2. Juli 2018 / Barbara Steiner

Die Kinderstadt, das Studio Andreas Goritschnig in Kooperation mit dem Team des OPEN.LAB Reininghaus

Kunsthaus Graz

Das Kunsthaus kooperiert – wie auch in den vergangenen Jahren – mit der „Kinderstadt“. Seit letztem Jahr findet Bibongo allerdings nicht mehr im Kunsthaus, sondern im GrazMuseum statt. Dort gibt es zum einen mehr Ausdehnungsmöglichkeiten ins Freie und zum anderen einen größeren Bezug zum Programm des Hauses (>Stadtmuseum). Dank des jahrelangen Engagements vor allem von Barbara Binder und Marija Redi beteiligen sich an der Konzeption der Kinderstadt immer mehr Partner.

Das Kunsthaus trägt im Rahmen der Reihe Lokal dazu bei und hat einen Beitrag des Studios Andreas Goritschnig vorgeschlagen. Des Weiteren ist das Kunsthaus vor Ort mit einer eigenen Station präsent, betreut von unseren Vermittlerinnen. Die Reihe Lokal nimmt ihren Ausgangspunkt bei Kooperationen mit lokalen Institutionen, Vereinen und Gemeinschaften und strebt eine Verbindung zwischen dem Programm des Kunsthauses und dem der anderen Einrichtungen in der Stadt an.

Bibongo

Das Studio Andreas Goritschnig setzt mit seinem OPEN.LAB Bibongo ein offenes Labor zum Experimentieren mitten in die Kinderstadt. Ein großer Materialfundus beim Eingang bildet den Ausgangspunkt für ein Gestalten und Umgestalten der Stadt. Goritschnig:

„Aufbauend auf dem reichen Angebot an Stationen entwirft sich die Kinderstadt in der Woche gemeinsam neu! Neben dem ‚Wachsen‘ als bauliche, aber auch gesellschaftliche Aufgabe ist auch das ‚Wachsen‘ in Form von urbanem Grün in der neuen Kinderstadt präsent und reichert die urbane Atmosphäre an.“

Das Studio Andreas Goritschnig kooperiert bei diesem Projekt mit dem Team des OPEN.LAB Reininghaus.

OPEN.LAB Reininghaus

Vor ein paar Wochen besuchte ich das OPEN.LAB Reininghaus. Andreas Goritschnig arbeitet seit Herbst 2015 mit Andy Flach und seit Kurzem auch mit Tobias Kestel im Stadtentwicklungsgebiet Graz-Reininghaus, in dem in den kommenden Jahren ein Stadtteil für Zigtausende Menschen entstehen wird. Grundidee ist, den Rahmen für ein gemeinschaftliches und innovatives Klima zu schaffen, das es Menschen vor Ort erlaubt, aktiv am Prozess der Stadtwerdung mitzuwirken.

Besonders beeindruckt war ich von der kreativen Nutzung der Abbruchmaterialien, dem kleinen Café als Treffpunkt für Interessierte, dem Pavillon und Gemüsegarten.

Der Fundus vor Ort  – ein riesiges Möbel- und Materiallager –, aber auch die leerstehenden Gebäude erlauben immer weitere An- und Umbauten und stimulieren verschiedene Nutzungsmöglichkeiten. Das haben auch andere erkannt: Inzwischen finden viele Veranstaltungen vor Ort statt. Als ich dort war, wurde gerade eine Aufführung des Schauspielhauses vorbereitet.

Das Gelände wird sich bald noch stärker verändern, was man an den Rändern schon jetzt gut erkennen kann. Dort werden bereits große Wohnsiedlungen gebaut. Graz-Reininghaus ist mit 54 Hektar die größte unbebaute Fläche in zentrumsnaher Lage und hat eine wechselvolle Geschichte. 1855 wurde die Firma „Brüder Reininghaus“ gegründet, sie betrieb die erste mit Dampf betriebene Brauerei der Steiermark. Die Familie musste in der Zeit des Nationalsozialismus – weil „nicht vollarisch“ – emigrieren und die Brauerei wurde mit jener in Puntigam zwangsfusioniert. Nach dem Krieg verblieb die Bierproduktion in Puntigam.

Für das Reininghaus-Gelände wurden viele Nutzungen erprobt, aber letztendlich war keine wirklich erfolgreich.

Inzwischen stehen einige Gebäude unter Denkmalschutz: die Villa Keil, das Brunnenhaus, die Malztenne und der Silospeicher.

Nun soll ein Stadtteil mit gemischten Nutzungen entstehen, allerdings sehr dicht bebaut, wie ich auf den Plänen sehen konnte. Vieles wird abgerissen werden, u. a. auch eindrucksvolle Industriehallen. Ob und wo das Studio Goritschnig bleiben kann, ist noch nicht klar. Zu wünschen wäre es, denn aus dem Vorhandenen heraus zu denken und Neues entstehen zu lassen, ist ein Ansatz, der sehr gut in eine Zeit passt, in der das Bewusstsein für Ressourcen und Recycling – auch von Baumaterialien – wächst.

 

Kategorie: Kunsthaus Graz
Schlagworte: Logbuch Barbara Steiner


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