Herwig Tollschein

B-Seiten

31.07.-13.09.2009


Eröffnung: 30.07.2009, 19 Uhr
Kuratiert von: Anke Orgel

Ort: Studio der Neuen Galerie Graz


Mit Herwig Tollschein (geb. 1970 in Bruck/Mur, lebt in Pernegg) konzentriert sich eine Ausstellung im Studio der Neuen Galerie ausschließlich auf Arbeiten auf Papier. Drei aktuelle Werkblöcke veranschaulichen das experimentelle Potential des Mediums Zeichnung als zeitgenössisches Ausdrucksmittel im gelösten Umgang mit der Kunstgeschichte.

Die Linie ist Ausgangspunkt des Zeichners und Druckgrafikers Herwig Tollschein, sie kann einfache Formen umreißen, die der Künstler anschließend mit Farbe füllt, sie kann in parallelen Anordnungen klare Formen bilden oder auch formlos, als gestisches Zeichen, funktionieren. Mit ihr entwickelt sich das Motiv, das sich im Laufe des Arbeitsprozesses konkretisiert.
Anbringungen von Schellack auf den Rückseiten, den titelgebenden „B-Seiten", der Blätter und vor allem intuitiv gesetzte Terpentinölflecken beabsichtigen das unerwartete, zufällige Moment im Entstehungsprozess einer Arbeit - mit „durchbluteten" Blättern und der zufälligen Anordnung von Ölflecken am Papier als Ausgangspunkt vermeide man zudem die Konfrontation mit dem reinen weißen Blatt, so der Künstler. Bereits in der Vergangenheit nahm das Experiment mit verschiedenen Chemikalien und deren Reaktionen in Kombination eine wesentliche Rolle ein - aktuell ist es die Verbindung von Terpentinöl und Eisenchlorid, deren automatische Reaktion Tollschein herausfordert. Das Ergebnis bildet die Basis für inspirierte Überarbeitungen.

Im ersten Werkkomplex setzt die Linie gestische Akzente, jegliche formale Einengung fehlt. Statt mit geschlossenem Pinselstrich bringt Tollschein Farbe mit diversen handelsüblichen Bürsten auf die „A-Seiten" des Schellack-behandelten Papiers.

Tollschein kombiniert geometrisches Vokabular, das sich manchmal zu militärischen Gerätschaften zusammensetzt oder an Motive aus dem Bereich der Industrie denken lässt. Auch das Haus steht im Zentrum des zweiten aktuellen Werkkomplexes - ein Motiv, das Tollschein seit Jahren immer wieder aufgreift. Es ist in aller Einfachheit zu Papier gebracht, naiv anmutend, auf seine Grundelemente reduziert. Es steht modellhaft für Architektur und Behausung an sich und doch erklärt es sich nicht als Zufluchtsort und Wohnstätte. Der Raum ist menschenleer. Häuser und Umgebung wirken schemenhaft und nüchtern, die teilweise verzerrt dargestellten Wohnobjekte stehen an Mauerkanten, am Abgrund. Wenn das Haus, die feste Wohnstätte, gemeinhin Verankerung des Menschen in der Gesellschaft bedeutet (die lange Tradition und den Stellenwert von Nomaden- und Einsiedlertum hier nicht berücksichtigend), so wird damit die Definition seiner zivilisierten Existenz in Frage gestellt. Auch als Ort der individuellen Sicherheit und des Schutzes taugt das Haus nicht - es steht in der Leere, soziales Gefüge fehlt ihm.

Parallele Linien aus exakt geführten Pinselstrichen imitieren textiles Material - die „gewebte" Zeichnung nach einer alltagstauglichen Tischdecke ist Ausgangspunkt eines weiteren Werkblocks. Das ornamentale Muster des Tuchs, das ebenso in die Zeichnung übertragen wird, gewinnt in der Folge an Eigendynamik - emanzipiert mäandert es teilweise in raumerzeugenden Überlagerungen über das Blatt. Die sorgfältige Führung des Pinsels verschleiert die Originalität der Zeichnung - die an mikroskopisch vergrößerte biomorphe Formen erinnernden Bänder erscheinen mechanisch hergestellt. Anke Orgel

 

 

Neue Galerie Graz

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