Holzbewohnende Pilze der Grazer Stadtbäume und deren Auswirkungen auf die Stand- und Bruchsicherheit.

Auszüge aus dem Referat von Robert Grill

Holzbewohnende Pilze verzaubern einerseits mit ihrer großen Formen- und Farbenvielfalt den Betrachter, können aber anderseits für ihren Wirt den Baum durch intensiven Abbau des Holzkörpers lebensbedrohend werden.

 

Damit überhaupt eine Besiedelung von Bäumen und Sträuchern mit Pilzen möglich ist, müssen verschiedene Voraussetzungen vorhanden sein.

 

1. Das richtige Substrat
Nicht jede Pilzart kann auch auf jedem Baum oder Strauch wachsen und fruktifizieren. Zum Beispiel der Birkenporling (Piptoporus betulinus) besiedelt ausschließlich die Birke und kommt auf keinem anderen Gehölz vor.

 

2. Die Feuchtigkeit
Der ideale Feuchtigkeitsgehalt für die Besiedelung eines Holzkörpers mit Pilzsporen liegt bei 60 %.

 

3. Die Temperatur
Die ideale Temperatur für das Wachstum bei Pilzen liegt im Durchschnitt zwischen 0 und 30 Grad Celsius. Aber auch hier gibt es Ausnahmen. Die Fruchtkörper des Samtfußrüblings (Flammulina velutipes) sind nur im Spätherbst bzw. Winter zu finden.

 

4. Verletzungsstellen
Die Rinde der Gehölze enthält normalerweise soviel Suberin (Korkstoff), dass eine Keimung der Pilzspore verhindert wird. Wird diese Rinde jedoch verletzt, können sich Pilzsporen ansiedeln und zur Keimung gelangen. Eine solche Verletzung kann mechanischer Natur (Schnitt, Unfallschaden usw.) oder natürlichen Ursprungs (Blitzschlag, Frostriss, usw.) sein.

 

Nach der erfolgten Besiedelung des Holzkörpers beginnen Pilze mit ihrem Wachstum. Es werden dabei hauptsächlich zwei Inhaltstoffe in der Zellwand als Nahrung verwendet – Zellulose und Lignin. Die Zellulose ist für die Zugfestigkeit verantwortlich das Lignin für die Druckfestigkeit in der Zellwand. Wenn beide Stoffe von einem Pilz abgebaut werden, wird dies Weißfäule genannt, wird nur die Zellulose abgebaut, sprechen wir von einer Braunfäule, da sich das verbleibende Lignin durch den einströmenden Sauerstoff braun verfärbt. Im überwiegenden Ausmaß sind unsere holzbewohnenden Pilze Weißfäule hervorrufende Arten. Nur ein kleiner Prozentsatz (ca. 10-15 %) erzeugt durch ihren Holzabbau Braunfäule.

 

Auch bei der Besiedelungsart und bei der Ausbreitung unterscheiden wir verschiedene Muster.

 

1. Wurzelbürtige Pilze
Eine Besiedelung des Gehölzes erfolgt über das Wurzelsystem, z.B. Hallimasch (Armillaria sp.).

 

2. Wundparasiten
Eine Besiedelung erfolgt über Wundflächen oder Verletzungsstellen z.B. Laubholzschwammporling (Spongipellis spumeus).

 

3. Kernfäule
Eine Ausbreitung der Fäule erfolgt vom Kernholz nach außen z.B. Zunderschwamm (Fomes fomentarius).

 

4. Splintholzfäule
Die Ausbreitung der Fäule erfolgt von außen nach innen
Als Ergänzung werden auch noch Gefäß- und Welkeerkrankungen und Blattpilze aufgezählt.

 

Um den Fortschritt von Fäulnisarten feststellen zu können, wurden verschiedene Methoden und Messgeräte entwickelt. In Graz wird ein sogenannter Resistograph (Bohrwiderstandsmessgerät) eingesetzt. Dieses Gerät treibt eine 3 mm starke Bohrnadel mit einer gleichbleibenden Geschwindigkeit in den Holzkörper. Der Widerstand auf den diese Bohrnadel trifft, wird aufgezeichnet und in einer Messkurve dargestellt. Somit kann eine genaue Aussage sowohl über die Fäulnisausbreitung aber auch über den Zersetzungsgrad des Holzes getroffen werden.

