Johann Neumeister

Home Invasion

26.10.-10.12.2006


Eröffnung: 25.10.2006, 18 Uhr
Kuratiert von: Elisabeth Fiedler

Ort: Studio der Neuen Galerie Graz


Johann Neumeister gehört einer jungen Künstlergeneration an, die sich weder durch eine mediale Spartenzuweisung beschränken, noch durch geniale Künstlervorbilder oder traditionelle Institutionen beeindrucken lässt. Seiner vielschichtigen Ausbildung entsprechend, er studierte Philosophie, Bildhauerei, Medienkunst und Computermusik, recherchiert und arbeitet er quer durch diese Bereiche, um mit unterschiedlichsten Materialien sein eigenes geistiges und räumliches Umfeld ebenso zu hinterfragen wie die Identität des jeweils von ihm bearbeiteten Ausstellungsortes auszuloten. So ist es einmal die menschliche Wesenheit mit ihren Süchten und Trieben, deren Spuren er verfolgt und ironisch-lapidar in handwerklicher Einfachheit reflektiert. Ebenso verweist er offen auf historische Kunstbewegungen der 1960er Jahre, auf Happening, Fluxus oder Performance, auf von ihm geschätzte Künstlerpersönlichkeiten wie Beuys, Hansen, Kippenberger und reflektiert das Denken und die Arbeit von Künstlern, innerhalb deren Milieu er sich befindet. Dazu gehören Pettibon, Rhoades, West oder Weigand und deren Einbindung von Lebensumständen, Zufällen und politischen Komponenten.

 

Ausgehend von den Ansätzen in den 1960er Jahren beschäftigt er sich auch mit Pop- und Jugendkultur, mit der Entstehung und Bedeutung von Idolen und Stars, mit Musik und Film. Parallel dazu untersucht er die Medien, deren Einfluss, aber auch zunehmende Beliebigkeit und Irrelevanz für Meinungsbildung oder gar Wertebestimmung. Mit minderwertigen, gebrauchten Materialien arbeitend provoziert Neumeister neue Werte-Debatten, die den Kunstmarkt ebenso reflektieren, wie Fragen nach gesellschaftlichen, religiösen oder sozialen Wertvorstellungen einbeziehen.

Sein Interesse an Brüchen, Ungewissheiten und labilen Situationen reflektiert die Instabilität zwischen Wirklichkeit und Phantasie, zwischen Leben und Tod, wie er sie bereits bei A. E. Poe vorfindet. Über den Symbolismus, die phantastische Literatur und den Surrealismus führt die künstlerische Auseinandersetzung mit dem Unbewussten auch über die Wege der halluzinogenen und bewusstseinserweiternden Experimente vor allem in den 1960er und 1970er Jahren, die Neumeister in anderer Form weiterführt. Eine parallele Thematik für ihn ist die Konstruktion von Wirklichkeit, Körperlichkeit und die Virtualisierung des menschlichen Körpers. Ausgehend von Mary Shelleys Frankenstein über die Science Fiction-Phantasien des Menschen im Cyberspace bis zu anatomischen Computermodellen des menschlichen Körpers führt Neumeister uns ein reales, geschichtsbeladenes und uneinheitliches Interieur vor, dessen bisherige User unbenannt bleiben. Damit führt er den Betrachter in einen Schwebezustand zwischen der Betrachtung einer musealen Installation und einer scheinbar situativen Trashkomposition, zwischen historischem Lebensraum und fluktuierender Benutzbarkeit, zwischen privater und kollektiver Erfahrbarkeit. Auch die Ambivalenz der Besetzung eines fremden Raumes durch den Künstler und das Eindringen des Besuchers in dessen Privatsphäre wird im Titel HOME INVASION evident.

Ein Bett, ein Stuhl, eine an die Wand gelehnte Tür, eine Bar, ein Spiegel, ein Teppich werden von Neumeister zwischen Design und Kunst, zwischen Möbel und Skulptur in einem ambivalenten Zustand belassen. Aus der Reflexion einer der zentralen Utopien der Moderne, nämlich alle Bereiche des Lebens in die Kunst einzubinden bzw. Prinzipien der Kunst auf alle Lebensbereiche auszuweiten, entwickelt Neumeister ein neues Szenario. Nach der Entwicklung innerhalb der Kunst des 20. Jahrhundert, in der, ausgehend von Brancusi, einerseits die vollkommene Zweckfreiheit des Objekts und andererseits dessen vollkommene Gebrauchsfähigkeit proklamiert wurde, untersucht er zivilisatorische, soziale und kunstimmanente Parameter, die er ironisch hinterfragt. Dabei werden in seiner Arbeit Tabuzonen durch den Charakter des Momentanen, Flüchtigen und Fragmentarischen unterlaufen und er entwirft mittels einer Ästhetik der Unabgeschlossenheit und des Beiläufigen einen neuen Grenzbereich zwischen Realität und Fiktion, eine Utopie neuer demokratischer Lebensmuster aus der Kunst heraus.

Elisabeth Fiedler

 

Neue Galerie Graz

Joanneumsviertel, Zugang Kalchberggasse
8010 Graz, Österreich
T +43-316/8017-9100
joanneumsviertel@museum-joanneum.at

 

Öffnungszeiten

Di-So 10-17 Uhr 
 
Überblicksführungen
Sa, So, Feiertag, 14 Uhr (de), So, 11 Uhr (en). Zusätzliche Termine entnehmen Sie bitte dem Kalender. Weitere Führungen nach Voranmeldung.

Öffnungszeiten der Bibliothek
Di und Do 10-15 Uhr sowie nach Vereinbarung

Öffnungszeiten OHO!

Di bis Fr von 10 bis 24 Uhr
Sa 9 bis 24 Uhr
So und Feiertag 9 bis 18 Uhr

 

2. April 2018
21. Mai 2018

24. bis 25. Dezember
13. Februar 2018
24. bis 25. Dezember 2018