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12. Juni 2017 / Barbara Steiner

800 Jahre Diözese Graz-Seckau im Kunsthaus Graz

Kunsthaus Graz

Im Oktober 2016 fand das erste Sondierungsgespräch statt: Als Sprecher der katholischen Kirche nahmen Hermann Glettler, damals Pfarrer von Graz-St. Andrä, heute Bischofsvikar, Johannes Rauchenberger, Leiter des Kulturzentrums bei den Minoriten, Alois Kölbl, Grazer Hochschulseelsorger, und der Zeithistoriker Florian Traussnig teil, das Kunsthaus war durch die Kuratorinnen Katrin Bucher Trantow, Katia Huemer, Elisabeth Schlögl und mich vertreten.

Vier Männer, vier Frauen

Die Ausgangssituation des Gesprächs war bereits etwas skurril: Vier Männer auf Kirchen- und vier Frauen auf Kunstseite. Anlass war das 800-Jahr-Jubiläum der Diözese Graz-Seckau. Die mit der Konzeption beauftragten Glettler, Rauchenberger, Kölbl, Traussnig sondierten die Möglichkeiten einer Ausstellung im Kunsthaus Graz. Strukturiert in acht Kapiteln, die Ausgangs- und Andockpunkte sein sollen für ein Nachdenken darüber, was Kirche heute ausmacht, soll sich das Jubiläumsjahr widerspiegeln:

„UMBRUCH geist & erneuerung“, „MACHT kirche politik“, „SCHÖNHEIT & anspruch“, „GRENZE öffnung & heimat“, „SCHICKSAL angst & wunder“, „CHANCEN arm & reich“, „KONFLIKT rechte religion“, „DENKEN wissen & glauben“.

Neben der Ausstellung im Grazer Kunsthaus wird es weitere Ausstellungsorte geben, die Schnittstellen zur kirchlichen Geschichte bilden: Die Abtei Seckau, das Schloss Seggau, die Grazer Stadtkrone und die Minoriten. Dazu wird es öffentliche „Bühnen“ an acht Orten der Steiermark geben, die zudem stellvertretend für die von Bischof Wilhelm Krautwaschl geschaffenen acht Regionen der Steiermark stehen: Graz, Weiz, Voitsberg, Feldbach, Leibnitz, Judenburg, Kapfenberg, Liezen. Weitere Programmpunkte werden die Pfarren, Bildungseinrichtungen und Institutionen der Diözese zu diesen acht Feldern organisieren.

 

Tabuthemen

Vonseiten des Kunsthauses war es zunächst wichtig zu klären, ob es Tabuthemen geben würde. Wir wollten bereits beim ersten Treffen herausfinden, ob Feminismus, Homosexualität oder andere Glaubensgemeinschaften einen Platz in einem solchen Jubiläum finden könnten. Die Aufgeschlossenheit unserer Gesprächspartner hat uns jedoch überzeugt, uns auf das Projekt einzulassen. Beim ersten Treffen wurde eine Regel beschlossen: wenn eine/r von uns mit einer Entscheidung nicht leben kann, dann wird diese zurückgenommen. Bis heute hat niemand davon Gebrauch gemacht. Die größte Kritik an diesem gemeinsamen Unternehmen kam im Übrigen aus dem Kunstbereich:

„Wie kann sich das Kunsthaus auf eine solche Kooperation einlassen?“, wurde ich immer wieder gefragt; die katholische Kirche sei doch reaktionär.

Ich teile diese Meinung nicht. Dass Friktionen zwischen konservativen und fortschrittlichen Kräften die katholische Kirche durchziehen, macht sie für zeitgenössische Künstler/innen und auch mich interessant.

Zukunft säen

Kontrovers diskutiert wurde der ursprüngliche Haupttitel: „Zukunft säen“. In den katholischen Gemeinden ist dessen Bedeutung klar, doch für Menschen, die der Kirche nicht nahestehen, wirkt er befremdlich. Letztendlich wurde ein Kompromiss gefunden: „Zukunft säen“ lautet der Titel nach innen, „Zukunft sehen“ wird hingegen nach außen kommuniziert.

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Kategorie: Kunsthaus Graz
Schlagworte: Logbuch Barbara Steiner


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