17. März 2020 / Barbara Steiner

Der Künstler, das Werk, die Ausstellung (Fortsetzung)

Kunsthaus Graz

Vor etwas mehr als einem Jahr zeigte das Kunsthaus Graz eine viel beachtete Ausstellung von Jun Yang mit dem provozierenden Untertitel: Der Künstler, das Werk, die Ausstellung. Sie stellte grundsätzliche Fragen zum Künstler/in-Sein, zur Autorenschaft und zum Werkbegriff und bearbeitete das Format der Einzelausstellung künstlerisch und kuratorisch. 

Jun Yang vor dem MOCA Taipei, Foto: Barbara Steiner

Kuandu Museum of Fine Arts, Tina Keng Gallery, MOCA (Museum of Contemporary Art) Taipei

Ende dieses Jahres 2020 bzw. Anfang 2021 wird die Grazer Ausstellung auf Taiwan in modifizierter Form an drei Orten präsentiert: Zeitgleich mit dem Kuandu Museum wird eine Präsentation in der Tina Keng Gallery (TKG+ projects) eröffnet und im Februar 2021 folgt dann das MOCA (Museum of Contemporary Art) Taipei. Dabei geraten die Ausstellungsorte selbst in den Blick: das Kuandu Museum auf dem Campus der Universität der Künste, in der Ausrichtung eng an die Lehre angebunden, die kommerzielle Galerie im schicken neuen Geschäftsviertel Neihu und das Kunstmuseum inmitten des alten Taipei. Die Ausstellung wird von mir und Jun Yang in Zusammenarbeit mit den jeweiligen Institutionen kuratiert.

Die vielen Garküchen, Foto: Barbara Steiner

Mein zweiter Besuch

Es war mein zweiter Besuch in Taipei. 2010 hielt ich einen Vortrag im damals neu gegründeten Taipei Contemporary Art Center (TCAC), das Jun Yang wesentlich mitinitiiert hat. Das Projekt TCAC begann mit Yangs Beitrag für die Taipei-Biennale 2008. Dieser übertraf die übliche Form der künstlerischen Beteiligung an internationalen Biennalen, denn er lud lokale Kulturschaffende, Studierende und Künstler/innen ein, sich an den Überlegungen zu einem potenziellen Zentrum für zeitgenössische Kunst zu beteiligen. Als Nachwirkung seines Biennale-Beitrags wurde dann 2009 das TCAC eröffnet. Seit 2008 lebt Yang nun hauptsächlich in Taipei und Yokohama. Doch immer wieder führen ihn seine Wege auch nach Wien.

Taipei ist sehr lebendig. Auffällig sind die vielen Motorroller. Taipei ist voll davon. Es gibt bedeutend mehr Parkplätze für Roller als für Autos und auch eigene Flächen vor den Ampeln.

Motorroller in Taipei, Foto: Barbara Steiner

MOCA (Museum of Contemporary Art) Taipei

Das Museum zeigt wechselnde nationale und internationale Ausstellungen zeitgenössischer Kunst, Malerei, Skulpturen und Medienkunst. Nach diversen Umbauten wurde es am 26. Mai 2001 eröffnet; verwaltet wird es von einer ebenfalls 2001 gegründeten Stiftung für zeitgenössische Kunst.

Eingang des MOCA, Foto: Barbara Steiner

Das Museum kann auf eine spannende Geschichte zurückblicken: Denn das zweistöckige, symmetrisch angeordnete Gebäude mit einem zentralen Glockenturm stammt aus der japanischen Kolonialzeit. Als Schule konzipiert, wurde es 1920 und 1946 auch als Schule und danach bis 1993 von der Stadtverwaltung Taipeis genutzt. Heute ist es in erster Linie als MOCA bekannt.

Kuandu Museum

Das Kuandu Museum of Fine Arts ist ein Kunstmuseum im Bezirk Beitou. Das Museum ist an die Taipei National University of the Arts (TNUA) angeschlossen. Es ist das erste an eine Universität angeschlossene Museum für bildende Kunst in Taiwan. Ein Residenzprogramm soll den Kultur- und Kunstaustausch zwischen Künstlerinnen/Künstlern und Kuratorinnen/Kuratoren erleichtern und eine Plattform zwischen dem TNUA und den internationalen Kunstgemeinschaften schaffen.

Kuandu Museum, Foto: Barbara Steiner

Das fünfstöckige, in einen Hang hineingebaute Museum bietet neun Ausstellungsgalerien mit insgesamt rund 2.400 m2. Mit dem Bau wurde 1993 begonnen. Architekt Lee Tsu-Yuan übernahm die Planung des gesamten Campus, der 1996 fertig gestellt war. Das Museum ist ein ungewöhnliches Bauwerk, das sich durch horizontale und vertikale Blickachsen auszeichnet.

Tina Keng Gallery

Die Tina Keng Gallery ist eine kommerzielle Galerie. Sie hat ihre Wurzeln in der Lin & Keng Gallery (1992–2009) mit Sitz in Taipei und Beijing. Lin & Keng widmete sich westlicher Malerei und chinesischer Kunstgeschichte gleichermaßen, mit einem Schwerpunkt auf „modernen Klassikern“. Die Tina Keng Gallery wurde 2009 eröffnet und setzt diese Tradition fort. Mit TKG+ als neuer Tochter und TKG+ project als Experimentierfeld setzt man heute auch verstärkt auf zeitgenössische Kunst.

Jun Yangs Ausstellung findet an diesen drei Orten statt – Kuandu Museum, TKG+projects und MOCA (Museum of Contemporary Art) Taipei. Vielleicht sollte man angesichts der aktuellen Situation auch sagen, dass sie Ausstellung vermutlich stattfindet. Momentan erarbeiten Jun Yang und ich für diese Orte spezifische Ausstellungskonzeptionen, die sich mit dem jeweiligen Auftrag der Institution, deren Ausrichtung und auch ihrer Geschichte befassen. In anderen Worten: Läuft alles gut bis Ende des Jahres , dann entfaltet und erweitert sich die Grazer Ausstellung an drei Orten und verschiebt den Fokus weg von den österreichisch-chinesischen hin zu innerasiatischen Beziehungen – zwischen der Republik China (Taiwan), der Volksrepublik China und Japan.

Corona-Virus

COVID-19 ist auch Thema auf Taiwan. Doch während in Festlandchina die Fallzahlen über die letzten Monate täglich anstiegen, und erst seit kurzem abfallen, bleibt die Zahl der Infektionen in Taiwan bis heute mit 42 Fällen auf niedrigem Niveau. Das Land hat frühzeitig Maßnahmen ergriffen, um die Ausbreitung zu verhindern. Fairerweise muss man sagen, dass es bei einer Insel einfacher ist entsprechend zu reagieren. Bei meiner Ankunft am Flughafen in Wien-Schwechat wurde jedoch kein Unterschied gemacht zwischen Menschen aus Festlandchina oder Taiwan. Jeder asiatisch aussehende Mensch wurde sofort misstrauisch und mit großem Abstand beäugt. Das hat sich geändert. Das Virus hat seine Reise um den Globus angetreten.

Kategorie: Kunsthaus Graz
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