger des Steiermärkischen Landesarchivs für den Bezirk Leibnitz, ab 1966 korrespondierendes Mitglied der Historischen Landeskommission für Steiermark und Träger des Goldenen Ehrenzeichens des Landes Steiermark. Von 1949 bis 1989 hielt er in Hunderten Protokollen, Skizzen und Bildern fest, was er selbst in Wagna beobachtete und was ihm die Bevölkerung und vor allem Schüler/innen berichteten. Diese Protokolle haben sich im Universalmuseum Joanneum, im Bundesdenkmalamt und in privaten Archiven erhalten.

Durch den wirtschaftlichen Boom der Nachkriegszeit konnten sich viele Menschen den Traum vom Eigenheim erfüllen und auch in Wagna wurden viele Einfamilienhäuser errichtet. Wurde Eduard Staudinger von einem Bauvorhaben berichtet, befragte er Schüler/innen und besuchte die Bauherren. Ab 1949 dokumentierte er seine Beobachtungen, bestimmte auf Anfrage Münzen, sammelte archäologische Fundstücke und leitete kleinere Ausgrabungen. Dabei stand er in engem Kontakt zu den jeweiligen Landesarchäologen.

Seine Funde aus Flavia Solva übergab er ab 1985 dem Universalmuseum Joanneum. 

Lager Wagna 1914–1963 Flavia Solva und Wagna. Zwei besondere Orte Expand Box

Schaufenster in die Römerzeit 2016

15.05.2014-31.05.2016
Kuratiert von: Barbara Porod, Heimo Halbrainer

Das Lager Wagna ist auch aus archäologischer Perspektive in mehrerer Hinsicht interessant: Zum einen wurden bei der Anlage des Lagers zahlreiche archäologische Funde und Befunde entdeckt – das Lager liegt teilweise im römischen Gräberfeld –, zum anderen könnten Beobachtungen zur Integration der Lagerbewohner/innen in die Gemeinde Wagna neue Perspektiven zur Akkulturation von römischer und autochthoner Bevölkerung bei der Gründung der Stadt Flavia Solva eröffnen.

Die Schau beleuchtet das Lager Wagna aus archäologischer, urbanistischer und soziologischer Perspektive. 

„An derselben Stelle, wo sich einst die alte Römerstadt Flavia Solva erhob, die von den freiheitsdurstigen Germanen die römische Knechtschaft abschüttelnd, in Trümmer geschlagen worden war, wurde von den Romanen, die vor ihren eigenen Volksgenossen fliehen mussten, auf deutschem Boden ein schützendes Heim errichtet. Hatte es auch anfangs provisorischen Charakter, in mehr als zwei Jahren wurde es vervollkommnet, ausgestattet und dermaßen vergrößert, dass es heute nicht mehr den Namen Lager verdient, da es zur drittgrößten Stadt in Steiermark herangewachsen ist.“ 
Peter Rosegger, 1917 

Bereits wenige Monate nach Ausbruch des Ersten Weltkrieges, im Herbst 1914, waren in Österreich-Ungarn fast eine halbe Million Menschen auf der Flucht. Tausende von ihnen wurden in einer neu errichteten Barackensiedlung auf dem Gemeindegebiet von Wagna untergebracht. Damit wurde Wagna zum zweiten Mal in seiner Geschichte – das erste Mal war dies in römischer Zeit unter Kaiser Vespasian der Fall – innerhalb kürzester Zeit zu einer Stadt. 

20 Jahre, nachdem viele Menschen in Wagna ein neues Zuhause gefunden hatten, musste 1940 erneut auf dem ehemaligen Gelände der Barackenstadt ein Lager aufgebaut werden, wo zunächst Umsiedler aus der Südbukowina eine vorübergehende Bleibe fanden, dann eine Lehrerbildungsanstalt eingerichtet wurde und später Kriegsgefangene inhaftiert waren.

Nach dem Krieg wurden sogenannte „Displaced Persons“ – in erster Linie Volksdeutsche und andere Vertriebene – im Lager angesiedelt. 1963 endete nach fast 50 Jahren, nachdem in Wagna erstmals Baracken für Flüchtlinge aufgestellt worden waren, die Geschichte der Lagerstadt Wagna, die mit dem Abbruch der letzten Reste des einst größten Lagers der Steiermark „aus der Erinnerung“ gelöscht werden sollte.

In die Ausstellung „Lager Wagna 1914–1963“ flossen wissenschaftliche Recherchen des Historikers Heimo Halbrainer ein, die im Rahmen des Projekts „Flavia Solva Neu“ für die Dauerausstellung der neu konzipierten Ausgrabungsstätte Flavia Solva durchgeführt worden waren.

> Publikation

6.000 Jahre steirische Keramik Expand Box

Schaufenster in die Römerzeit 2013

28.07.2012-03.02.2013

Die Sonderausstellung 6.000 Jahre steirische Keramik, mit der Flavia Solva wiedereröffnet wird, zeigt die Entwicklung der steirischen Keramik von der Steinzeit bis in die Gegenwart im Überblick.

In der Steiermark gibt es zahlreiche Lagerstätten von Tonen unterschiedlicher Beschaffenheit. Über Jahrtausende wurden daraus Hafnerwaren hergestellt, die in Haushalten aller Gesellschaftsschichten verwendet wurden. Viele archäologische Kulturen sind nach ihren Keramiken benannt, etwa die Trichterbecher-Kultur oder die Linearband-Keramik-Kultur.

Anders als organische Substanzen wie Holz, Horn oder Stroh verrottet Keramik nicht und ist daher sehr lange haltbar. Die Verwendung bestimmter Gefäße ist ein wichtiger Datierungshinweis für alle nicht-schriftlichen Kulturen.

Vier Sammlungen des Universalmuseums Joanneum – Archäologie & Münzkabinett, Volkskunde, Kulturhistorische Sammlung und Schloss Trautenfels – haben mit Unterstützung der Gemeinde Salla und privaten Leihgeberinnen und Leihgebern einen anschaulichen Bogen über die Jahrtausende gespannt.

Neufunde aus dem Gräberfeld Marburger Straße,
Dauerausstellung

Den Römern auf der Spur

Dauerausstellung

Flavia Solva

Exponate aus über 100 Jahren archäologischer Forschung vermitteln antikes Lebensgefühl am neu gestalteten Originalschauplatz! mehr...

Flavia Solva

Marburgerstraße 111
8435 Wagna, Österreich
T +43-316/8017-9560
archaeologie@museum-joanneum.at

 

Öffnungszeiten


Hier können Sie kostenlos, rund um die Uhr, 365 Tage im Jahr Interessantes über die älteste Stadt der Steiermark erfahren. Umrunden Sie den Pavillon - ein Schaufenster in die Römerzeit - oder spazieren Sie über die archäologische Stätte! Wissenswertes ist an mehreren Punkten abrufbar.