 

Typische Vertreter der Wurzelbürtigen Pilze sind die unterschiedlichen Arten des Hallimaschpilzes. In Graz wurden in den letzten Jahren immer wieder Fruchtkörper des Zwiebelfüßigen Hallimasches (Armillaria cepistipes) gefunden. Dieser unterscheidet sich vom Honigfarbenen Hallimasch (Armillaria mellea) vor allem durch seine zwiebelförmige Verdickung an der Stielbasis. Weiters weist er nur einen angedeuteten und nicht voll ausgebildeten Ring am Stiel auf. Der Hallimasch zählt neben dem Wurzelschwamm (Heterobasidion annosum) zu den gefürchtesten pilzlichen Schädlingen im Forst. Am Beispiel des Grazer Volksgartens wurde klargemacht, wie rasch dieser Pilz Bäume zum Absterben bringen kann. Innerhalb der letzten Jahre sind auf einer Fläche von ca. 500 x 500 m insgesamt 7 Bäume unterschiedlicher Art durch eine Hallimaschinfektion abgestorben. Der Pilz kann Jahre nach dem Absterben des Baumes im Wurzelstock weiter fruktifizieren. (Folie 1)

 

Die Fruchtkörper des Sparrigen Schüpplings (Pholiota squarrosa) erscheinen ebenfalls am Stammfuß unzähliger Laubbäume (seltener Nadelbäume). Mit Abstand die meisten Funde im Grazer Stadtgebiet wurden auf dem Japanischen Schnurbaum (Sophora japonica) gemacht. Seine Fruchtkörper sind einjährig und er zählt zu den weißfäuleerzeugenden Pilzarten. Die Fäule schreitet jedoch sehr langsam voran. Ein weiterer, jedoch nicht sehr häufiger Vertreter in Graz ist der Pappelschüppling (Pholiota populnea) - ein typischer Wundparasit an Pappeln.

 

Bei Baumkontrollen können die Fruchtkörper des Brandkrustenpilzes (Ustulina deusta), die sehr eng am Stammfuß anliegen, sehr leicht übersehen werden. Die Fruchtkörper weisen eine schwarze (ältere Teile) und eine grau-weiße Färbung (frisch zugewachsene Teile) auf. Er kann jedoch auf Grund seines sehr raschen Fortschreitens des Holzabbaues binnen kurzer Zeit eine Bruch- bzw. Sturzgefahr des Baumes herbeiführen. (Folie 2)

 

Die wohl am häufigstgen gefundenen holzbewohnenden Pilzarten an den Grazer Straßen- und Parkbäumen sind der Gattung der Lackporlinge (Ganoderma) zuzuordnen und sind als Weißfäuleerreger einzustufen. Sie können durch den Holzabbau sehr rasch zu einer Veränderung der Holzstruktur an Laub- und Nadelbäumen führen. Am Beispiel einer Rosskastanie in Eggenberg soll dies verdeutlich werden. Nach dem Auftreten der ersten Fruchtkörper im Jahre 2001 wurden laufend Bohrwiderstandsmessungen an dieser Rosskastanie durchgeführt. Dabei stellte sich heraus, dass bei einigen Messpunkten der Holzabbau innerhalb der vier Jahre massiv zugenommen hatte. (Folie 3) Im Jahr 2005 stürzte der Baum bei einem leichten Sturm (Windgeschwindigkeit 45 Stundenkilometer) um.

 

Der Glänzende Lackporling (Ganoderma lucidum) fällt vor allem durch seine intensive Färbung auf. Er besitzt immer einen seitlich angesetzten Stiel und ist nur an Laubbäumen zu finden. (Folie 4) An Nadelbäumen ist hingegen der ähnliche, jedoch nur braun gefärbte Dunkle oder Braunschwarze Lackproling (Ganoderma carnsoum) zu finden. Alle zwei Fruchtkörper sind im Gegensatz zum Wulstigen Lackporling (Ganoderma adspersum) und zum Flachen Lackporling (Ganoderma lipsiense) einjährig. Ein einziges Mal bisher wurde der Kupferrote Lackporling (Ganoderma pfeifferi) in Graz an einer Eiche gefunden.

