Blick in die Ausstellung mit Modellen von Bernhard Hafner, Foto: Barbara Steiner

27. Juni 2018 / Barbara Steiner

Kontaktzonen: Grazer und Zagreber Architektur

Kunsthaus Graz

Am 5.6. wurde Zones of Contact: Architecture of Graz and Zagreb im Muzej Suvremene Umjetnosti (MSU) in Zagreb eröffnet. Die gemeinsame Ausstellung des Kunsthauses Graz und MSU zeigt eine Auswahl von Exponaten, die im Herbst 2017 im Rahmen der Ausstellungen Auf ins Ungewisse und Graz Architektur im Kunsthaus zu sehen waren. Diese wurden nun um jugoslawische beziehungsweise kroatische Positionen ergänzt.

Mit dem MSU verbindet das Universalmuseum Joanneum insgesamt eine lange Partnerschaft. Zeitgleich zu Zones of Contact in Zagreb ist in der Neuen Galerie Graz noch bis 2.9. die Personale von Vjenceslav Richter zu sehen, einem visionären kroatischen Architekten, Stadtplaner, Designer und Künstler. In Zones of Contact werden seine Untersuchungen zum „Synthurbanismus“ ausführlich vorgestellt. Neben der Erforschung einer Synthese der plastischen Künste entwickelte Richter in den Jahren 1962 bis 1964 das Konzept einer idealen Stadt, das sich das Prinzip des Ziggurats (ursprünglich ein babylonischer Tempelturm) zunutze macht.

Wohnen, Arbeit und Freizeit wurden von ihm innerhalb einer pyramidalen Megastruktur zusammengedacht.

Bernhard Hafners theoretische Überlegungen zu raumorganisatorischen Prinzipien aus den frühen 1960er-Jahren (manifestiert in Modellen) in die Nähe von Richter zu rücken, ist schlüssig. Die beiden verbindet ein Nachdenken über Architektur und Stadt und ein Interesse an Megastrukturen.

3-D-Modelle, Videoinstallationen, Fotos und Architekturskizzen, Arbeiten von Architekten und zeitgenössischen Künstlerinnen und Künstlern laden dazu ein, sich aus verschiedenen Perspektiven mit veränderten Vorstellungen im Bereich von Architektur und Urbanismus auseinanderzusetzen.

Utopische Überlegungen klingen wie ein fernes Ideal als schwaches Echo im Heute nach. Einige gegenwärtig utopisch anmutende Überlegungen waren übrigens einst real, heute erscheinen damalige Realitäten wieder utopisch.

Einladungskarte Zones of Contact: Architecture of Graz and Zagreb

Skizzen von Sir Peter Cook, Colin Fournier und Niels Jonkhans, Foto: Barbara Steiner

Blick in die Ausstellung, im Vordergrund: Modell des Kunsthauses, im Hintergrund: Goran Trbuljak, Ausstellungsposter Andrija Mutnjaković, 1975; und Andrija Mutnjaković, Flower-House, 1990, Foto: Barbara Steiner

Im Vorfeld war ich neugierig, wie die Ausstellung in Zagreb präsentiert werden würde. Denn die Räume des Museums unterscheiden sich stark vom Kunsthaus. Von Zones of Contact, kuratiert von Leila Topić, war ich jedenfalls begeistert: Die aus unseren Ausstellungen ausgewählten Positionen kommunizierten überzeugend mit den neu hinzugekommenen. Ein besonderer Höhepunkt war für mich die persönliche Begegnung mit Andrija Mutnjaković, der inzwischen auf die 90 zugeht. Es gibt wohl nur wenige Architekten, die rationale und spielerische Ansätze so überzeugend verbinden wie er. Ein Folgebesuch in seinem Archiv ist für Herbst geplant.

Parallel zu Zones of Contact wurde CUT / REZ – Examples of collage in artistic practices in Central and Eastern Europe from the Avant-garde until today eröffnet, eine unglaublich reichhaltige Ausstellung, die Einblick in künstlerische Collagen seit dem frühen 20. Jahrhundert gibt. Beide Ausstellungen sind noch bis zum 14. August zu sehen und definitiv eine Reise wert.

 

Erfahren Sie mehr über:

Ein rebellischer Visionär. Retrospektive Vjenceslav Richter
Neue Galerie Graz, bis 02.09.2018

Graz Architektur. Rationalisten, Ästheten, Magengrubenarchitekten, Demokraten, Mediakraten
23.09.2017-28.01.2018

Auf ins Ungewisse. Peter Cook, Colin Fournier und das Kunsthaus
23.09.2017-25.03.2018

Kategorie: Kunsthaus Graz
Schlagworte: Logbuch Barbara Steiner


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