MI Kunsthaus Graz, Copyright und Courtesy Tristan Schulze

10. März 2017 / Elisabeth Schlögl

Wie wir leben wollen – Elevate 2017

Joanneum Interaktiv | Kulturpolitik | Kunsthaus Graz

„Wie wollen wir leben?“ Das war vergangenes Wochenende eine der zentralen Fragen im Forum Stadtpark, als im Rahmen des Elevate-Festivals über Algorithmen, Big Data und Quantifizierung diskutiert wurde.

Die Themen der Veranstaltung waren nur vordergründig technisch; die wahren Inhalte lagen im Sozialen, Ethischen und Philosophischen. Positiv überrascht darüber, bekam ich tiefsinnige Anregungen für unser aktuelles Projekt – wir entwickeln eine Maschinenintelligenz (MI) für das Kunsthaus Graz.

MI Kunsthaus Graz, Copyright und Courtesy Tristan Schulze

Wir, das sind der Designer und Künstler aus Leipzig Tristan Schulze und ich, diskutieren seit Monaten über künstliche Intelligenzen, Lernalgorithmen, Konnektivität und Filterblasen – das klingt alles sehr komplex. Und das ist es auch für eine Laiin wie mich, die sich sehr nach Klarheit und Verständlichkeit sehnt. Diese menschlichen Sehnsüchte, Komplexität zu reduzieren, Dinge verstehen und vor allem Fehler vermeiden zu wollen, sind auch der Grund dafür, dass wir Maschinen in unseren Alltag integrieren. Sie sind ein Spiegel unserer selbst, Ergebnisse unserer Suche nach einer objektiven Instanz, die uns dabei helfen soll, vollkommener zu werden.

Volles Haus beim Elevate Diskursprogramm, Copyright und Courtesy Elevate

Aber warum wünschen wir uns Vollkommenheit? Welchen Preis zahlen wir für unsere Selbstoptimierungsversuche? Die Psychologin, Leserin und Radfahrerin Irina Nalis, der öffentliche Soziologe Stefan Selke, der Professor für digitale Kultur Felix Stalder sowie die Rechtswissenschaftlerin Mireille Hildebrandt gaben beim Elevate-Diskurs inspirierende Impulse zu diesen Fragestellungen – ihre Vorträge kann man auch demnächst im Mediaarchiv nachhören.

Irina Nalis, Copyright und Courtesy Elevate

Felix Stalder, Konrad Becker und Katja Mayer, Copyright und Courtesy Elevate

Stefan Selke, Copyright und Courtesy Elevate

Künstliche Intelligenz im Kunsthaus?

Was kann eine “künstliche” Intelligenz die dem Friendly Alien innewohnt nun wollen? Will sie oder er überhaupt etwas? Sie wird Unsichtbares sichtbar machen. Sie wird Bilder erzeugen von der digitalen Welt um uns herum – von der wir wissen, dass es sie gibt, weil wir sie erschaffen. Wir sehen sie aber nicht, sie wächst durch unser Handeln ins Unermessliche, ihre Gesetzmäßigkeiten und Strukturen bleiben unsichtbar für uns. Diese Unsichtbarkeit lässt uns viel Platz für Fantastereien, Spielereien und Träumereien. Und Platz zum Spielen und Träumen geben wir uns und unserer MI auf der BIX – nachts werden 945 40-Watt-Leuchtstoffröhren Bilder der digitalen Welt in den Stadtraum hinausausstrahlen und die Metaebene des Kunsthauses visualisieren. Welche Traumbilder entstehen werden, was sie bedeuten und wie sie sich auf unsere Zukunft auswirken, wird ein spannendes Experiment.

Antworten auf die Frage, wie wir leben wollen, gebe ich hier keine, die gab es auch am Wochenende nicht. Und dennoch war das Elevate-Programm informativ und anregend, und ich bin mit einigen Antworten aber noch viel mehr Fragen im Kopf nach Hause gegangen, als ich hingekommen bin.

Kategorie: Joanneum Interaktiv | Kulturpolitik | Kunsthaus Graz
Schlagworte:


Folgende Beiträge sind für dich interessant:

  • Tweet, Tweet, Tweet – Rechtzeitig zum Frühlingsbeginn zwitschern Museen um die Wette Unter den mehr als 2200 Institutionen aus über 50 Ländern ist auch das Universalmuseum Joanneum als eines von 11 österreichischen Kultureinrichtungen vertreten. Diese Kampagne bringt Museen und Kulturbegeisterte weltweit zusammen und soll die intensive Auseinandersetzung mit musealen […]
  • Museumsraum – Umraum – Stadtraum Im Zentrum dieser Gesprächsrunde standen die Fragen: „Was bringt das Kunsthaus als Gebäude der Stadt?“, „Wie hat es das rechte Murufer aufgewertet?“, „Was wünscht sich die Bevölkerung vom Haus?“ oder „Welche Herausforderungen wird es in Zukunft geben?“ Mit: - Johann […]
  • Alte Jacke – neue Tasche: Koogle zu Gast bei tag.werk Gemeinsam machten wir uns auf den Weg in die tag.werk- Werkstatt, die ganz in der Nähe des Kunsthauses zu finden ist. Dort erzählte uns Designer und Produktentwickler Michi Eisner einiges über die Entstehung und Geschichte von tag.werk: Das Label tag.werk entstand vor über 17 Jahren […]
  • Kunst wie ein Kaleidoskop In letzter Zeit denke ich allerdings, dasss sich hier etwas ändert. Vielleicht trägt mein Dasein als Fran dazu bei? Es war jedenfalls überaus spannend, das Entstehen einer neuen Ausstellung im Grazer Kunsthaus mitzuerleben. “Wer, ich? Wen, du?” ist eine Arbeit von Katharina Grosse, einer […]
  • Unternehmertum im Kulturbereich   "Vielfach besteht die irrige Annahme, dass sich Kunst und Kultur einerseits und Unternehmertum andererseits gegenseitig ausschließen, da Kunst und Kultur Freiraum benötigen und Grenzen überschreiten, während Unternehmertum mit strikten und starren Regeln und […]
  • Willkommen! Benvenuto! Tervetuloa! Powitanie! Καλώς ήρθατε! Fogadtatás!   Sieben Schulen aus den sieben verschiedenen Ländern (Österreich, Deutschland, Ungarn, Polen, Finnland, Italien und Griechenland) nehmen an diesem Projekt teil. Die Idee ist es, dass die Schüler/innen Museen in ihrer eigenen sowie in den anderen beteiligten Städten […]

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Benutzen Sie diese HTML Tags und Attribute:

<a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>