 

Ein weiterer Großporling im unteren Stammbereich von Bäumen im Grazer Stadtgebiet ist der Eschenbaumschwamm (Perennioporia fraxinea). Er verursacht ebenfalls eine Weißfäule im Substrat. Im Stadtgebiet von Graz ist der Hauptwirt wie der Name vermuten lässt, nicht die Esche, sondern der Japanische Schnurbaum. So wurden in den letzten Jahren in Graz 17 Funde am Schnurbaum aufgenommen, jedoch nur 3 an Eschen.

 

Weit verbreitet und an unterschiedlichen Baumarten immer wieder vorkommend sind die mehrjährigen Fruchtkörper des Zunderschwammes (Fomes fomentarius). (Folie 5) Dieser Porling besiedelt seine Wirte als Wundparasit und verursacht durch den Abbau von Zellulose und Lignin (Weißfäule) zuerst eine intensive Kernfäule. Erst später breitet sich diese Fäule sternförmig nach außen aus. Wenn die äußeren Holzbereiche durch die Fäule erreicht werden, verursacht diese im Rindenbereich Rissbildungen. (Folie 6)

 

Die Gattung Schillerporling ist hauptsächlich mit zwei Arten in Graz stark vertreten, nämlich dem Tropfenden Schillerporling (Inonotus dryadeus) und dem Zottigen Schillerporling (Inonotus hispidus).

Die einjährigen Fruchtkörper des Tropfenden Schillerporlings sind vor allem an der Eiche zu finden. Am Beispiel einer Eiche im Grazer Stadtpark soll gezeigt werden, dass auch holzbewohnende Pilze über Jahrzehnte einen Baum besiedeln können, ohne größeren Schaden anzurichten. Bereits im Jahre 1980 wurde ein Tropfender Schillerporling an einer Eiche beschrieben.

 

Bohrwiderstandsmessungen in den letzten Jahren haben jedoch keine wesentliche Veränderung der Holzstruktur angezeigt. Der Name Tropfender Schillerporling leitet sich von den unzähligen Wassertropfen an der Fruchtkörperoberseite ab. Der Pilz scheidet durch Gutationskanäle überschüssiges Wasser an der Oberfläche aus. Der Hauptwirt des Zottigen Schillerporlings ist in Graz der Japanische Schnurbaum. Die Fruchtkörper sind einjährig und sind leicht durch die orange Färbung und den pelzigen Belag an der Oberseite zuzuordnen. Als Folge von unsachgemäßen Schnittmaßnahmen in den 60iger und 70iger Jahren (Kronenkappungen) an sehr vielen Schnurbaum-Alleen und -Reihen in Graz ist er ein typisch nachfolgender Wundparasit, welcher eine intensive Weißfäule unterhalb dieser Schnittflächen verursacht.(Folie 7) Aber auch andere Baumarten wie die Platane, die Esche und der Apfelbaum werden besiedelt.

 

Der Name des Schwefelporlings (Laetiporus sulphureus) leitet sich wohl von seiner intensiven, schwefelgelben Färbung ab. Die einjährigen Fruchtkörper erscheinen Anfang des Sommers im Stamm- und Kronenbereich der Bäume. In den Wintermonaten sind vielerorts noch die ausgebleichten hellen Fruchtkörper an den Bäumen zu erkennen. Er zählt auch zu den genießbaren, holzbewohnenden Arten. Die Fruchtkörper können im jungen Stadium wie ein Schnitzel herausgebacken werden. Der Schwefelporling ist eine der selteneren braunfäuleerzeugenden Pilzarten. Durch den sehr raschen Abbau der Zellulose im Gehölz führt dies sehr schnell zu einem plötzlich eintretenden Sprödbruch. Vor allem Weichholzarten wie die Weide, aber auch Harthölzer wie die Eiche können von diesem Porling besiedelt und zerstört werden. (Folie 8) Fruchtkörper können auch Jahre nach dem Absterben noch am Substrat erscheinen. Er gilt daher als sogenannter Saproparasit.

