Foto der Vorderseite einer Infokarte zum neuen Mediaguide mit einer Abbildung des Joanneumsviertels von oben

Es gibt etwas Neues: das Joanneumsviertel kann man anhand verschiedener Mediaguides in Einfacher Sprache und Österreichischer Gebärdensprache entdecken, Foto: UMJ/Kunst- und Kulturvermittlung

14. Juli 2022 / Jasmin Edegger

Ein neuer Mediaguide für das Joanneumsviertel

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Wohin führen die eigenartigen Glastrichter im Joanneumsviertel? Was hat es mit dem kleinen Dschungel auf sich? Welches Kunstwerk muss man anrufen, damit man es sieht? Wo versteckt sich hier eine Kapelle? Und was sind das eigentlich für seltsame Steine? All das und vieles mehr verrät der neue Joanneumsviertel-Mediaguide! Diesen gibt es nicht nur in Einfacher Sprache auf Deutsch sowie in englischer Sprache, sondern auch in Österreichischer Gebärdensprache.

Am 1. Jänner 2006 trat das Bundes-Behinderten-Gleichstellungsgesetz in Kraft, das die gleichberechtigte Teilhabe von Menschen mit Behinderungen in der Gesellschaft regelt, um Diskriminierung zu verhindern.[1] 2009 folgte die UN-Behindertenrechtskonvention – das Übereinkommen über die Rechte von Menschen mit Behinderungen seitens der Vereinten Nationen.[2] Barrierefreiheit betrifft dabei jedoch keinesfalls nur Menschen mit Behinderungen, sondern jede*r kann davon profitieren, ganz gleich, ob es der leichter verständliche Text in größerer Schrift, die zusätzliche Sitzmöglichkeit oder die sich automatisch öffnende Tür ist.

Gerade der Einsatz Einfacher oder Leichter Sprache erleichtert verschiedensten Menschen, die Probleme mit dem Verständnis herkömmlicher schriftlicher wie verbaler Mitteilungen haben, den Besuch eines Museums und den Zugang zu dessen Inhalten. Profitieren können beispielsweise Menschen mit intellektuellen Behinderungen, ältere Personen, Kinder oder Menschen, die nicht gut Deutsch sprechen.

Die Lebenshilfe Österreich definiert Inklusion als das gleichberechtigte Nebeneinanderleben aller Menschen in einer Gesellschaft. Inklusion ist ein Menschenrecht, das auch für Menschen mit Behinderungen Zugehörigkeit, Teilhabe und Selbstbestimmung in allen Lebensbereichen sicherstellen soll.[3] Dazu gehören auch Freizeit- sowie Bildungseinrichtungen und damit explizit Museen. Dennoch hört Inklusion häufig bei der physischen Barrierefreiheit auf oder wird lediglich auf Anfrage angeboten. Echte Barrierefreiheit bezieht sich jedoch nicht nur auf bauliche Rahmenbedingungen, sondern umfasst auch den geistigen oder intellektuellen Zugang zu Inhalten und existiert – in einer idealen Welt – immer und überall.

Der Weg zu einer möglichst allumfassenden, tatsächlichen und auf Augenhöhe stattfindenden Inklusion aller, die weder lediglich ein Politikum noch ein „PR-Stunt“ ist oder von oben herab geschieht, ist in vielen Bereichen noch ein weiter. Ziel sollte eine tiefgreifende Veränderung sämtlicher Strukturen sein, die es ermöglicht, inklusive Angebote verschiedenster Art automatisch neben den regulären von Anfang an mitzudenken. Oftmals steht die Angst vor Banalisierung oder Trivialisierung der Inhalte im Weg. Dabei darf jedoch nicht vergessen werden, dass es nicht um die Erschließung einer neuen Zielgruppe geht, sondern darum, gesetzliche und menschenrechtliche Anforderungen zu erfüllen.

Ein kleiner Schritt in die richtige Richtung

Mit dem Mediaguide in Einfacher Sprache und in Österreichischer Gebärdensprache ist ein weiterer kleiner Schritt getan, um diese tatsächliche Inklusion voranzutreiben. Die Verwendung Einfacher Sprache und die zusätzlichen Videos mit Gebärdensprache schließen zwar noch immer nicht alle Menschen mit ein, jedoch erreichen sie bereits eine viel größere Zielgruppe, als es ein regulärer Audioguide könnte.

Foto des Rückseite einer Infokarte zum Inhalt des Mediaguides

Von Kunstwerken über Architektur bis hin zu geschichtlichen Informationen; all das bieten die neuen Mediaguides, Foto: UMJ/Kunst- und Kulturvermittlung

Zur besseren Orientierung gibt es eine Karte im Postkartenformat, auf der sich die QR-Codes zu den einzelnen Guides (deutsche Einfache Sprache, englische Sprache, ÖGS) ebenso befinden wie ein nummerierter Plan aller Stationen. Diese liegt bei der Info/Kassa im Joanneumsviertel zur freien Entnahme auf! Außerdem lässt sich der Mediaguide auch ganz einfach online finden oder in der Museum Joanneum-App (erhältlich im Google Play Store und im App Store). Falls auch Sie nun Lust haben, dieses vielseitige Viertel, in dem die Geschichte des Joanneums begonnen hat, mit allen seinen sichtbaren wie versteckten Schätzen zu entdecken, dann schnappen Sie sich den neuen Joanneumsviertel-Mediaguide. Viel Vergnügen!

 

Produktion des Joanneumsviertel-Mediaguides:

Konzept und Text: Jasmin Edegger mit Unterstützung von Gabriele Gmeiner und Antonia Veitschegger
Lektorat: Jörg Eipper-Kaiser
Sprecherin (Deutsch): Katrin Ebner
Übersetzung und Sprecherin (Englisch): Kate Howlett-Jones
Tonaufnahme und Schnitt: Jasmin Edegger
Übersetzung (ÖGS) und Gebärden: Sarah Radojicic
Videoaufnahme und Schnitt: Jasmin Edegger

Fußnoten:
[1] https://www.wko.at/branchen/tourismus-freizeitwirtschaft/Bundes-Behindertengleichstellungs-Gesetz.html (23.6.2022, 10:20 Uhr).
[2]https://www.behindertenbeauftragte.de/SharedDocs/Publikationen/UN_Konvention_deutsch.pdf?__blob=publicationFile&v=2#:~:text=%E2%80%9C%20lautet%20der%20zentrale%20Grundsatz%20der,Konven%20tion%20einbezogen%20werden%20m%C3%BCssen.&text=Die%20Konvention%20ist%20am%2026,2009%20in%20Deutschland%20ratifiziert%20worden. (23.6.2022, 11:35 Uhr).
[3] https://lebenshilfe.at/inklusion/mehr-zu-inklusion/ (23.6.2022, 10:28 Uhr).

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