Auch der barocke Dachboden des Naturkundemuseums ist ein Geheimtipp. Foto: Elisabeth Eder / UMJ

5. August 2019 / Elisabeth Eder

Versteckte Orte im Universalmuseum Joanneum – Mit Bernd Moser unterwegs im „Alten Joanneum“

Museumseinblicke | Naturkundemuseum

In unserer neuen Serie „Versteckte Orte im Universalmuseum Joanneum" machen wir gemeinsam mit Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern Orte ausfindig, die sonst nur schwer zugänglich sind oder leicht übersehen werden. Den Anfang macht Bernd Moser, Chefkurator der Sammlung Mineralogie, der vor allem das Museumsgebäude Raubergasse – das Stammhaus des Joanneums – wie seine Westentasche kennt.

Der erste Weg auf unserer Suche nach versteckten oder ungewöhnlichen Orten führt uns direkt in den Innenhof des Naturkundemuseums. Wohl die wenigsten Besucher/innen, die diesen Platz überqueren, kennen die Bedeutung dieses Ortes für unser Museum: „Hier begann alles. Erzherzog Johann hat hier 1811 das Joanneum mit dem Auftrag gestiftet, Zeugnisse der Natur, Kunst und Kultur des Landes zu sammeln und zu erforschen, um damit die geistige und technologische Entwicklung der Steiermark aktiv zu fördern“, erzählt Bernd Moser.

Eine Büste des berühmten Mineralogen Friederich Mohs erinnert an die frühen wissenschaftlichen Leistungen unserer Institution. „In seiner Zeit als Professor am Joanneum entwickelte Mohs etwa die nach ihm benannte Mohs’sche Härteskala“, erklärt er weiter und schreitet hinaus zur Raubergasse, um die Fassade des 1670 bis 1674 erbauten Lesliehofs genauer zu betrachten.

Hier findet sich das erste versteckte Detail, das wahrscheinlich nur eingeweihte Besucher/innen und Mitarbeiter/innen auf Anhieb bemerken: „Man kann hier genau den um 1825 realisierten Zubau erkennen“, schildert er. „Er wurde im Stil des Originals ausgeführt, wenn man aber genau hinschaut, erkennt man, dass viele aufwendige Details vereinfacht und manche Verzierungen weggelassen wurden“, so Moser, der uns nun zwar nicht zu einem versteckten Ort, dafür aber zu seinem Lieblingsplatz im ganzen Joanneum führt – und zwar in die historische Mineraliensammlung im zweiten Stock des Naturkundemuseums.

Eine Statue Friederich Mohs’ erinnert an die frühen wissenschaftlichen Errungenschaften des Joanneums.

Hier hat 1811 alles begonnen.

Nächster Halt: die Schatzkammer der Naturkunde

„Was viele nicht wissen: Es gibt nur sehr wenige Plätze auf der Welt, an denen wie hier eine Originalsammlung auch noch am Originalort steht“, verrät der Grazer begeistert, während sein Blick über die Kostbarkeiten der Sammlung schweift. Und nicht nur die Sammlung selbst, die in 36 Vitrinen mehr als 700 Mineralarten mit mehr als 3500 Objekten aus der ganzen Welt beherbergt, sondern auch der Typus der Aufstellung ist eine Rarität: „Wir haben hier noch eine Systematik nach Tschermak, die auf das späte 19. Jahrhundert zurückgeht“, schildert Moser, der im Universalmuseum Joanneum selbst zu den Urgesteinen zählt, immerhin ist er hier schon seit 1985 im Dienst.

Was viele nicht wissen: Der Typus der systematischen Aufstellung der Mineraliensammlung im UMJ ist eine Rarität.

Urgesteine: Bernd Moser ist schon seit 1985 im UMJ im Dienst.


Schillerndes Ambiente

Eine Seltenheit ist auch das vornehme Ambiente, das die Sammlung hier umgibt. Denn sowohl im Stucksaal, der im 18. Jahrhundert als Musiksaal genutzt wurde, als auch im angrenzenden Raum, der vermutlich einst als Billardsaal diente, befindet sich bis heute das Originalmobiliar Erzherzog Johanns, das er aus Schönbrunn mitgebracht hatte. Ein weiteres Highlight sind die kunstvoll verzierten Kachelöfen, die in beiden Räumen in den Ecken thronen: „Um Schmutz zu vermeiden, wurden diese von hinten beheizt“, verrät Moser und führt uns über einen kleinen angebauten Balkon zu einem gut versteckten Ort im Naturkundemuseum, zum ehemaligen „Heizkämmerchen“.

Gut versteckt: der Zugang zum Heizraum

Über den Balkon geht’s ins ehemalige Heizkämmerchen.

Barocker Dachboden

Am steilen Weg nach oben zum nächsten versteckten Ort, dem Dachboden, erzählt Bernd Moser, woher sein Interesse und die Begeisterung für Mineralogie stammen: „Schon als Kind habe ich es geliebt, die Natur zu erkunden. Ich kannte jeden Steig, jeden Weg und jeden Fleck am Grazer Schlossberg“, schwelgt Moser in Erinnerungen. „Außerdem hat die einzige Volksschulfreundin meiner Großmutter für einen Mineralogieprofessor gearbeitet, der hat mein Interesse daran wohl entfacht – und auch die vielen Besuche des Basaltsteinbruchs bei Klöch in der Südoststeiermark, während die Verwandtschaft Kaffee und Kuchen genoss.“

Hoch oben im barocken Dachstuhl angekommen, erzählt er von einer alten Seilzugvorrichtung, die genutzt wurde, um schwere Gegenstände nach oben zu transportieren, und noch heute erhalten ist. Ebenfalls zu sehen: der 17 m lange Holztram, der das massive Deckenkunstwerk mit musizierenden Putten im zweiten Stock trägt. „Ich glaube, das ist auch eine Seltenheit, ein echter barocker Dachboden“, freut er sich, während er vorsichtig über die Holzbretter schreitet. Und wo, außer an diesen besonderen Orten, ist Moser sonst noch zu finden? „In der Ortweinschule, dort unterrichte ich Edelsteinkunde für Schmuck- und Metallgestalter, aber die meiste Zeit findet man mich im Studienzentrum Naturkunde in Andritz und privat, wenn es die Zeit zulässt, immer wieder rund um den Gardasee.“

Auch der barocke Dachboden des Naturkundemuseums ist ein Geheimtipp. Zwischen den alten Holzbalken findet sich auch ein Holztram, der das Deckenkunstwerk im zweiten Stock trägt.

Kategorie: Museumseinblicke | Naturkundemuseum
Schlagworte: Arbeiten im Museum | Museumswissen | Versteckte Orte


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