Ankunft in Helsinki, Foto: Barbara Steiner

24. November 2017 / Barbara Steiner

Unterrichten in Helsinki

Kunsthaus Graz

Auf Einladung des Masterstudiengangs „Curating, Managing and Mediating Art (CuMMA)“ war ich Mitte November an der Schule für Kunst, Design und Architektur der Alvar-Aalto-Universität in Helsinki zu Gast. Das Master-Programm ähnelt demjenigen an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig, das ich dort zwei Jahre lang leitete.

Verhindern große Strukturen innovative institutionelle Praktiken?

Im Rahmen des eintägigen Seminars setzte ich den folgenden Schwerpunkt:

„Do big structures hinder innovative institutional practices?“ (Verhindern große Strukturen innovative institutionelle Praktiken?), den es zusammen mit den Studierenden zu erörtern galt.

Die Teilnehmenden mussten jeweils eine Institution ihrer Wahl vorstellen, und zwar entlang der folgenden Kriterien: Wo befindet sich die Institution (in einer Groß-, Kleinstadt, auf dem Land), um welchen Institutionstypus handelt es sich (Museum, Kunstverein, Künstler/innen-Vereinigung …), wie sieht die Organisationsstruktur aus, wie viele Festangestellte gibt es, wenn keine, wer trägt die Institution, wer fördert, welcher Art ist das Gebäude (neu gebaut, umgebaut …), wie sieht das Programm aus, welche inhaltlichen, disziplinären Schwerpunkte werden gesetzt, welche Formen der Präsentation finden sich, wie ist die Reichweite der Institution, welche Gruppen werden angesprochen?

Die Beispiele

Die Beispiele sollten weit auseinander liegen, und tatsächlich war das Spektrum breit gefächert: Von der kleinen Galeria Dama Aflita in Porta, die sich ganz der Illustration verschrieben hat, über die Nationalgalerie in Sarajewo, ein Museum, für das es gegenwärtig keine richtige politische Zuständigkeit gibt, zur perfekten Ausstellungsmaschine der Schirn Kunsthalle in Frankfurt; von der 35m2-Galerie in Prag, einem von Künstlerinnen und Künstlern initiierten Raum mit familiären Netzwerken, über das bei der lokalen Bevölkerung wie bei Gästen gleichermaßen beliebte Contemporary Art Center in Vilnius bis hin zum Helsinki Art Museum (HAM) mit 250.000 Besucherinnen und Besuchern jährlich; von der im totalitären Belarus unauffällig geführten, für die Szene höchst wichtigen Galerie Ў in Minsk bis zu den „nationalen Salons“ in Bogotá und der höchst prekären künstlerischen und kuratorischen Szene in Kolumbien; vom riesengroßen „Burning Men Festival“ in der Wüste Nevadas bis hin zum Fotopub-Festival in Novo Mesto in Slowenien. Diese Bandbreite eröffnete anregende Diskussionen über Institutionstypen, ihre spezifischen Möglichkeiten, aber auch Grenzen. Im Anschluss an die Präsentation der Studierenden stelle ich meine Arbeit für das Kunsthaus Graz vor.

Verhindern also große Institutionen Veränderungen und Erneuerung? Ja und nein. Arbeitsteilung und Hierarchien erschweren Veränderungen, doch birgt die Reichweite der großen Institutionen auch Chancen, mit unterschiedlichen gesellschaftlichen Gruppen in Dialog zu kommen.

Der Abendvortrag

Als Titel für meinen Abendvortrag wählte ich: „On structures, frames and conditions in the field of the curatorial and the institutional“ (Über Strukturen, Rahmen und Bedingungen im kuratorischen und institutionellen Feld). Dabei ging es darum, wie man von kuratorischer Seite über Rahmenbedingungen, Abhängigkeiten, Zwänge und verschiedene Interessensphären sprechen und dies auch in den Ausstellungen selbst darstellen kann.

In diesem Zusammenhang stellte ich drei meiner Projekte vor: „Carte Blanche. Privates Engagement in der Kunst“/Galerie für Zeitgenössische Kunst Leipzig, 2008/09; Europe (to the power of) n, ein transnationales Projekt in 11 verschiedenen Institutionen und Städten in und außerhalb der EU, 2011–2013; und Collection Reversed, Koroška galerija, Slowenien, 2015/2016.

Helsinki

Es war mein zweiter Besuch in der finnischen Hauptstadt, die wesentlich in und durch die Moderne geprägt ist. Einer der berühmtesten Architekten ist Alvar Aalto. So ist die Universität, bei der ich zu Gast war, nicht nur nach Alvar Aalto benannt, der Universitätscampus mit seinen Gebäuden wurde von ihm errichtet. Untergebracht wurde ich im zur Universität gehörenden Töölö-Turm – beim Blick aus dem Fenster kamen mir unweigerlich die Filme von Aki Kaurismäki in den Sinn.

Kategorie: Kunsthaus Graz
Schlagworte: Logbuch Barbara Steiner


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