 

Ein weiterer Porling mit mehrjährigen Fruchtkörpern im Stamm- und Kronenbereich von Bäumen ist der Eichenfeuerschwamm (Phellinus robustus). Dieser Porling verursacht eine sehr langsam fortschreitende Weißfäule vorwiegend im Splintholzbereich. Ein weiterer Vertreter dieser Gattung ist der sogenannte Ribiselfeuerschwamm (Phellinus ribis), welcher auch in Obstgärten an Ribisel- und Stachelbeersträuchern und in Wäldern am Gemeinen Pfaffenhütchen zu finden ist. Der Pflaumenfeuerschwamm (Phellinus tuberculosus) kann ebenfalls sowohl in Gärten als auch in Parkanlagen aufgefunden werden. Er ist sehr wirtsspezifisch und besiedelt Vertreter der Gattung Pflaumen, Kirschen (Prunus).

 

Wie der Name Laubholzschwammporling (Spongipellis spumeus) bereits verrät, handelt es sich dabei um einen Porling, welcher im überwiegenden Ausmaß Laubhölzer besiedelt. Die einjährigen Fruchtkörper sind immer im Bereich von Verletzungsstellen anzutreffen. In Graz ist der Hauptwirt die Rosskastanie (41 Funde), er wurde aber auch an anderen Laubgehölzen wie z.B. Ahorn, Pappel oder Esche bereits gefunden. In der Literatur wird diese Pilzart als eher selten eingestuft. Die vermehrten Funde an Rosskastanie in Graz sind aber hauptsächlich im 1. Bezirk zu vermerken, in dem ein Großteil der 3.000 Rosskastanien in Graz gepflanzt wurde.

 

Schlussendlich wurden noch die drei häufigsten Vertreter der Gattung Tramete vorgestellt – die Schmetterlingstramete (Trametes versicolor), die Striegelige Tramete (Trametes hirsuta) und die Buckelige Tramete (Trametes gibbosa). Normalerweise sind Trameten eigentlich typische Saprophyten, also Totholzbewohner. In Wetzelsdorf wurde jedoch bei einem Bergahorn im Bereich einer alten Schnittstelle eine Anhäufung von Fruchtkörper der Striegeligen Tramete beobachtet.

 

Bei der anschließenden Bohrwiderstandsmessung wurde durch diese Besiedelung, ausgehend von der alten Verletzungsstelle eine weitreichende Weißfäule festgestellt. Auf Grund der Ausbreitung, ca. 80% des gesamten Stammdurchmessers in diesem Bereich, musste dieser Baum entfernt werden.

Weiters wurden Bilder und Fundangaben von folgenden Pilzarten vorgestellt:

 

Glimmertintling (Coprinus micaceus)
Leberreischling (Fistulina hepatica)
Wurzelschwamm (Heterobasidion annosum)
Kiefernbraunporling (Phaeolus schweinitziiP)

Spaltblättling (Schizophyllum commune)
Tamariskenschillerporling (Inonotus tamaricis)
Ulmenrasling (Lyophyllum ulmarium)
Wolliger Scheidling (Volvariella bombycina)
Rosafarbener Saftporling (Tyromyces placenta)

 

Zum Abschluss des Vortrages wurde nochmals darauf hingewiesen, dass durch die unterschiedlichen Arten des Holzabbaues und vor allem durch die unterschiedliche Intensität der Holzzersetzung zuerst eine genaue Bestimmung der Fruchtkörper und der Baumart durchgeführt werden muss. In weiterer Folge sollen eingehende Untersuchungen die Ausbreitung der Holzzersetzung ermitteln. Das Beispiel des Tropfenden Schillerporlings an einer Eiche im Stadtpark hat gezeigt, dass holzbewohnende Pilze jahrzehntelang einen Baum besiedeln können, ohne eine gravierende Veränderung der Holzstruktur zu verursachen. Im Gegensatz dazu wurde durch den Befall des Flachen Lackporlings an einer Rosskastanie in Graz Eggenberg verdeutlicht, dass der Holzabbau binnen weniger Jahre soweit fortschreiten kann, dass es zum Bruch des Baumes kommt.

 

Weitere Informationen über Herrn Robert Grill

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