Artist in Residence 2011

Unsterblich, Miha Cojhter, Studierender des Fachbereichs Interface Cultures, Kunstuniversität Linz, Klasse Christa Sommerer

Installation eines abgestorbenen Baumes mit Schatten aus neongrünem Plexiglas. Installation eines abgestorbenen Baumes mit Schatten aus neongrünem Plexiglas.

Bildinformationen

Ort

Österreichischer Skulpturenpark

Co-Kuratiert von

Elisabeth Fiedler

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Über das
Projekt

Bereits in der sumerischen Religion wächst am Anfang der Zeit auf der Erde ein Weltenbaum. Dessen Umpflanzung durch Inanna gilt als erster Akt kulturschaffender Ordnung.

 

Im Christentum symbolisiert der Baum das verlorene Paradies, es gibt ihn hier im Gegensatz zur babylonischen Urform des einen Lebensbaumes in zweifacher Ausführung als Baum des Lebens und als Baum der Erkenntnis. Hier steht der Genuss der Früchte vom falschen Baum für den „Verzicht auf Unsterblichkeit, aber auch den Ursprung aller Verwandtschaftssysteme. Damit ist der Baum der Erkenntnis gleichsam der erste Stammbaum, nicht, weil die Stammeltern von ihm gegessen, sondern weil sie in seinem Schatten das Projekt der menschlichen Vermehrung begonnen haben. Dem Kapitel vom Sündenfall folgt im Buch Genesis nicht umsonst die Geschichte von den beiden Söhnen und ihrem mörderischen Konflikt … Seither ist der Baum des Wissens – nämlich der genealogische Baum – der einzige Baum des Lebens, die einzige Hoffnung auf Unsterblichkeit, die wir uns leisten können." (Thomas Macho, "Stammbäume, Freiheitsbäume und Geniereligion, Anmerkungen zur Geschichte genealogischer Systeme", in: Sigrid Weigel (Hg.), Genealogie und Genetik: Schnittstellen zwischen Biologie und Kulturgeschichte, Berlin 2002, S. 19)

 

In der Zeit religiöser und intellektueller Toleranz im Spanien des 12.–14. Jahrhunderts reformieren sich im Zusammenspiel von christlicher, jüdischer und islamischer Mystik die traditionellen Abstammungsbäume, im Zuge der amerikanischen und französischen Revolution werden sie zu Freiheitsbäumen. Über die zentrale Bedeutung des Baumes und des Waldes für das deutsche Nationalbewusstsein schreibt Elias Canetti.

 

Parallel dazu verläuft die lange Tradition des Baumes innerhalb der Kunstgeschichte. Generell steht der Baum unter anderem für Geschichte, Verwurzelung, Wachstum, Heimat, Geborgenheit und Verbindung zwischen unerreichbaren Höhen und unterirdischer Verwurzelung.

 

Miha Cojhters Installation im Park besteht aus einem abgestorbenen Baum, der in die Höhe ragt, und aus dem fluoreszierend hell leuchtenden Schatten aus Plexiglas, der die Spiegelung von Wachstum und Baumkrone in lineare Zerstückelung transformiert und vorgibt.

Zusatzinformationen

Der Österreichische Skulpturenpark lädt nationale und internationale Künstler*innen sowie Kunstklassen zur Auseinandersetzung mit dem Park und Entwicklung eigener temporärer Werke für den Skulpturenpark ein.