Universalmuseum Joanneum/N.Lackner

Universalmuseum Joanneum/N.Lackner

15. März 2016 / Marion Kirbis

Wie viel Wirtschaft braucht die Kunst?

Kulturpolitik

Wirtschaft und Kunst – das ist eine Kombination, an der sich viele Geister scheiden. Im Joanneumsviertel ging man bei einer Podiumsdiskussion der Frage nach, wie viel ökonomisches Denken der Kunst gut tut und ob sie sich davon distanzieren sollte.

Der Präsident der GKP und ehemalige Kulturreferent der Steiermärkischen Landesregierung Kurt Flecker stellte dazu eine prägnante Frage in den Raum: Brauchen Kunst und Kultur die Methoden der Wirtschaft? Begleitet vom Diskussionsleiter Frido Hütter, der als Chef der Kultur- und Medienredaktion der Kleinen Zeitung tätig ist, diskutierten drei Insider/innen mit Flecker. Dabei vertraten sie durchaus unterschiedliche Meinungen.

Geprägte Freiheit oder Armut

Kammerschauspielerin Erika Pluhar meinte etwa, dass Kunst und Vermarktung für sie nicht zusammenpassen würden und ihr Geld nicht wichtig sei. Es gäbe unter den Künstlerinnen und Künstlern allerdings gute Geschäftsleute und Promoter/innen. Autor Wolfgang Pollanz machte auf die Wichtigkeit von Subventionen aufmerksam: „Geld ist einfach notwendig, um Kultur zu machen.“ Es brauche marktwirtschaftliche Methoden, laut ihm aber weniger in der Produktion als in der Vermittlung von Kunst. Eine „Open Culture“ hält er für nicht finanzierbar und vergleicht die Situation des Kunstmarktes mit der von illegalen Downloads beeinflussten Musikindustrie.

 

Ohne Unterstützung wäre auch die Ausstellung "Malerei im Wandel. Die Sammlung Ploner" in der Neuen Galerie Graz nicht zustande gekommen. Foto: Universalmuseum Joanneum/N. Lackner

Ohne Unterstützung wäre auch die Ausstellung “Malerei im Wandel. Die Sammlung Ploner” in der Neuen Galerie Graz nicht zustande gekommen. Foto: Universalmuseum Joanneum/N. Lackner

Andrea Schurian, die Kulturchefin des Standard, hat einen pragmatischen Ansatz und zitiert Fjodor Dostojewski, der schon im 19. Jahrhundert schrieb: „Geld ist geprägte Freiheit.“ Wer Geld habe, könne ein freies, selbstbestimmtes Leben führen, und zu sagen, Geld würde nichts zählen, wäre schlichtweg falsch. „Lyriker verdienen nur rund 7000 Euro im Jahr; bildende Künstler 12000 Euro. Damit lebt ein Großteil von ihnen unter der Armutsgrenze. Das Kulturbudget in Österreich macht nur ein Prozent aus!“ Gerade an diesem Prozent solle man nicht mehr herumkürzen, findet Schurian, die auch als Autorin tätig ist. Das Klischee des verarmten brotlosen Künstlers liegt also näher an der Realität, als viele vermuten.

Ein unverzichtbares Gut

Pollanz kennt die Situation der österreichischen Künstler/innen aus eigener Erfahrung. Auch er musste lange zwei Berufe ausüben. Da er vom Schreiben nicht leben konnte, arbeitete er in Vollzeit als Lehrer. Er hält die Zusammenarbeit mit der Wirtschaft in Form von Sponsoring durchaus für etwas Gutes. Schurian gibt ihm Recht, solange sich der Staat nicht auf die privatwirtschaftliche Finanzierung herausredet. Auch Flecker hegt in diesem Zusammenhang großen Unmut für die Abhängigkeit der Kunst von der Privatwirtschaft und sieht es als Aufgabe der Gesellschaft, Künstler/innen zu fördern.

Trotz gemeinsamem Konsens unter den Diskutierenden gab es keine klare Antwort auf die Frage, wie viel Wirtschaft die Kunst nun wirklich braucht. Als das Publikum nach der Debatte in die Diskussion mit einstieg, meldete sich gegen Ende der Veranstaltung noch eine Frau zu Wort und erntete für ihre Ansichten Applaus: „Kunst ist der einzige Bereich frei von Absicht, Ideologie und wirtschaftlichem Wert. In einer Demokratie ist das ein unverzichtbares Gut.“

Kategorie: Kulturpolitik
Schlagworte: Steirische Gesellschaft für Kulturpolitik


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