Katrin Bucher Trantow; Martin Grabner, UMJ/Kunsthaus

15. März 2022 / Katrin Bucher Trantow

Kann man Banksys Kunst eigentlich überhaupt ausstellen?

Kunsthaus Graz

Wunsch beiseite. Auf der Homepage von Banksys Agentur „Pest Control“ (Nomen est Omen!) steht zum Thema Banksy-Ausstellungen: „Banksy has NOTHING to do with any of the current or recent exhibitions and they are nothing like a genuine Banksy show.“ Trotzdem wird Banksy vom Shopping-Center bis zur Tabakfabrik in von Event Agenturen gestalteten Ausstellungen gezeigt.  

<em>Dieser Kommentar wurde am 14.3.2022 in der Kleinen Zeitung publiziert. 

Banksys Kunst ist die Kunst des öffentlichen Raumes. Seine Arbeit seit den 1990er-Jahren ist immer in subversiver Reaktion auf sein Umfeld gemacht: gratis und für alle Menschen, die aufmerksam durchs Leben gehen. So auch beim spektakulären Schreddern einer maximal auktionierten Zeichnung vor laufender Kamera – für uns alle und als ironische Geste gegen die Vermarktung von Kunst. Weltweit mit seinen meist signierten Schablonenzeichnungen bekannt geworden, macht er im Film „Exit through the gift shop“ (2010) deutlich, dass ihm zwei Dinge besonders wichtig sind: nicht kommerziell verwertet zu werden und möglichst frei seine Kommentare auf sein urbanes und institutionelles Umfeld zu setzen. Als Street Artist reagiert er auf Situationen. Dort arbeitet er unautorisiert. Dies wird ihm nun zynisch entgegengehalten, wenn man seine Arbeiten in unautorisierten Ausstellungen mit viel Merchandise verwertet und mit dem Stempel Unauthorised zu Banksys stilisiert.

Eine öffentliche Kunstinstitution hat aber die Aufgabe, für die Kunst zu agieren, Künstler*innen in ihrem Sinne zu vertreten und sie für ein Publikum möglichst werkgetreu zu zeigen. Eine Kunstinstitution, die im Sinne der Kunst agiert, kann also keine Banksy-Ausstellung machen, die seine Arbeiten nachproduziert, dem Umfeld entreißt oder nach Gutdünken interpretiert. Schon deswegen nicht, weil eine wichtige künstlerische Qualität der Arbeit in der unmittelbaren Reaktion auf eine bestimmte Situation besteht.

Wie wir von „Pest Control“ außerdem wissen, möchte Banksy keine Ausstellungen. Immer noch unerkannt, besteht er auf maximaler Autonomie und interessiert sich nicht für eine Sammlung seiner Werke außerhalb des Kontexts. Wenn er ins Kunstmuseum kommt, dann ohne Aufforderung. So wie mit plötzlich aufgetauchten Graffitis in der Tate oder dem MOMA geschehen.

Auf Ausstellungen in Supermärkten wird Banksy vielleicht irgendwann einmal adäquat reagieren. Warten wir´s ab.

Katrin Bucher Trantow, Interimistische Leitung Kunsthaus Graz

Kategorie: Kunsthaus Graz
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