Kampf und Leidenschaft

Japanische Farbholzschnitte

07.04.-20.08.2017


Eröffnung: 06.04.2017, 19 Uhr
Kuratiert von: Peter Peer

Kampf und Leidenschaft. Japanische Farbholzschnitte
Kurator Peter Peer spricht über die Ausstellung

Über die Ausstellung

Bis heute hat der traditionelle japanische Farbholzschnitt nichts von seiner Faszination eingebüßt. Das betrifft sowohl seine spezifische Ästhetik, die in vielem die visuelle Kultur der Populärliteratur und des Bildes in den Massenmedien des 20. Jahrhunderts bis zur Gegenwart antizipiert, als auch den Reiz einer vergangenen, für Bewohner/innen der westlichen Hemisphäre exotischen und rätselhaften, vor allem aber höchst interessant wirkenden Lebenswelt vermittelt.

 

Die Neue Galerie Graz besitzt ca. 280 Farbholzschnitte von japanischen Künstlern aus der Zeit vom Ende des 18. sowie des 19. Jahrhunderts. Die Themenvielfalt des japanischen Holzschnittes, in dem sich die Geschichte des Landes sowie seine Geschichtsbilder ausdrücken, die aber auch den Alltag dieses Zeitraumes facettenreich widerspiegelt, lässt sich auch in der Sammlung der Neuen Galerie Graz nachvollziehen.

 

So begegnet man Darstellungen von historischen und mythischen Schlachten, legendären Helden im Kampf mit unbezwingbar scheinenden Gegnern und Szenen des aus dem Kabuki-Theater mit den populären Schauspielern der Zeit in charakteristischen Rollen. Andere Bilder wiederum geben Einblicke in die alltägliche Lebenswelt der Menschen, angefangen bei Gesellschaftsszenen bis hin zu Landschaften. Sie alle sind wichtige Belegstücke für die Kultur des damaligen Japans.

 

Dieser attraktive Sammlungsbestand wurde bislang nur wenige Male gezeigt. Die aktuelle Ausstellung präsentiert nun einen Großteil dieser Werke erstmals nach thematischen Aspekten gegliedert und ermöglicht damit Einblicke in eine Welt, die den westlichen Betrachterinnen und Betrachtern nur auf den ersten Blick ungewöhnlich erscheint.

Einfluss der japanischen Kunst zu Beginn des 20. Jahrhunderts in Europa

Norbertine Bresslern-Roth, "Leopard", vor 1919, Holzschnitt

Auch bei den Vorbereitungen zur Ausstellung Norbertine Bresslern-Roth (nur noch bis 17. April in der Neuen Galerie Graz zu sehen!) zeigte sich der starke Einfluss der japanischen Kunst auf das künstlerische Schaffen zu Beginn des 20. Jahrhunderts in Europa. Vielen Künstlerinnen und Künstler dieser Zeit dienten die Holzschnitte als Inspirationsquellen und Vorlagen. 

Ausstellungs-Rundgang

Geschichtsbilder zwischen Mythos und Wahrheit

Vor allem die Zeit der Bürgerkriege vom 12. bis ins 16. Jahrhundert bot reichlich Stoff für Theater, Literatur und bildende Kunst. Dabei fand eine enge Durchdringung historischer Ereignisse – vorwiegend berühmter Schlachten – mit japanischen und chinesischen Mythen und Legenden statt.

Heldenmut

Wohl war die Edo-Zeit eine Periode des Friedens und der politischen Stabilität, doch wurde dies vor allem durch das restriktive Regime der Tokugawa-Shogune gewährleistet. Das alltägliche Leben war relativ strengen Verhaltensregeln untergeordnet, welche die individuelle Freiheit stark einschränkten und behördliche Willkür förderten.

So waren Helden der kriegerischen Vergangenheit des Landes wegen ihres Mutes und ihrer Stärke als Kämpfer für Ehre und Gerechtigkeit gefragte Identifikationsfiguren. Viele wurden zu mythischen Figuren hochstilisiert, die übermächtige Gegner, Dämonen und Monster bezwangen. Ihre ruhmvollen Taten wurden im Kabuki-Theater effektvoll inszeniert und in Holzschnitten fantasievoll ausgeschmückt.

Die Geschichte der 47 Rōnin

Die Geschichte der 47 Rōnin – das sind herrenlose Samurai – ist ein berühmter japanischer Stoff, der auf einer wahren Begebenheit aus dem frühen 18. Jahrhundert beruht. Sie handelt von 47 Samurai, welche den Tod ihres Herrn rächen und daraufhin gemeinsam Sepukku (rituellen Selbstmord) begehen.

Murasaki Shikibu und der Roman „Genji Monogatari“

Die Hofdame Murasaki Shikibu (um 978 bis 1014) gilt als Verfasserin des Romanes Genji Monogatari („Die Geschichte vom Prinzen Genji“). Bis heute ist dieses herausragende Werk japanischer Literatur ein fester Bestandteil der Kultur Japans.

