Lager Wagna 1914-1963

Flavia Solva und Wagna. Zwei besondere Orte

15.05.2014-31.05.2016


Kuratiert von: Barbara Porod, Heimo Halbrainer
Kosten: Eintritt frei!

Das Lager Wagna ist auch aus archäologischer Perspektive in mehrerer Hinsicht interessant: Zum einen wurden bei der Anlage des Lagers zahlreiche archäologische Funde und Befunde entdeckt – das Lager liegt teilweise im römischen Gräberfeld –, zum anderen könnten Beobachtungen zur Integration der Lagerbewohner/innen in die Gemeinde Wagna neue Perspektiven zur Akkulturation von römischer und autochthoner Bevölkerung bei der Gründung der Stadt Flavia Solva eröffnen.

 

Die Schau beleuchtet das Lager Wagna aus archäologischer, urbanistischer und soziologischer Perspektive.

 

„An derselben Stelle, wo sich einst die alte Römerstadt Flavia Solva erhob, die von den freiheitsdurstigen Germanen die römische Knechtschaft abschüttelnd, in Trümmer geschlagen worden war, wurde von den Romanen, die vor ihren eigenen Volksgenossen fliehen mussten, auf deutschem Boden ein schützendes Heim errichtet. Hatte es auch anfangs provisorischen Charakter, in mehr als zwei Jahren wurde es vervollkommnet, ausgestattet und dermaßen vergrößert, dass es heute nicht mehr den Namen Lager verdient, da es zur drittgrößten Stadt in Steiermark herangewachsen ist.“ 
Peter Rosegger, 1917

 

Bereits wenige Monate nach Ausbruch des Ersten Weltkrieges, im Herbst 1914, waren in Österreich-Ungarn fast eine halbe Million Menschen auf der Flucht. Tausende von ihnen wurden in einer neu errichteten Barackensiedlung auf dem Gemeindegebiet von Wagna untergebracht. Damit wurde Wagna zum zweiten Mal in seiner Geschichte – das erste Mal war dies in römischer Zeit unter Kaiser Vespasian der Fall – innerhalb kürzester Zeit zu einer Stadt. 

20 Jahre, nachdem viele Menschen in Wagna ein neues Zuhause gefunden hatten, musste 1940 erneut auf dem ehemaligen Gelände der Barackenstadt ein Lager aufgebaut werden, wo zunächst Umsiedler aus der Südbukowina eine vorübergehende Bleibe fanden, dann eine Lehrerbildungsanstalt eingerichtet wurde und später Kriegsgefangene inhaftiert waren.

 

Nach dem Krieg wurden sogenannte „Displaced Persons“ – in erster Linie Volksdeutsche und andere Vertriebene – im Lager angesiedelt. 1963 endete, fast 50 Jahre nachdem in Wagna erstmals Baracken für Flüchtlinge aufgestellt worden waren, die Geschichte der Lagerstadt Wagna, die mit dem Abbruch der letzten Reste des einst größten Lagers der Steiermark „aus der Erinnerung“ gelöscht werden sollte.

 

In die Ausstellung Lager Wagna 1914-1963 flossen wissenschaftliche Recherchen des Historikers Heimo Halbrainer ein, die im Rahmen des Projekts „Flavia Solva Neu“ für die Dauerausstellung der neu konzipierten Ausgrabungsstätte Flavia Solva durchgeführt worden waren.

 

Flavia Solva

Marburgerstraße 111
8435 Wagna, Österreich
T +43-316/8017-9560
archaeologie@museum-joanneum.at

 

Öffnungszeiten


Hier können Sie kostenlos, rund um die Uhr, 365 Tage im Jahr Interessantes über die älteste Stadt der Steiermark erfahren. Umrunden Sie den Pavillon - ein Schaufenster in die Römerzeit - oder spazieren Sie über die archäologische Stätte! Wissenswertes ist an mehreren Punkten abrufbar. 

 

Programm und weiterführende Materialien

Katalog
Ergänzend zur Ausstellung ist die von Heimo Halbrainer erstellte Studie als Publikation erschienen, die vom Universalmuseum Joanneum gemeinsam mit der Marktgemeinde Wagna im Rahmen der Reihe „Schild von Steier“ herausgebracht worden ist. Das Buch ist in den Shops des Universalmuseums Joanneum, über den Phoibos-Verlag und im Marktgemeindeamt Wagna zum Preis von € 9,90 erhältlich.