Den Römern auf der Spur

Dauerausstellung



Das neue Museumskonzept ermöglicht seit 2012 den ganzjährigen Besuch der Dauerausstellung bei freiem Eintritt rund um die Uhr.

Flavia Solva zählte zu den kultiviertesten Städten der römischen Provinz Noricum und ist der bedeutendste römerzeitliche Fundplatz des Landes. Exponate aus über 100 Jahren archäologischer Forschung vermitteln antikes Lebensgefühl am Originalschauplatz!

Gemeinsam mit seinem räumlichen Umfeld wurde Flavia Solva neu gestaltet. Die neue Ausstellung zeigt die wichtigsten Objekte der mehr als 130-jährigen Forschungsgeschichte Flavia Solvas in einem völlig neuen Konzept. Der Museumspavillon präsentiert sich jetzt als eine von außen umgehbare Schauvitrine. Bestimmendes Element der Präsentation ist die Geschichte von Flavia Solva aus dem Blickwinkel der Stadtforschung. Auch die Konservierung der römerzeitlichen Ruinen und die Gestaltung des 20.000 m2 umfassenden Freigeländes ist ein wichtiger Aspekt des neuen Konzepts.

Neue Präsentation im „Schaufenster in die Römerzeit“

Der Werkstoff Glas ist seit mehr als 3.500 Jahren bekannt. Es wurde im Nahen Osten oder in Ägypten erfunden und war zunächst bunt und undurchsichtig. Auch die ersten Funde aus der Steiermark, die aus der Hallstattzeit stammen und etwa 2.500 Jahre alt sind, sind kleine Schmuckgegenstände aus buntem Glas.

 

Im Römischen Reich wurde Rohglas in großen Öfen in Ägypten und an der Küste von Syrien bzw. dem Libanon hergestellt. Mit Schiffen, die mehrere Tonnen dieses Materials fassten, transportierte man es über das Mittelmeer. In Sekundärwerkstätten wurde es dann zu Alltagsgegenständen wie Gefäßen oder Fensterglas weiterverarbeitet.

 

Etwa zu jener Zeit, als Flavia Solva zur Stadt wurde, schrieb der römische Autor Gaius Plinius Secundus: „Das größte Ansehen jedoch genießt das weiße, durchscheinende (Glas), weil es die größte Ähnlichkeit mit Bergkristall hat. Im Gebrauch für Trinkgefäße hat es Gold und Silber schon verdrängt.“ Nur 100 Jahre nach Plinius wurde in Flavia Solva auch in die bescheidensten Gräber Glas mitgegeben – ein Phänomen, das anschaulich dokumentiert, wie innerhalb weniger Generationen der Luxusartikel Glas zur Massenware wurde.

 

In der Präsentation „Römisches Glas“ im neuen Schaufenster in die Römerzeit werden ausgewählte Exemplare verschiedener Typen von Glasgefäßen (Krüge, Becher, Fläschchen, Teller, Schalen, Urnen und Saugfläschchen) aus der Provinzialrömischen Sammlung des Universalmuseums Joanneum gezeigt.

Bildergalerie: Schaufenster in die Römerzeit

Relaunch und Neueröffnung im Mai 2017

Im Mai 2017 hat Flavia Solva einen Relaunch erfahren, mit dem der Name des Standortes, die Qualität des Besuchserlebnisses sowie die Bewerbung vor Ort neu definiert sind.

 

Ziele des Projekts waren die Neubenennung des Standortes, die bessere Visualisierung der einstigen Ausdehnung der antiken Stadt Flavia Solva und die Ausstattung des Freigeländes mit zusätzlichen Informationstafeln.

Über Flavia Solva

In Flavia Solva liegt die Römerzeit nur wenige Zentimeter unter der Oberfläche. Nachdem die Stadt verlassen worden war, wurden Wände und Dächer der Häuser wiederverwendet. Daher finden wir bei Ausgrabungen meist nur noch Grundmauern. Um diese Mauern vor der Witterung zu schützen, wurde das Gelände verfüllt. Die Lage der Mauern ist noch immer sichtbar, sie sind durch Metallprofile an der Oberfläche markiert.

Über die Nutzung der Räume wissen wir nur wenig, die Fußbodenheizung gehört aber sicher zu einem Wohnraum.

Im 1. Jahrhundert n. Chr., also vor etwa 2.000 Jahren, legten italienische Händler über einer bestehenden kleinen Siedlung ein regelmäßiges Raster von 20 Metern breiten Straßen an. Die freien Flächen zwischen diesen Straßen, sogenannte insulae, waren schon nach wenigen Jahrzehnten dicht bebaut. Fast 10.000 Menschen lebten und arbeiteten hier.