Kabuki – Das Theater und seine Stars

Kabuki war die volkstümliche Form des japanischen Theaters. Es stand im Gegensatz zu den älteren, rituell ablaufenden Nō-Spielen, welche der Oberschicht vorbehalten und stark intellektuell geprägt waren. Kabuki hingegen unterhielt sein Publikum mit populären Handlungen, die alle Register menschlicher Leidenschaft zogen und mit anzüglichen Possen und Knalleffekten gespickt waren. Die Vorstellungen umfassten zahlreiche Akte und dauerten oft den ganzen Tag.

Weniger der Text, sondern dramatische Inszenierungen, bühnentechnische Effekte und die Schauspieler selbst – mit ihren prächtigen Kostümen und effektvollen Gesten und Gebärden – standen hier im Mittelpunkt. In jeder Hinsicht waren Schauspieler Idole der Massen. Sie galten als modische Vorbilder, deren Rollen ebenso Interesse erweckte wie ihr Privatleben.

Urbanes Lebensgefühl

Während der Edo-Zeit, der längsten Friedensepoche in der Geschichte des Landes, erlebte Japan ein starkes Wachstum seiner Städte, das mit dem zunehmendem Wohlstand der bürgerlichen Gesellschaft einherging. Die städtische Oberschicht war geprägt von vermögenden Kaufleuten, die zu Trägern des kulturellen Lebens wurden und einen eigenen, kunstsinnigen und genussorientierten Lebensstil kreierten. Es entstanden Stadtviertel mit Theatern und Restaurants oder Geschäften, die Luxusartikel wie kostbare Kleider oder Kosmetikprodukte anboten.

All diese Einrichtungen einer modernen Stadt kamen der müßiggängerischen Lebenseinstellung der urbanen Gesellschaft entgegen. Generell entwickelte sich eine neue Freizeitkultur, zu der etwa die Blütenschau, der Besuch von Festen, das Picknick im Freien oder auch einfach nur das Flanieren in den belebten Straßen zählten.

Das Freudenviertel „Yoshiwara“

1657 wurde außerhalb von Edo das Freudenviertel „Yoshiwara“ als offiziell zugelassenes Vergnügungsviertel gegründet. Es handelte sich um ein abgeschlossenes Areal inmitten von Reisfeldern, das man über ein einziges Tor erreichen konnte. Darin befanden sich die Häuser der Kurtisanen, wo diese ihre Besucher empfingen.

Landschaft und Reisen

Vor allem im 19. Jahrhundert wurde die pittoreske Landschaft Japans zum Thema der Kunst. Ähnlich wie zur selben Zeit im Westen, rückten Natursehenswürdigkeiten in den Fokus, wie beispielsweise der heilige Berg Fuji oder andere markante landschaftliche Attraktionen entlang der Handels- und Reiserouten. So erschienen Ende des 18. Jahrhunderts Holzschnittserien und bebilderte Reiseführer berühmter Gegenden in großer Zahl, welche die Schönheit der heimischen Natur priesen und den aufkommenden Tourismus als ein neues Freizeitvergnügen der städtischen Oberschicht bedienten.

Zumeist waren keine individuellen Orte dargestellt, sondern Landschaften, die im allgemeinen Bewusstsein eine besondere literarische, religiöse oder historische Bedeutung für Japan besaßen. So etwa die Serie Tōkaidō-e, welche den Verlauf der Tōkai-Handelsstraße zwischen Edo und Kyōto mit ihren 53 Raststationen behandelt.

Reisen waren besondere Ereignisse, da man sich außerhalb der strengen Alltagskonventionen der Zeit bewegen konnte. Für die meisten Personen ergab sich vor allem im Rahmen von Pilgerfahrten diese Möglichkeit. In den Poststationen und Herbergen am Wegesrand konnte man sich ungezwungener als sonst geben.

Neue Galerie Graz

Joanneumsviertel, Zugang Kalchberggasse
8010 Graz, Österreich
T +43-316/8017-9100
joanneumsviertel@museum-joanneum.at

 

Öffnungszeiten

Di-So 10-17 Uhr

Überblicksführungen
Sa, So, Feiertag, 14 Uhr (de), So, 11 Uhr (en). Zusätzliche Termine entnehmen Sie bitte dem Kalender. Weitere Führungen nach Voranmeldung.

Öffnungszeiten der Bibliothek
Di und Do 10-15 Uhr sowie nach Vereinbarung
Ausnahmsweise geschlossen:
30.05. bis 07.06.2017 und 15.06.2017
Ausnahmsweise geöffnet:
14.06.2017 10-15 Uhr

Öffnungszeiten OHO!

Di bis Fr von 10 bis 24 Uhr
Sa 9 bis 24 Uhr
So und Feiertag 9 bis 18 Uhr

 

Programm und weiterführende Materialien


Katalog
Kampf und Leidenschaft. Japanische Farbholzschnitte