Plamen Dejanoff, Bronze House, Alexander Battenberg Platz (bei Nacht), Foto: Barbara Steiner

20. Dezember 2018 / Barbara Steiner

Das Bronze House von Plamen Dejanoff in Sofia

Kunsthaus Graz

Am 14.12. fand in der Nationalgalerie in Sofia eine Podiumsdiskussion zu zeitgenössischer Kunst im öffentlichen Raum statt. Es diskutierten Vanessa Joan Müller, Dramaturgin an der Kunsthalle Wien, Luchezar Boyadjiew, bulgarischer Künstler, und ich. Anlass war die Aufstellung des Bronze House von Plamen Dejanoff auf dem Alexander-Battenberg-Platz.

An diesem Ort befand sich bis 1999 das Mausoleum des ersten kommunistischen Führers Bulgariens, Georgi Dimitrow. Nach dem Zerfall des sozialistischen Bulgariens wurde dieses gesprengt. Man kann durchaus sagen: es ist ein historisch belasteter Ort.

Plamen Dejanoff ist in Weliko Tarnowo geboren und studierte in Sofia und Wien Bildhauerei. Der Künstler beschäftigt sich seit langer Zeit, auch in anderen Werkserien, mit traditionellen Bauweisen und deren Einfluss auf die internationale Moderne. Damit verbindet Dejanoff zeitgenössische Kunst mit dem kulturellen Erbe eines Landes, das sich heute an der Peripherie der europäischen Union befindet.

In diesem Zusammenhang schienen die aufeinander folgenden EU-Präsidentschaften Bulgariens und Österreichs 2018 einen perfekten Ausgangspunkt für die Aufstellung des Bronze House zu bilden, eines grenzüberschreitenden europäischen Projekts.

Kontroversen

Das Kunstwerk hat eine Reihe von teilweise heftigen Kontroversen ausgelöst: Das zeitgenössische Werk an diesem historisch wichtigen Platz wurde von den einen als Zumutung begriffen, von anderen als willkommene und längst schon überfällige Setzung begrüßt, denn aktuelle Kunst im öffentlichen Raum gibt es in Sofia nicht. Das liegt nicht zuletzt an strukturellen Lücken: Es fehlt an rechtlichen Rahmenbedingungen, Ausschreibungen und Beteiligungsmöglichkeiten für Künstler/innen. Entsprechend wurde eine mehrmonatige Diskussionsreihe ins Leben gerufen, die sich Kunst im öffentlichen Raum und öffentlicher Kunst, Verschiebungen in den Auffassungen von Öffentlichkeit, Veränderungen in den Vorstellungen von Kunst widmete. So auch am 14.12.

Fakt ist, Kunst im öffentlichen Raum wird derzeit mit Erwartungen überfrachtet: Heute sollen künstlerische, soziokulturelle und politische Aspekte zusammengeführt, Öffentlichkeit erzeugt, Wertschöpfung betrieben und der Imagepolitik Rechnung getragen werden. In den Debatten um das Bronze House wurden die daraus resultierenden Risse sichtbar. Persönlich finde ich das Werk sehr gelungen: Material und Konstruktion strahlen Wertigkeit aus und schließen damit an klassische Denkmäler im öffentlichen Raum an. Doch ist es auch ein „performatives Objekt“, obwohl es sich physisch nicht verändert.

Entstehungsgeschichte

Im Rahmen verschiedener Ausstellungen von Plamen Dejanoff wurde immer wieder ein Element für das Bronzehaus gefertigt, wobei die entsprechenden Kunstinstitutionen und Kunstgalerien auch die Finanzierung übernahmen. Bis zur Realisierung in Sofia war das Bronze House eine fragmentierte internationale „Wanderskulptur“, die auf einen abwesenden, entfernten Ort verwies. In Sofia rücken mit Handwerkskunst und kulturellem Erbe Verbindungen zur Lokalität in den Vordergrund. Am Alexander-Battenberg-Platz aktiviert das Bronzehaus gleichermaßen Fragen nach der Geschichte, dem kulturellem Gedächtnis und der Zukunft von Kunst im öffentlichen Raum sowie nach dem gesellschaftlichen Stellenwert von Kunst und Öffentlichkeit.

Es geht weiter …

Die Veranstaltung in der Nationalgalerie habe ich als äußerst produktiv empfunden. Mir schien, als würden die Anfeindungen weniger und tragfähige künftige Perspektiven sichtbarer. Es ist geplant, dass am Alexander-Battenberg-Platz, an eben diesem historisch belasteten Ort, wechselnde Kunst-im-öffentlichen-Raum-Projekte stattfinden. Damit hat Dejanoffs Bronze House viel erreicht: Er hat über und mit dem Bronzehaus nicht nur Debatten mobilisiert, sondern damit auch Öffentlichkeit hergestellt. In einem zähen Ringen, an dem viele beteiligt waren und sind, wurden Voraussetzungen geschaffen, diesen Platz wieder in der Gegenwart und Zukunft der Stadt zu verankern.

Kategorie: Kunsthaus Graz
Schlagworte: Logbuch Barbara Steiner


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