 

Die Stadt Flavia Solva erstreckte sich einst über 40 Hektar, die archäologische Schutzzone entspricht rund 5 % dieser Fläche. Nachdem Flavia Solva verlassen worden war, dauerte es mehr als 1.000 Jahre, bis wieder eine Stadt dieser Größe in der Steiermark entstehen konnte: Im 17. Jahrhundert war Graz etwa so groß wie Flavia Solva.

An vielen Plätzen in Flavia Solva hatte man freien Blick nach Westen, auf die Heiligtümer auf dem Frauenberg. Zumindest den großen Tempel auf dem Hügelplateau konnte man leicht mit freiem Auge erkennen.


Spuren von Tempeln oder öffentlichen Gebäuden sind in Flavia Solva noch nicht gefunden worden – mit einer Ausnahme: Die Lage des Amphitheaters ist bekannt.

Flavia Solva lag an einer Straße, die von der Drau nach Norden zur Mur und flussaufwärts bis ins Mürztal führte. Diesen Straßenverlauf belegen zwei Meilensteine, die am Fuße des Kugelsteins bei Deutschfeistritz gefunden wurden. Kleinere Straßen führten von Flavia Solva ins Laßnitztal, in den Sausal und nach Osten ins Raabtal. Sie dienten wohl vor allem zur Versorgung von Flavia Solva mit Alltagsgütern.


In den römischen Listen der Straßenstationen fehlen all diese Verkehrsverbindungen. Auf dem Gebiet der Steiermark ist nur die sogenannte „Norische Hauptstraße“ belegt, die Virunum in Kärnten mit Ovilava in Oberösterreich verband und quer durch die Obersteiermark verlief.

Flavia Solva war die einzige römische Stadt mit einem Hügelgräberfeld. Trotz seiner großen Ausdehnung ist das Gräberfeld relativ geschlossen und dicht belegt.

Eine Hügelgräbergruppe aus drei Hügeln und Flachgräbern befand sich an einer nach Süden führenden Straße. Nach dem Besitzer Krobath wurden diese Hügelgräber „Kraberkögel“ genannt. Nur einer der drei Hügel konnte archäologisch untersucht werden.

1916 grub der damalige Landesarchäologe Walter Schmid den Hügel mit drei Bestattungen und mehr als 40 Fundstücken aus der Zeit um 100 n. Chr. aus. Der gemauerte bienenkorbförmige Einbau des Grabhügels wurde bereits 1917 im Garten des Joanneums in Graz ausgestellt, er kehrte erst 2004 nach Wagna zurück.

Antefix

Stirnziegel, ins. XXII, 4. Jh. n. Chr.


Das Antefix, ein Stirnziegel in Form einer Theatermaske, ist das prominenteste Fundobjekt aus den Ausgrabungen des Universalmuseums Joanneum in Flavia Solva, dem heutigen Wagna bei Leibnitz.  mehr...

Grabporträtnische

ca. 300 nach Christus


Auf seinem Grabstein aus Marmor ließ sich der junge Mann aus Flavia Solva mit tunica und sagum darstellen.  mehr...

Bildergalerie

Das könnte Sie auch interessieren

Maske aus dem Kröllkogel bei Kleinklein. Foto: UMJ
Dauerausstellung

Archäologiemuseum

Daueraustellung

01.01.2014-31.12.2020 > Archäologiemuseum, Schloss Eggenberg

Das Archäologiemuseum zeigt mehr als 1.200 Objekte – diese „Lebensspuren“ bilden Ausgangspunkte für Fragen, die die Menschen seit Jahrtausenden bewegen. mehr...

Münzkabinett, Dauerausstellung, Foto: UMJ / N. Lackner
Dauerausstellung

Münzkabinett

Dauerausstellung

01.01.2014-31.12.2020 > Münzkabinett, Schloss Eggenberg

Das Münzkabinett in Schloss Eggenberg erzählt einprägsame Münzgeschichten aus der Steiermark. mehr...

Flavia Solva

Marburgerstraße 111
8435 Wagna, Österreich
T +43-316/8017-9560
archaeologie@museum-joanneum.at

 

Öffnungszeiten


Hier können Sie kostenlos, rund um die Uhr, 365 Tage im Jahr Interessantes über die älteste Stadt der Steiermark erfahren. Umrunden Sie den Pavillon - ein Schaufenster in die Römerzeit - oder spazieren Sie über die archäologische Stätte! Wissenswertes ist an mehreren Punkten abrufbar.